Abschied mit Wehmut und sentimentalen Erinnerungen

45 Jahre nach erstem Auftritt von Stemmeisen & Zündschnur ging diese Musikära zu Ende.
Thal Mit seiner gefühlvollen Ballade „Dor Obod goht übor i d’Naht, und macht se dorvo gonz vorgstohn, was itz no nüd gsungo und itz no nüd gseyt, – föar dänas, do gitas ka mon …“ hat Ulli Troy unzählige Konzerte von Stemmeisen & Zündschnur und später von Zündschnur & Band beendet. Diesmal hatte es eine besondere Bedeutung, denn im Thalsaal, dem „Wohnzimmer“ der Kultband, beendete dieses Lied nicht nur das Konzert, sondern eine Musikära, die vor 45 Jahren begann und die zu einem Mundart-Markstein weit über den Bregenzerwald hinaus wurde. Verständlich, dass da auch Wehmut aufkam, zumal Corona die Abschiedstour auf vier Konzerte in Göfis, Hittisau, Mellau und zum krönenden Abschluss Thal reduziert hatte.
A-wan, a-tu, a-drü – a-fango
Im allerletzten Konzert erinnerte Ulli Troy natürlich auch an die Meilensteine der (Stemmeisen &) Zündschnur-Geschichte: Begonnen hat alles 1976 in einem englischen Pub in Essex, wo der angehende Englischlehrer Ulli Troy sein Auslandssemester absolvierte und Besuch aus der Heimat bekam. Irgendwann griffen er und Hermann Stadelmann (Stemmeisen) zu den Gitarren und das Schicksal nahm seinen Lauf.
Zurück in der Heimat wurden die beiden zum Antreten bei der Hitparade beim Egger Musikfest überredet. Beim Konzert in Thal legte dazu Gerold Mohr lange verschollene Fotodokumente vor. Mehr als der dritte Platz bei der Hitparade blieb ein „Markenzeichen“ des Duos bis heute in Erinnerung: „A-wan, a-tu, a-drü – a-fango.“ Stichwort Hermann Stadelmann: Er hätte beim Abschiedskonzert dabei sein sollen, musste jedoch krankheitsbedingt absagen.
Eine ausgezeichnete Auswahl
Logisch, dass das allerletzte Konzert mit der legendären englisch-wälderische Liedzeile begann: Der Vorderwälder (Müselbacher) Rock und „FKK ador Subersa“ sind längst moderne Volkslieder geworden – wie viele andere Melodien (meist) aus der Feder von Ulli Troy und komponiert von Rolf Aberer, der „musikalischen Seele im Hintergrund“.
Diese beiden Hits sorgten gleich für Stimmung im Saal – mitklatschen und mitsingen war angesagt und die Zündschnur-Fanfamilie feierte Party. Wer die Wahl hat, hat die Qual, lautete die Devise für die Programm-Gestaltung, die vollauf geglückt ist. Nicht einfach bei über 100 Liedern, die zur Auswahl standen und zudem mit den Comedy-Einlagen von Sattlars Mike kombiniert wurden. Krankenstandsmeldung, Tscheppar und natürlich die Hildegard… Dazu fetzige Hits gemixt mit „rebellischen“, umwelt- und gesellschaftskritischen Liedern (z. B. „As strößolat“, „Vernissasch“ oder „Gang itz no a Buschl ga hola“) und Balladen wie „Ähne’s dia olt Gitar“.
Da musste sich die Zündschnur-Wiborsito Evelyn Fink-Mennel, Isabella Fink und Irma Maria Troy ordentlich ins Zeug legen, um mithalten zu können. Sie meisterten die Herausforderung mit Bravour, versicherten „Moano toand meor’s gliech“, hätten „sa gen a Französle“ gehabt und jodelten sich auch noch einmal ihre Freude über den gelungenen Abschiedsabend von der Seele. Für die Fans blieb eine freudige Nachricht: Sie wollen ihre Trio-Tätigkeit weiterführen. Bei ihrem „Chef“ Ulli Troy bedankten sie sich in Ermangelung eines noblen Lorbeerkranzes mit einem dürren und struppigen Umhängsel.
Sparsame Dankabstattung
Wenn er allen danken müsste, die es in den letzten 45 Jahren verdient hatten, dann würde es den Rahmen des Abends sprengen, bat Ulli Troy um Nachsicht und beschränkte sich auf die wichtigsten Wegbegleiter: seine großartige Band, Walter Fink, der die Band via Radio „unter die Leute brachte“ und Peter Strauss, der dies über die VN bewerkstelligte.
Für ein besonderes Sponsoring bedankte sich Zündschnur bei Wilfried Mennel und seiner Karosserie Akademie: Mennel stellte der Band zwei Luxus-Camper – einen für „d’Mä“, einen für „d’Wiborsito“ – zur Verfügung, damit sie nach dem Konzert in Thal übernachten konnten. „Eine gute Idee, denn es wurde ein langer Abend und wir waren froh, dass wir nicht mehr heimfahren mussten.“ So blieb ausreichend Zeit, um mit den Fans in Erinnerungen zu schwelgen und im gemütlichen Smalltalk unzählige Begebenheiten aus fast einem halben Jahrhundert Musikgeschichte aufleben zu lassen. STP

... Evelyn Fink-Mennel, Isabella Fink und Irma Maria Troy – machten Zündschnur & Band einzigartig.

Mit Standing Ovations verabschiedeten die begeisterten Fans die Band. Zündschnur & Band dankten ein letztes Mal den Fans mit anhaltendem Applaus für die jahrzehntelange Treue.

Gerold Mohr zeigt Ulli Troy wertvolle Bilddokumente vom ersten Auftritt.stp/5