“Jeder kann jeden schlagen”: Bregenz Handball vor Wochen der Wahrheit
Die Handballsaison biegt langsam, aber sicher in die entscheidende Phase ein. Der Rekordmeister aus Bregenz befindet sich mittendrin im Kampf um die Playoff-Plätze.
Die Saison in der HLA Meisterliga geht ins Finale des Grunddurchgangs und Bregenz Handball kämpft um den Einzug ins Viertelfinale. Nach 14 Spielen liegt das Team auf Rang acht, dem letzten Playoff-Platz. Acht Runden bleiben, drei Verfolger sind nur zwei Punkte dahinter. Geschäftsführer Björn Tyrner bleibt dennoch ruhig: “Wir sind auf Kurs.”
Das Ziel sei von Beginn an klar gewesen: unter die ersten acht kommen. “Wir haben gewusst, dass es heuer ein extrem schwieriges Unterfangen wird mit unserem jungen Kader”, sagt Tyrner. Platz acht entspreche in etwa den Erwartungen. Zufrieden sei man damit aber nicht. Die Saison sei ein Auf und Ab gewesen, mit sehr guten Spielen, aber auch Aussetzern. Ein Grund dafür liegt für ihn auf der Hand: fehlende Erfahrung.
Offensiv top, defensiv anfällig
Der größte Unterschied zur Vorsaison ist für Tyrner die Verjüngung des Kaders. Vor allem in der Defensive mache sich das bemerkbar. “Gerade da ist Erfahrung sehr wichtig”, betont er. Es gehe um Details und Nuancen, die man sich erst erarbeiten müsse.
Dabei zeigt der Blick auf die Statistik ein spannendes Bild: Bregenz stellt hinter Hard und Schwaz die drittbeste Offensive der Liga. Mit Neuzugang Louis Mönch sowie Leistungsträger Mindaugas Dumcius verfügt das Team über enorme Durchschlagskraft. “Wir sind in jedem Spiel fähig, deutlich über 30 Tore zu machen”, sagt Tyrner.
Das Problem liegt auf der anderen Seite des Feldes. Bregenz kassierte bislang ligaweit die meisten Gegentore. “In der Defensive müssen wir konstant weniger Tore bekommen”, fordert der Geschäftsführer. Daran habe man intensiv gearbeitet, auch mit taktischen Anpassungen und offensiveren Varianten. Nun müsse sich das im Spiel festigen.

Engste Saison seit Jahren
Der Kampf um die Playoff-Plätze ist so spannend wie selten. “Es war noch nie so eng wie heuer”, sagt Tyrner. Jeder könne jeden schlagen. Als Beispiel nennt er den Sieg des Tabellenletzten Hollabrunn gegen Spitzenreiter Ferlach. Für die Liga sei das attraktiv und ein Zeichen von Qualität.
Druck verspüre man in Bregenz dennoch nicht. “Wir denken von Spiel zu Spiel.” In der sportlichen Führung herrsche Ruhe, die Stimmung in der Mannschaft sei sehr gut. “Da kämpft wirklich einer für den anderen.”
Auffällig ist die Heimstärke: fünf Siege in der eigenen Halle, auswärts hingegen noch kein voller Erfolg. Tyrner spricht jedoch nicht von einer Auswärtsschwäche. Viele Partien seien knapp gewesen, etwa in Krems oder Vöslau, wo mehr möglich gewesen wäre. Zuhause hingegen habe man sich “ein Wohnzimmer geschaffen”, getragen von der Unterstützung der “Gelben Wand” und der “Handballholics”. “Das kann den Unterschied ausmachen.”

Derby als emotionaler Höhepunkt
Mit Blick auf die kommenden Wochen wartet ein intensives Programm. Zunächst ein Heimspiel gegen Lipizzanerheimat, dann das Auswärtsspiel bei den Füchsen und kurz darauf das Derby zu Hause gegen Hard. Für Tyrner ist klar: “Jeder in Österreich weiß, dass das das größte Spiel ist, das es in unserem Land gibt.” Die Atmosphäre sei einzigartig, die Fanlager leidenschaftlich und fair.
Sportlich erwartet er eine enge Partie. “Wir wollen nach längerer Zeit wieder mal ein Derby gewinnen.” Zusätzliche Brisanz bekommt der Spieltag durch eine ungewohnte Anwurfzeit um 15.20 Uhr am Nachmittag. Für Tyrner ist das eine Chance: ein langer Handballtag mit mehreren Nachwuchsspielen und viel Zeit für Fans.
Blick in die Zukunft
Neben dem Sport beschäftigt den Klub vor allem die Infrastruktur. Der Nachwuchs boomt, doch Hallenzeiten sind knapp. “Wir haben nicht genügend Trainingsmöglichkeiten”, sagt Tyrner. Sein Wunsch ist eine Mehrzweck-Sportarena in Bregenz, die sowohl große Events als auch bessere Trainingsbedingungen ermöglicht.
Langfristig sieht er den Verein gut aufgestellt. Bis 2030 soll Bregenz wirtschaftlich weiter stabilisiert sein und stärker auf Eigenbauspieler setzen. Der eingeschlagene Weg mit viel Jugendarbeit soll Früchte tragen. Vorerst zählt jedoch nur eines: die nächsten acht Spiele. Bregenz Handball steht am schmalen Grat zwischen Lernjahr und Playoff-Einzug. Und genau das macht diese Wochen so spannend.
(VOL.AT)