Von Fasching bis Veränderung – der VN-Überblick für die kommenden Tage

Was es dieses Wochenende (und darüber hinaus) in Vorarlberg alles zu erleben gibt.
In Vorarlberg passiert viel. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Daher gehen die VN jeden Freitag weit über das Format der bloßen Event-Ankündigung hinaus. Persönlich und kompetent geben Redakteurinnen und Redakteure ihre Empfehlungen für Familienunternehmungen, Sport, Kultur, Events, Gastronomie, Bücher, Musik und mehr ab.
Klavierabend mit Hanna Bachmann

In Röthis geboren und längst auf den internationalen Podien etabliert, kehrt Hanna Bachmann besonders gern in ihre Heimatgemeinde zurück. Am Samstag, 17. Jänner, ist sie um 19 Uhr im Rahmen der Röthner Schlösslekonzerte im Schlösslesaal zu erleben.
Ihr Programm entfaltet einen weit gespannten, sorgfältig durchdachten Bogen: von Beethovens früher f-Moll-Sonate op. 2/1 über die feinsinnigen, klangpoetischen Charakterstücke Femmes de légende von Mel Bonis und Debussys impressionistische Suite Pour le piano bis hin zu Schumanns farbenreichem, übermütig changierendem Faschingsschwank aus Wien. Es sind Werke, die gleichermaßen strukturelle Klarheit, Fantasie und erzählerische Gestaltungskraft verlangen.
Da ich Hanna Bachmann bereits mehrfach im Konzert erleben durfte, kann ich diesen Abend uneingeschränkt empfehlen. Die 1993 geborene Pianistin ist regelmäßig in ganz Europa zu hören, im Wiener Musikverein ebenso wie in der Berliner Philharmonie, im Beethoven-Haus Bonn oder beim Bodenseefestival. Darüber hinaus gastierte sie in Mexiko, Israel sowie in den USA und Kanada. Sie überzeugt nicht nur als Solistin, sondern auch als Kammermusikerin und Liedpianistin; zuletzt wurde sie als Preisträgerin des Internationalen Wettbewerbs für Liedkunst Stuttgart 2024 ausgezeichnet.
Ihre Ausbildung führte sie von Feldkirch über Wien nach Salzburg, wo sie prägende Impulse von bedeutenden Musikerpersönlichkeiten erhielt. Ihre Einspielungen erfahren große Anerkennung – und wer sie live erlebt, versteht rasch, weshalb.
Der Reiz des Rennens

Was ist 22 Kilometer lang und weist 5500 Höhenmeter auf? Es handelt sich dabei um die vielleicht legendärste Skirunde in den Alpen. „Der Weiße Ring“ ist Geschichte, er schreibt Geschichten und er verzaubert alljährlich den mondänen Skiort Lech/Arlberg in ein buntes Treiben. Selbst Olympiasieger wie Patrick Ortlieb oder Weltcupsieger wie Marc Girardelli waren oder sind immer noch mit von der Partie. Der Reiz des Rennens lockt sie alljährlich an, die besten Skifahrer:innen des Landes, die sich abseits von FIS-Rennen messen und sich auf bestens präparierten Pisten duellieren wollen. Diesen Samstag ist es wieder soweit: Schon frühmorgens herrscht hektisches Treiben im Ort, versammeln sich an der Rüfikopfbahn die ehemaligen Skistars. Sie alle wollen die Ersten auf der 2350 m hohen Bergstation sein. Es ist diese unvergleichliche Atmosphäre am Start, wenn sich die Amateursportler:innen warm machen, wenn noch einmal Bindung und Kanten kontrolliert werden und wenn sich die ersten Läufer:innen aus den Overalls zwängen, um sich in lässiger Skikleidung in Richtung Start zu begeben. „Der Weiße Ring“ verbindet seit über 60 Jahren Natur und Technik sowie Lech mit Zürs, Zug und Oberlech. Die Startplätze, rund 1100 sind es, sind Jahr für Jahr meist schon im Oktober vergeben. Die Vorfreude auf die hochalpine Strecke mit der berühmt-berüchtigten Madloch-Strecke ist groß, nicht weniger wichtig ist jedoch die Sicherheit. Und wenn, wie am Samstag, das Wetter passt, dann steht einem besonderen Skivergnügen nichts im Wege.
Fasching und jene, die ihn nicht mögen

