Monika Helfer

Kommentar

Monika Helfer

Kolumne: An die Regeln halten

Vorarlberg / 08.04.2026 • 12:56 Uhr

Es war einmal eine junge Familie, der Mann, krafttrainiert, die Frau ein wenig verträumt. Das Kind, ein Bub, aufgeweckt. Er hörte genau hin, wenn der Vater, der nicht sein Vater war, nur der Freund, über Ernährung sprach, er wusste, es mussten immer genügend Eier im Haus sein. Der Freund aß zehn Stück am Tag, die Mutter fand das übertrieben. Das Kind sagte vorlaut am Frühstückstisch, ob es denn nicht klug wäre, Hühner zu halten, wenn der da soviel Eier braucht. Dabei zeigte er mit seinen kleinen Fingern auf den Freund.

Er bekam eine angedeutete Ohrfeige von seiner Mutter. Sie wollte es mit ihrem Freund nicht verderben. Er war schließlich eine Muskelpersönlichkeit, was sie liebte. Jeden Tag ging er in die Kraftkammer und übte bis zum Umfallen. Kam er dann nach Hause, präsentierte er sich vor ihr in seiner Unterhose, und sie lobte ihn. Er verlangte einen Berg Essen, und die junge Frau war überfordert. Sie arbeitete, was er nicht tat, und war nicht in der Lage, einzukaufen und solche Kalorienberge zu kochen. Er sagte, wenn du mich behalten willst, wenn du willst, dass ich deinen Sohn zu einem Mann erziehe, musst du dich ein wenig mehr anstrengen.

Die junge Frau war verzweifelt und brachte ihren Kummer zu ihrer Freundin, die strickte, und sich nicht wirklich interessierte. Dann ging sie widerwillig zu ihrer Mutter, denn sie wollte nicht als Versagerin dastehen. Die riet ihr, sofort Schluss zu machen, mit diesem Psychopaten.

Die zarte Frau weinte viel. Arbeitete, wie erwartet. Weinte viel. Kümmerte sich wenig um ihren Sohn, aus Mangel an Energie, dröhnte sich mit Marihuana zu, um sich wie ein Mensch zu fühlen, dabei war sie aber nur ein Opfer, wie der Freund sie nannte. Du bist ein Opfer, sagte er und legte sich nach dem vielen Essen ins Bett. Bald zeigte sich eine Depression bei ihm, er kontrollierte die zarte Frau und zerschmetterte ihr Handy. Sie lief wieder zu ihrer Mutter und weinte. Der muss weg, sagte ihre Mutter, der zerstört dich und deinen Sohn.

Sie riefen die Rettung an, als der Freund verschwand und sie Sorge hatten, er könnte sich etwas angetan haben, wie so oft angedroht. Er wurde im Wald gefunden, in einer Hütte, die verfallen war, aber noch in Resten stand, die ein unbekanntes Kind gebaut hatte.

„Er hat sich nicht an die Regeln gehalten“, sagte der kleine Sohn. „Er hat dein Handy zerstört und sich nicht entschuldigt. Er ist ein Loser.“ „Ich weiß, mein Liebling“, sagte die kleine Mutter und weinte wieder einmal.

Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.