Eine neue Moschee in Lustenau gibt es nur, wenn …

Vorarlberg / 06.10.2022 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine neue Moschee in Lustenau gibt es nur, wenn ...
Atib

Auflagen für Raumplanungsvertrag liegen auf dem Tisch. Gemeinde wartet auf Unterschrift des ATIB.

Lustenau Die spezielle Widmung des Areals, auf dem zwischen der Reichshof- und Tavernhofstraße in Lustenau das neue islamische Kulturzentrum samt Moschee kommen soll, steht unmittelbar bevor. Der Entwurf des von der Gemeinde geforderten Raumplanungsvertrags liegt auf dem Tisch. Nun fehlen nur noch die Unterschriften, um die Widmung als Fläche für publikumsintensive Veranstaltungen bei der nächsten Gemeindevertretungssitzung beschließen zu können.

Maßnahmenpaket

Der Beschluss des Flächenwidmungsplans wäre eigentlich schon bei der letzten GV-Sitzung vorgesehen gewesen. “Es wurde dann aber zeitlich sehr eng und die Klärung allerletzter Details wollte der Vertragspartner nicht unter Druck machen”, zeigt Bürgermeister Kurt Fischer Verständnis für die Moschee-Betreiber.

Eine neue Moschee in Lustenau gibt es nur, wenn ...
Über die Flächenwidmung für das islamische Kulturzentrum in Lustenau soll bei der nächsten Gemeindevertretungssitzung entschieden werden. Illustration ATIB

Die Auflagen für den Betrieb des islamischen Kulturzentrums mit Veranstaltungsräumen, Geschäften, Gastronomie und Gebetsstätte wurden nun von der Gemeinde klar festgelegt. Sie konzentrieren sich vor allem auf Regelungen für den Verkehr. “Wir verlangen unter anderem einen langfristigen Pachtvertrag für die 30 Parkplätze auf einem naheliegenden Privatgrund. Es wird für Zu- und Abfahrt eine ‘Rechts rein, rechts raus-Regel’ gelten. Es gibt ein Maßnahmenpaket für die Forcierung von Radverkehr, öffentlichen Verkehr, Fahrgemeinschaften. Es gibt ein Halte- und Parkverbot in der Tavernhofstraße. Ein solches wird auch für die Jahnstraße diskutiert”, nennt Vizebürgermeister Daniel Steinhofer Details der Auflagen.

Begrenzte Nutzerzahl

Zu diesen zählen neben den verkehrlichen Vorschriften auch eine Begrenzung der Nutzung des Kulturzentrums. Die verbindliche Obergrenze für die Nutzung wurde mit 300 Personen festgelegt.

Eine neue Moschee in Lustenau gibt es nur, wenn ...
Anrainer Erich Hagen.

“Ich habe nichts gegen die Religionsausübung. Aber an eine Beschränkung der Nutzerzahl glaube ich nicht.

Erich Hagen, Anrainer

Nachbarn und Anrainer wurden kürzlich von der Gemeinde Lustenau eingeladen und über die Auflagen informiert. Die spontanen Reaktionen fielen unterschiedlich auf. Eine pensionierte Anrainerin etwa traut der Sache nicht: “Die Betreiber des jetzigen Kulturzentrums haben sich schon vor langer Zeit nicht an Abmachungen gehalten. Im Gegenteil. Ich bin sehr skeptisch, dass dies jetzt der Fall sein wird.”

Anrainer Erich Hagen beurteilt die Situation differenziert. “Ich habe nichts gegen die Religionsausübung im Islamzentrums. Aber eine auf 300 beschränkte Nutzerzahl des Kulturzentrums kann ich mir nicht vorstellen. Dort gibt es Geschäfte, Gastronomie und Veranstaltungen. Das wird eine überregionale Geschichte und nicht nur für Lustenauer Muslime”, glaubt Hagen.

Die Grünen würden alles erlauben, die Blauen nichts. Es liegt an uns, einen Kompromiss zu finden.”

Daniel Steinhofer

Schwieriger Kompromiss

Vizebürgermeister Steinhofer (ÖVP) hofft auf einen funktionierenden Kompromiss beim Projekt und hält fest, dass der vor allem auch politisch nicht einfach ist. “Für mich ist die Situation so: Die Grünen würden den Betreibern alles gestatten, die Blauen nichts. Und wir als ÖVP müssen als Hauptverantwortungsträger einen Kompromiss finden”, beschreibt er sein Dilemma. Immerhin habe es bei der Präsentation der Widmungsauflagen auch Applaus seitens einiger Anrainer gegeben. Ein Vertreter des ATIB Lustenau war für die VN erneut nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.