Kein Coronaeffekt bei den Alpinunfällen

Vorarlberg / 12.04.2022 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für die Bergretter war es kein entspannter Winter. <span class="copyright">APA/Zoom.Tirol</span>
Für die Bergretter war es kein entspannter Winter. APA/Zoom.Tirol

Die Zahl der Unglücke auf und abseits der Piste nähert sich wieder dem Durchschnitt an. Fahrerflucht ist weit verbreitet.

Innsbruck Der Pandemiewinter 2019/20 wirkte sich auch auf die Zahl der Alpinunfälle aus. Der Rückgang um rund zwei Drittel war jedoch ein einmaliger Effekt.

Bereits im auslaufenden Winter näherte sich die Zahl der Unglücke im Gebirge wieder dem langjährigen Mittel an. Das ist dem am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) zu entnehmen.

Die Alpinpolizei registrierte zwischen November 2021 und dem 3. April 2022 in Österreich 4345 Alpinunfälle mit 6716 verunfallten Personen (Im Mittel 7242). Das Zehn-Jahres-Mittel liegt bei 4575 Unfällen. Im Vorjahr waren es nur 2494 Verunfallte, 88 von ihnen starben bei dem Unglück. In der laufenden Saison verliefen die Alpinunfälle für 111 Personen tödlich, davon zwei in Vorarlberg. Allein in der Schlechtwetterphase Anfang Februar 2022 starben 18 Personen bei Lawinenabgängen, darunter ein norwegischer Urlauber in Vorarlberg. 15 der 18 Lawinentoten waren Skitourengeher.

Unfallzahlen steigen langsamer als Wintersportlerzahlen

“Lawinenunfälle im Zehnminutentakt, wie Anfang Februar 2022, sind für die freiwilligen Bergretterinnen und Bergretter eine enorme Herausforderung”, unterstrich der Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD), Stefan Hochstaffl. Der vergangene Winter habe insgesamt gezeigt, wie wichtig das gesamte Rettungssystem vom Einsatzleiter, einzelnen Bergrettern, der Alpinpolizei und Flugrettung bis hin zu Suchhunden ist.

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Die Zunahme von Unfällen falle moderater aus, als es die steigende Zahl an aktiven Tourengehern erwarten ließe, hielt der Leiter der Alpinpolizei, Hans Ebner, fest. Insgesamt wurden im Zwischenbericht etwa 700 im Winter 2021/22 verunfallte Tourengeher erfasst, das Zehn-Jahres-Mittel liegt bei 500. “Viele sind mit ihren Tourenskiern auf der Piste und im niedrigeren Gefahrenbereich unterwegs”, sagte Ebner.

Fahrerflucht bei jedem fünften Unfall

Auf den Pisten und Skirouten verunfallten in Österreich im Betrachtungszeitraum 4613 Personen (Zehn-Jahres-Mittel: rund 5300), davon 27 tödlich (Zehn-Jahres-Mittel: 28). Elf Personen starben im Zuge eines Sturzes oder Absturzes, acht Personen aufgrund einer Herz-Kreislauf-Störung und genau so viele wegen eines Aufpralls gegen ein Hindernis. 36 Prozent von ihnen stammten aus Deutschland, 27 Prozent aus Österreich. In 22 Prozent der Unfälle auf den Pisten lag eine Fahrerflucht vor.

Zwei Personen verstarben in Österreich im vergangenen Winter bei Rodelunfällen. Insgesamt wurden 221 Personen (Zehn-Jahres-Mittel: 194) beim Rodeln verletzt. Etwa 20 Prozent der Verletzten zog sich dabei Kopfverletzungen zu, gefolgt von Verletzungen am Sprunggelenk mit 14 Prozent sowie am Rücken und der Wirbelsäule mit 13 Prozent.

Prävention wirkt

Wie immer appellierten die Berichtsverfasser, das ÖKAS, der ÖBRD und die Alpinpolizei/BMI, an die Eigenverantwortung, eine vernünftige Selbsteinschätzung und Tourenauswahl, das Einholen aktueller Informationen sowie ein Kursangebot oder eine professionelle Führung zu nutzen. ÖKAS-Präsident Peter Paal betonte, dass die Unfallzahlen in den letzten zehn Jahren trotz deutlicher Zunahme an sportlichen Aktivitäten am Berg auf einem konstanten Niveau verharrten. “Prävention wirkt und wir können gemeinsam darin noch besser werden”, zog Paal ein Fazit. Paal nahm die Veröffentlichung des Berichts zudem zum Anlass, davor zu warnen, Verunfallte pauschal zu verurteilen, ohne die genaue Situation zu kennen. Dies solle man Experten und Juristen überlassen, mahnte er.

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