Tuberkulose bei Wild und Vieh in Vorarlberg: Zwischen Ängsten und Kooperationswillen

Fünf Betriebe sind derzeit gesperrt. Es wird aber Wochen dauern, bis klar ist, wie es für diese Höfe weitergeht.
Bregenz Für fünf landwirtschaftliche Betriebe in Vorarlberg sind die Weihnachtsfeiertage nicht leicht: Sie sind derzeit aufgrund von TBC-Fällen gesperrt.
In einem Fall wurde bereits im September bei einem Schlachttier der TBC-Erreger nachgewiesen. Anfang Dezember wurde ein weiterer positiver PCR-Test festgestellt. Sechs Tiere dieses Bestands wurden zur Abklärung getötet, die Ergebnisse stehen noch aus.
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Bei vier weiteren auffälligen Betrieben im TBC-Bekämpfungsgebiet bestätigten sich mehrere Verdachtsfälle durch sieben diagnostische Tötungen, drei Höfe wurden daraufhin vorläufig gesperrt. Ein Gesamtüberblick ist erst möglich, sobald sämtliche Rückmeldungen der beauftragten Tierärztinnen und Tierärzte vorliegen. Bis dahin dürfen die Tiere den Hof nicht oder nur unter strengen amtlichen Auflagen verlassen. Die Abklärung bei Kontaktbetrieben läuft noch. Mit belastbaren Ergebnissen rechnet die Behörde bis Ende Februar.
Landwirtschaft unzufrieden
Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sagte in einer Reaktion, die dramatischen Entwicklungen würden die schlimmsten Befürchtungen übertreffen. Es gebe trotz der Bemühungen “einzelner Jäger” im Land “punktuell massive Infektionsherde” und Ansteckungen von gealpten Rindern. Die seit dem Sommer ausgeweiteten Bekämpfungsmaßnahmen reichen aus seiner Warte nicht aus; er befürchtet, dass es erneut zu Keulungen von Nutztierbeständen in den Ställen kommt. “Es ist zwingend notwendig, dass die punktuellen Infektionsherde in den Wildbeständen geräumt werden.”
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Im Sommer wurden die Jagdmaßnahmen im Kampf gegen TBC beim Rotwild massiv ausgedehnt. So gibt es neben zwei Kernzonen eine im Osten des Bregenzerwaldes, eine im Silbertal. In beiden Zonen wird der Wildbestand drastisch zurückgestutzt.
Jägerschaft betont Kooperation
Die Vorarlberger Jägerschaft zeigt sich angesichts der TBC-Lage in den Wildbeständen um Kooperation bemüht. “Die Situation rund um die TBC-Entwicklung ist zweifellos ernst und für alle Beteiligten äußerst belastend”, ist sich Landesjägermeister Christoph Breier bewusst. Man erfülle die Abschusspläne und gehe, wo sinnvoll möglich, in Abstimmung mit den Behörden auch darüber hinaus, betont er.
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Bei der Entwicklung beim Rotwild sei man “vorsichtig optimistisch”, verweist Breier auf das laufende Monitoring. Zugleich sei klar, dass das TBC-Geschehen nicht auf einen Faktor beschränkt sei. Auch Nutztiere spielten eine Rolle. Breier spricht sich für ein gemeinsames Vorgehen und eine sachliche Diskussion aus. Erste belastbare Ergebnisse werden für das Frühjahr erwartet. Bis dahin setze man auf Kooperation, fachliche Differenzierung und eine Versachlichung der Diskussion.
Seuchenbekämpfung, nicht Jagd
Landesrat Christian Gantner hält die drastischen Maßnahmen für notwendig: “Wir reden hier nicht mehr über übliche Jagdmaßnahmen, sondern über Seuchenbekämpfung.” Das festgelegte Bekämpfungsgebiet habe sich laut Gantner bestätigt, die Jagdverantwortlichen hätten große Anstrengungen unternommen. Ziel sei es, das Tuberkulosegeschehen rasch einzudämmen und gesunde Wild- und Nutztierbestände sicherzustellen.
Auf die Frage, ob man den Alpbetrieb in Vorarlberg zumindest in gewissen Regionen behördlich einschränken muss, verweist das Land Vorarlberg auf die immense Bedeutung der Alpung für die Landwirtschaft und den Tourismus im Land.