Gericht: Elf Jahre Gefängnis für Mord an Freundin

Vorarlberg / 04.07.2022 • 17:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gericht: Elf Jahre Gefängnis für Mord an Freundin
Der Angeklagte vor Gericht: Für sieben Geschworene war es Mord, für einen Totschlag. Eckert

Versuch des Anwalts, mit Totschlag und geringerer Strafe davon zu kommen, scheiterte.

Feldkirch Ende Oktober vergangenen Jahres wurde in Bürs eine 47-jährige Frau von ihrem Freund zu Tode gewürgt. Sie ist zwar von der Rettung noch erfolgreich reanimiert und mit dem ÖAMTC-Hubschrauber ins Spital nach Feldkirch geflogen worden, zwei Tage später starb sie jedoch an den gravierenden Hirnschäden.

Ihr Freund rauchte nach der Tat eine Zigarette, rief seinen Bruder an und gestand, dass er seine Lebensgefährtin getötet hatte. Im Prozess am Landesgericht Feldkirch ging es somit nur noch um die Qualifikation des Würgevorganges. War es Mord, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, oder Totschlag, also Tötung im Zuge einer allgemein begreiflichen, heftigen Gemütsbewegung? Bezüglich der Strafandrohung macht dies einen großen Unterschied. Auf Mord stehen mindestens zehn Jahre Haftstrafe, maximal lebenslang. Bei Totschlag drohen fünf bis maximal zehn Jahre.

Zerrüttetes Verhältnis

Der 60-Jährige arbeitete rund 15 Jahre in der Schweiz, zuletzt im Kanton Schwyz, wo er auch wohnte. Nur zu den Wochenenden kam er heim zu seiner Freundin. Und dort gab es offenbar regelmäßig Krach.

2014 hatte er die damals ebenfalls in der Schweiz als Putzfrau Beschäftigte kennengelernt. Der Verheiratete ließ sich scheiden und wollte mit der gebürtigen Steirerin zusammen sein. Doch die Frau war nicht unkompliziert. Schwere Stimmungsschwankungen im Zuge ihres Borderline Syndroms, Alkohol- und Tablettensucht machten sie oft launisch und aggressiv. Am 26. Oktober 2021 eskalierte die Situation in der Bürser Wohnung. „Die sieben Jahre dauernde Beziehung war von Hassliebe geprägt, ein explosives Gemisch. Der Mann geriet in ein Burnout, sein depressiver Erschöpfungszustand belastete die Situation ebenfalls“, so Gerichtspsychiater Reinhard Haller.

Immer wieder geweint

Als die Frau den Angeklagten beleidigte und die Türe seiner Wohnung so zuknallte, dass die Glasscheibe zersplitterte, packte er sie am Hals und erwürgte sie. „Nach zehn bis 15 Sekunden trat Bewusstlosigkeit ein, nach vier bis fünf Minuten der Tod“, so Gerichtsmediziner Walter Rabl. Immer wieder weint der Angeklagte beim Prozess.

„Es waren sicherlich starke Affekte im Spiel. Diese haben die Zurechnungsfähigkeit eingeschränkt, ausgeschlossen war sie nicht“, so Haller. Ein Affekt, der so heftig ist, dass jemand nicht mehr weiß, was er tut, ist Haller in seinen 40 Jahren als Gutachter maximal zwei bis drei Mal untergekommen. Die Geschworenen befinden den Bludenzer nach eingehender Beratung des Mordes für schuldig, als Strafe werden elf Jahre Gefängnis verhängt. Mildernd waren vor allem das Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit. Opferanwalt Stefan Denifl bekommt für die Hinterbliebenen insgesamt 28.000 Euro zugesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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