Herbeigesehnt, misstraut, abgelehnt

Vorarlberg / 08.06.2022 • 18:29 Uhr
Karina Lechtaler kämpft seit Jahren für eine Entlastung der L 203. VN/Lerch
Karina Lechtaler kämpft seit Jahren für eine Entlastung der L 203. VN/Lerch

Die Palette der Reaktionen auf die Asfinag-Präsentation der S 18 als CP-Variante ist breit.

LUSTENAU „Ich wäre froh, wir hätten bei uns eine Untertunnelung tief unter der Erde und würden vom Verkehr nichts merken.“ Die Reaktion von Karina Lechtaler, jahrelange Kämpferin für eine Entlastungsstraße und Anrainerin des Verkehrshotspots an der L 203, zeigte sich vom präsentierten Modell der CP-Variante angetan. „Es war eine gute Information. Und ich musste bei meinem Besuch der Ausstellung feststellen: Die schärfsten Gegner sind nicht einmal die potenziell Betroffenen selbst, sondern Leute, die fernab der Verkehrslawine wohnen. Das ist typisch für dieses Projekt.“

„Ich bin jetzt noch heiser von den vielen Gesprächen, die ich mit Bürgern bei der Ausstellung führte. Sehr viele stehen dieser Variante skeptisch gegenüber. Und immer wieder wurde ich aufgefordert, vehement die Rückholung der Z-Variante direkt durchs Ried zu fordern. Das verstehe ich auch. Was ich nicht verstehe: Warum wurde diese Variante einfach abgelehnt. Sie könnte ebenso durchgehend untertunnelt werden, würde mehr Boden sparen und käme billiger. Das gesparte Geld könnte man 1:1 in die Ökologie einfließen lassen.“ So schildert der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer seine Eindrücke von der Asfinag-Planungsausstellung.

Lauterach und Lustenau vereint

Einen loyalen Partner weiß Fischer mit seinem Amtskollegen aus Lauterach, Elmar Rhomberg, hinter sich. „Wir werden nur gemeinsam vorgehen“, verspricht Rhomberg, der sich noch tiefergehende Informationen der Projektentwickler abseits des Trubels einer öffentlichen Ausstellung wünscht. Nicht hinnehmbar sei ein Zugang zum Knoten Lustenau Mitte über das Ried. „Dann haben wird dort wieder Verkehr. Das ist nicht akzeptabel.“ Bezüglich der Alternativenprüfungen wünscht sich Rhomberg eine starke Miteinbeziehung der Schweizer Partner. „Da ist offensichtlich noch nicht viel passiert.“ Erfreulich findet der Lauteracher Bürgermeister, dass für den Übergang von Lusten­au nach Höchst in den aktuellen Plänen auch eine Untertunnelung des Rheins vorgesehen ist. Skepsis regiert selbstredend bei den Anrainern der Ostumfahrung CP. Zum Beispiel den Bewohnern der Straße Am Neuner. „Es ist doch nicht nachvollziehbar, was für eine komplizierte Umweg-Trasse man hier wählen will“, sagt Hugo Eisele, der Am Neuner wohnt. Das mit der kompletten Untertunnelung in seinem Wohnbereich wolle er sich noch einmal genau anschauen. „Aber ehrlich, mir fehlt diesbezüglich der Glaube.“

IV angetan, Breiner ablehnend

Ein äußerst positives Feedback auf die Planungsausstellung kommt von der Industriellenvereinigung Vorarlberg. „Ich fand die dort vermittelten Informationen wirklich sehr gut. Sie zeigen klar die Richtung an. Der Siedlungsraum wird komplett untertunnelt, sodass die Anrainer geschützt sind. Das kann man so annehmen“, äußert sich IV-Sprecher Christian Zoll.

Naturgemäß anderer Meinung ist Naturschutzikone Hildegard Breiner, die ebenfalls die Ausstellung im Millennium Park besuchte. „Ich räume ein, dass es für jemanden, der sich mit der Materie nicht befasst hat, sehr viel Informationen gibt. Trotzdem: Das Projekt kann ich gewiss nicht befürworten. Auf viele wichtige Fragen können die Projektbetreiber und ihre Experten nämlich überhaupt keine fundierten Antworten geben.“

Interessiert und kritisch waren viele Besucher der Ausstellung. VN/Steurer
Interessiert und kritisch waren viele Besucher der Ausstellung. VN/Steurer