Hilferufe von den Schulen werden immer lauter, weil. . .

Vorarlberg / 14.06.2022 • 06:00 Uhr
Lehrer haben in der Vergangenheit öfters wegen verschiedener Anlässe demonstriert. Derzeit ist der Pädagogenmangel in Vorarlberg ein großes Problem. <span class="copyright">APA</span>
Lehrer haben in der Vergangenheit öfters wegen verschiedener Anlässe demonstriert. Derzeit ist der Pädagogenmangel in Vorarlberg ein großes Problem. APA

Es fehlen für das kommende Schuljahr immer noch 255 Lehrer und sechs Schulleitungen.

Bregenz, Schlins Direktor Konrad Müller (59) von der Landessonderschule Jupident in Schlins hat genug: “Ich lege mit Ende des Schuljahres mein Amt als Schulleiter zurück”, sagt der Pädagoge unmissverständlich.

Der Entscheidung Müllers ist ein längerer Prozess vorausgegangen. Ein Prozess, der geprägt war von Frustration und Unzufriedenheit. “Es sind mehrere Gründe, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Da ist zum einen die überbordende Administration. Da sind aber auch pädagogische Gründe.” Vieles dreht sich dabei um die Personalsituation, die auch an der Landessonderschule immer dramatischer wird. “Ich musste im Herbst 2021 feststellen, dass ich keine ausgebildeten Lehrer für Deutsch und Englisch hatte. Eine Improvisationslösung hat nicht funktioniert.” Grundsätzlich beklagt Müller die mangelnde Zeit für KollegInnen und Pädagogik.

Konrad Müller, Direktor der Landessonderschule Jupident in Schlins, spricht Klartext und tritt als Schulleiter zurück.
Konrad Müller, Direktor der Landessonderschule Jupident in Schlins, spricht Klartext und tritt als Schulleiter zurück.

Druck auf KollegInnen

Der Druck auf die im Dienst befindlichen Lehrer würde immer stärker werden. “Statt sie zu entlasten, werden sie gedrängt, volle Lehrverpflichtungen einzugehen.” Für Müller sind es zudem auch pädagogische Gründe, die ihn sein Amt verleideten. “Man will keine Schüler ohne sonderpädagogischen Sonderbedarf mehr zu uns lassen und bringt daher die Inklusion zu Fall. Auf den Punkt gebracht: Ich höre als Schulleiter auf, weil ich Verantwortung für Situation und Gegebenheiten übernehmen muss, die ich nicht gutheißen und auch nicht ändern kann”, lautet Konrad Müllers Fazit nach vier Jahren als Direktor der Landessonderschule Schlins.

“Ich höre als Schulleiter auf, weil ich die Gegebenheiten nicht gutheiße und auch nicht ändern kann.”

Konrad Müller, Noch-Direktor Landessonderschule Jupident

Wer ist schuld?

Alleine ist Müller in seiner Amtsmüdigkeit als Schuldirektor nicht. “Es fehlen uns insgesamt 255 Lehrer und sechs Direktoren. Die ausgeschriebenen Stellen können nicht besetzt werden. Es droht im Herbst ein Notstand”, warnt Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann (63).

Willi Witzemann: Man habe schon lange auf die sich zuspitzende Situation aufmerksam gemacht und sei nicht gehört worden. <span class="copyright">VN</span>
Willi Witzemann: Man habe schon lange auf die sich zuspitzende Situation aufmerksam gemacht und sei nicht gehört worden. VN

Für den Missstand verantwortlich macht Witzemann vor allem das Ministerium in Wien. “Man hat dort der Entwicklung tatenlos zugesehen, obwohl eine Situation wie die jetzige vorprogrammiert war.” Witzemann beschwert sich auch über Landeshauptmann Markus Wallner (54). “Wir hätten uns von ihm erwartet, dass er in Wien Druck macht. Geschehen ist nichts.”

Auch Klassenvorstände gesucht

Die jetzt getätigten Bemühungen von Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (61) honoriert der Lehrervertreter zwar, zentrale Forderungen der Lehrervertretung seien jedoch noch nicht erfüllt worden. Witzemann bezieht sich diesbezüglich vor allem auf die Ausbildung. “Der Bachelor muss nach drei Jahren schon möglich sein und die Absolventen danach als vollwertige Lehrer gelten. In zwei weiteren Jahren sollte der Master berufsbegleitend gemacht werden können.”

Derzeit sind an 149 Schulen LehrerInnenstellen ausgeschrieben, auch 62 Klassenvorstände werden noch gesucht.