Plädoyer für den Zusammenhalt

Vorarlberg / 01.09.2022 • 20:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Haller hielt beim 53. Russpreis für das Ehepaar Hagleitner die Festrede. <span class="copyright">Fotos: VN/Paulitsch, Rhomberg</span>
Reinhard Haller hielt beim 53. Russpreis für das Ehepaar Hagleitner die Festrede. Fotos: VN/Paulitsch, Rhomberg

Laudatio für Ehrentraud und Willi Hagleitner: Festredner Reinhard Haller sieht Auszeichnung als Appell gegen soziale Kälte.

Bregenz Gemeinsames Engagement für soziale Gerechtigkeit, Gründer zahlreicher Initiativen, vernetzende Hilfe: Psychiater Reinhard Haller und Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink würdigten in ihren Festreden das Lebenswerk und den ehrenamtlichen Einsatz von Ehrentraud und Willi Hagleitner und gingen dabei vor allem auf die Bedeutung des Zusammenhalts und gesellschaftliche Herausforderungen ein.

Haller sparte zudem hinsichtlich aktueller Entwicklungen nicht mit Kritik an Selbstoptimierung und der “Unkultur der Beschämung in asozialen Medien”.

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Für das Gemeinsame

Der Festredner bezeichnete die diesjährige Auszeichnung mit dem Russ-Preis für ein Paar als „ein starkes Zeichen für das Gemeinsame, einen Appell gegen soziale Kälte und Spaltung der Gesellschaft, ein Plädoyer für das Zusammen“. Willi und Ehrentraud Hagleitner hätten sich gemeinsam für die soziale Gerechtigkeit engagiert, richtungsweisende Initiativen gestartet und an den Rand gedrängte Menschen wieder in die Gesellschaft integriert.

Für Haller ging es in der Ansprache bezüglich des Themas Zusammenhalt aber nicht nur um traditionelle Partnerschaften. Es ging auch um das Zusammenkommen- und leben in anderen Partnerschafts- und Familienformen, in Teams am Arbeitsplatz, in Firmen und Institutionen, in Religion und Politik, im gesellschaftlichen Miteinander und im Zusammenkommen der Nationen.

Liebe und Empathie

„Zusammen beinhaltet alle Abstufungen von Nähe und Geborgenheit über Solidarität und Freundschaft bis zu Frieden und Liebe. Letztlich bis zur Empathie, von der der Astrophysiker Steven Hawkings sagt, sie allein könne die Menschheit retten“, erläuterte Haller weiter. In Zeiten des Narzissmus bleibe vom Miteinander aber nicht mehr viel übrig. Er geht davon aus, dass eine gewisse Vereinsamung jenseits der gegenwärtigen Krisen die gesellschaftliche Herausforderung Nummer eins sein wird.

Das ehrenamtliche und äußerst engagierte Wirken des Ehepaars Hagleitner rund um die Gründung des Familienverbands und den Einsatz für die Jüngsten oder für den Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) und die damit verbundene Enttabuisierung psychischer Krankheiten würdigte auch Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink in ihrer Ansprache. “Ich ziehe den Hut voller Respekt und Dankbarkeit für das Engagement der beiden für den Zusammenhalt.” Das Lebenswerk des Ehepaars sei geprägt von großer Liebe. “Es liegt eine große Kraft im Zusammenhalt”, betonte Schöbi-Fink auch im Hinblick auf das dichte soziale Netz in Vorarlberg.