Christoph und Lollo haben einst im Lied „seit ich ein Kind hab“ aufgelistet, was sich mit dem ersten Kind alles ändert; von der Sprache bis zum Verhältnis zu Hundebesitzern. Was sie nicht besingen: Die Sicht auf den Fasching kann sich diametral ändern. So geschehen bei mir. Als Hohenemser zwar stets Stammgast beim Rosenmontags-Freinacht-Pflichtprogramm, ansonsten aber mit Fasching nichts am Hut. Dann kam die Tochter und mit ihr die Begeisterung für Faschingsumzüge; und diese wiederum färbte auf Abendveranstaltungen ab. Gerade in Zeiten wie diesen tut es gut, sich der guten Laune hinzugeben, die Sorgen fallen zu lassen und einfach mal zu feiern. In Hohenems stehen diesen Samstag gleich zwei Highlights an. Bereits am Mittag beginnt das Monsterkonzert am Kirchplatz. Wer dort ist, kann eigentlich direkt bleiben. Ab 19.30 Uhr steigt der VfB-Faschingsball im Löwensaal. Duri Duri!
Christoph und Lollo singen über den Fasching: „Zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahr verhalten sich die Leute, wie eine aufgeputschte, zugekokste, spaßvernarrte Meute.“ Ich mag sie trotzdem. Deshalb freue ich mich besonders auf kommende Woche. Am Donnerstag darf man sie im Kammgarn in Hard bewundern, am Freitag im Theater am Saumarkt in Feldkirch. Ich schau vielleicht sogar auf beide Konzerte. Auch wenn sie singen: „Wir sind dann froh, wenn Aschermittwoch ist.“
Wenn die Zeit auf Pause drückt

Wie sehr kann Musik gleichzeitig vorwärts tänzeln und rückwärts denken? Freitag in einer Woche, am 23. Jänner, wenn im Schlachthaus Dornbirn die Uhren bei Odd Couple und Topsy Turvy ein wenig langsamer schlagen, wird man dieser Frage nachgehen. Die Türen öffnen um 20 Uhr, Topsy Turvy eröffnen ab 21 Uhr den Abend, bevor Odd Couple gegen 22 Uhr die Dämmerung zerschneiden.
Odd Couple, jenes Berliner Duo, das seit 2014 die Genre-Kardinalpunkte immer wieder neu definiert, als wäre Krautrock der schiefe Turm von Pisa und Garage-Rock ein philosophisches Paradox, hat mit seinem 2025er-Album „Rush-Hour des Lebens“ eine tummelige Gesellschaft aus Fuzz, Spoken Word und psychedelischen Rock-Fragmenten zusammengerührt. Ihre Songs wirken, als hätten sie im Stau des Lebens den Ausstieg nie gefunden und dabei den Groove des Unerwarteten perfektioniert – poetisch und doch knallhart wie ein dadaistischer Morgenspaziergang.
Supportet werden sie von Topsy Turvy, dem energiegeladenen Wiener Trio, das Surf-Beat-Attitüde und Post-Punk-Scherze so gelassen verbindet, wie man es sonntags mit Croissants mit Espresso macht. Man stelle sich vor, wie drei Musikerinnen die Melodien aus dem Indie-Kosmos in eine neue, leicht schiefe Umlaufbahn schicken, als sei der Soundtrack zum Aufstehen selbst schon ein Aufstand gegen die Schwerkraft.
Dieser Abend ist kein bloßes Konzert – es ist ein Rendezvous zwischen Verdichtung und Entropie, bei dem man genauso gut darüber nachdenken kann, ob Musik die beste Antwort auf die Frage „Was, wenn alles anders klingt?“ ist. Wenn Odd Couple dann die Bühne betreten, ist es, als würde das Leben selbst einen Gang zurückschalten, nur um besser in die Saiten greifen zu können.
Ein Abend für Ohren, die mehr wollen als Takte – und für jene, die im Klang den Sinn suchen, bevor ihn andere gefunden haben.
Warum dieser Tipp bereits so früh in der Zeitung steht? Weil das ein großer Abend wird, und da sollte man besser vorsorgen. Kartenreservierungen sind unter ida.duenser@gmx.net möglich – und auch wärmstens empfohlen.
Palomas Must-Reads: New Year Buchtipp

Was, wenn all das, was wir so gern loswerden möchten – Ängste, Zweifel, innere Konflikte – nicht das Problem ist, sondern der Ausgangspunkt für Veränderung? Genau dort setzt 101 Essays, die dein Leben verändern werden von Brianna Wiest an. Das Buch versammelt kurze Texte, die sich weniger wie klassische Ratgeber lesen und mehr wie präzise Gedankenanstöße anfühlen. Wiest schreibt klar, psychologisch geschult und ohne Pathos. Sie benennt, was viele von uns längst spüren, aber selten konsequent zu Ende denken: dass persönliches Wachstum unbequem ist, dass Selbstwert Arbeit bedeutet und dass echte Veränderung meist dort beginnt, wo man nicht mehr ausweicht.
Die Essays kreisen um Beziehungen, innere Glaubenssätze, Entscheidungen und den Mut, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Gerade ihre Kürze macht sie wirkungsvoll – man liest nicht einfach weiter, sondern bleibt hängen, denkt nach, legt das Buch weg und greift später wieder danach. Dieses Buch will nicht belehren, sondern begleiten. Es fordert heraus, ohne zu überfordern, und wirkt dabei erstaunlich tröstlich.