Was kriegt der Hund zu Weihnachten?
Bald ist Weihnachten, der Advent zeigte sich bisher von seiner schönsten Seite.
Auch der Hund ist in Vorweihnachtsstimmung; kuscheliger als sonst. Schon wieder sitzt er neben meinem Stuhl, stupst mich mit der Pfote an und schaut lieb: bitte streicheln. Ja sicher, bitteschön, braver Hund, ja, Bauchkraulen ist auch fein, guter Hund. Aber jetzt brauche ich meine Hände leider wieder zum Arbeiten.
Vor dem Fenster schmilzt im Wiener Innenhof der Schnee. Wir sind in der Stadt, ich habe vorweihnachtliche Dinge zu erledigen: Freundinnen treffen, bestellte Bücher abholen, Pakete empfangen, den Kindern wieder mal was kochen, letzte Weihnachtsgeschenke besorgen.
Seit wird den Hund haben, liebe ich den Schnee wieder, weil der Hund den Schnee so liebt. Und der Hund hat recht: Es ist herrlich, durch den verschneiten Wald zu spazieren, die ersten zu sein, die Spuren in den weißen Weg setzen, also jetzt außer dem Fuchs und den Hasen, die waren schon vorher da. Der Hund tigert und tollt über den Weg, freut sich und friert nicht, so wie die anderen Hunde am Land auch nicht frieren. Anders als in der Stadt trägt am Land kaum ein Hund ein Mäntelchen. Die Stadthunde dagegen scheinen jedes Jahr kälteempfindlicher zu werden: Immer mehr Hunde sieht man in schicken Mänteln, das ist jetzt üblich. Nicht mehr nur magere Windhunde werden angezogen, auch kräftige mit dickem Fell.
Wundert mich nicht. Das Internet ist schuld. Auch mir werden, seit der Instagram-Algorithmus bemerkt hat, dass ich einen Hund habe, unablässig Hundevideos gezeigt. Lehrreiche, lustige und solche, die ich nicht mehr lustig finde, weil die Hunde darin behandelt werden, als seien sie Spielzeug, sie werden Puppen verkleidet und offenbar nur zu dem Zweck gehalten, ihren Besitzern Klicks zu bringen, und damit Geld.
Und natürlich bekomme ich, gerade jetzt, jede Menge Anzeigen mit Hundebedarf, oder das, was dafür gehalten wird: Hunde-Regenmäntel, Hundekostüme, hochpreisige Hundesofas und -betten, und natürlich Weihnachtsgeschenke für Hunde: Designer-Hundenäpfe, teures Spielzeug, Pullis von exklusiven Modemarken. Gerade eben spülte es mir eine Anzeige in meine Instagram-Timeline: „Auch Hunde wollen Mode: Verwöhn sie ein bisschen.“
Nein, Hunde wollen keine Mode. Sie wissen nicht, was Weihnachten ist oder dass sie Geburtstag haben. Unser Hund hatte das kürzlich, er ist jetzt vier Jahre alt und damit offiziell erwachsen (jemand sollte ihm das sagen). Der Hund bekam keine Hundetorte und auch kein Geschenk, er bekam etwas, das er wirklich liebt: Eine Runde Streicheln und einen Extra-Spaziergang; und heuer sogar mit richtig Schnee.
Doris Knecht
doris.knecht@vn.at
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
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