Virenbelastung buchstäblich explodiert

Coronafälle: Bei den Krankenständen ist die Zunahme bisher moderat geblieben.
SCHWARZACH Man muss sich die Augen reiben, um sich zu versichern, dass sein kann, was man da sieht: Die Corona-Virenbelastung, die auf einer staatlichen Datenseite ausgewiesen wird, hat zuletzt explosionsartig zugenommen in Vorarlberg. Sie ist nicht nur größer als im vergangenen Jahr um diese Zeit, sondern auch größer als zum Höhepunkt der damaligen Herbstwelle. Christoph Scheffknecht vom Umweltinstitut des Landes bestätigt, dass mittlerweile ein „sehr hohes Niveau“ erreicht sei: „Das deutet auf ein verstärktes Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet der sechs Kläranlagen hin, in denen die Virenlast untersucht wird.“
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Das Glück ist, dass Corona mehr als dreieinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie auf eine Bevölkerung trifft, die aufgrund zumindest einer Erkrankung, oft aber auch der Impfung eine beträchtliche Immunität aufweist, wie Gesundheitsexperte Armin Fidler immer wieder betont. Es kommt daher zu weniger starken Erkrankungsfällen.
Vernachlässigbar ist die Sache aber nach wie vor nicht: Österreichweit werden pro Woche bereits mehr als 500 neue Spitalspatienten mit Corona verzeichnet, in Vorarlberg handelt es sich um rund 20. Außerdem gibt es mehr und mehr Arbeiter und Angestellte, die sich mit Corona im Krankenstand befinden. In der ersten Novemberwoche handelte es sich laut Gesundheitskasse bei leicht steigender Tendenz um 325 hierzulande. Das waren zwar weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (591). Wenn man aber auch Grippe- und grippeähnliche Fälle berücksichtigt und bedenkt, dass nicht immer klar ist, was wirklich vorliegt, ist bemerkenswert, dass die Summe mit 1781 praktisch gleich groß ist wie damals (1794).

Für den Leiter des Kinderärztezentrums in Dornbirn, Harald Geiger, bewegt sich das Geschehen nach wie vor im grünen Bereich: „Wir sehen wie immer mit Beginn der kälteren Jahreszeit zunehmend Infektionen. Diese sind meist viraler Natur und betreffen die Luftwege oder zusätzlich auch den Magen-Darm-Trakt.“ Virusnachweise initiiere man nach Schwere der Erkrankung.
Nach Ansicht des Gesundheitsexperten Thomas Czypionka vom „Institut für Höhere Studien“ (IHS) wäre es dennoch angebracht, gerade jetzt mit einer öffentlich wahrnehmbaren Kampagne zu starten. Und zwar um möglichst viele Menschen dafür zu sensibilisieren, dass es grundsätzlich wieder mehr und mehr Infektionserkrankungen gebe. Erfahrungsgemäß führe das dazu, dass eine Masse achtsamer wird.

Wichtig wäre das laut Czypionka im Hinblick darauf, dass durch Corona eine weitere Infektionserkrankung zur Regel geworden ist, die vor allem im Winter verstärkt auftritt. Und dass es dann zu einer kritischen Häufung von Krankenständen und Personalausfällen kommen könnte: „Gewöhnlich handelt es sich um rund fünf Prozent, weil ja auch immer jemand auf Urlaub oder in Karenz ist. Bei zehn, 15 Prozent wird es schwierig, den Betrieb aufrechtzuerhalten.“ Und zwar vor allem auch in Spitälern, in denen der Personalmangel ohnehin schon zu einem Dauerzustand geworden ist.