Es wird zu wenig gebaut

Wohnen: Im Vorjahr zwar mehr Bewilligungen, aber noch immer fast halb so viele wie 2021.
SCHWARZACH. „Es sind magere Jahre“, sagt der Dornbirner Michael Klien (43), Wohnbauexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: „Die Zeit der Rückgänge ist vorbei, aber es ist auch nicht die Zeit des Aufschwungs.“ Gemeint ist die Entwicklung des Wohnbaus in Vorarlberg.
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Ein wichtiger Hinweisgeber dafür ist die Zahl der Baubewilligungen. Sie bringt zum Ausdruck, wie viele Projekte angegangen werden (dürfen). 2022 und in den folgenden Jahren ist es hier zu einem Einbruch gekommen. Österreichweit hat er sich im vergangenen Jahr fortgesetzt, ist nach Angaben der Statistik Austria ein „historischer Tiefststand“ erreicht worden. In Vorarlberg war die Entwicklung nicht gar so übel: Insgesamt sind 2642 Wohneinheiten zur Errichtung freigegeben worden. Das waren um 18 Prozent mehr als 2024. Der Vergleich mit dem Spitzenjahr 2021 zeigt jedoch, was Klien meint: Die 2642 Einheiten waren noch immer um 45 Prozent weniger als damals.
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Problem: In den vergangenen Jahren hat es ein starkes Bevölkerungswachstum gegeben. Das hat zwar ebenso stark nachgelassen, es gibt aber noch immer einen großen Wohnbedarf abzubauen. Doch wenn es so wenige Neuerrichtungen wie derzeit gibt, ist das schwer möglich. Vor allem im Mietbereich seien Folgen davon spürbar, so Klien: „Er ist angespannt, unabhängig vom Preis.“
Zumindest gegenüber dem Kellerjahr 2024 ist die Zahl der Baubewilligungen hierzulande in allen Segmenten gestiegen: Es sind ebenso deutlich mehr Wohneinheiten in Ein- oder Zweifamilienhäusern angegangen worden (611) wie im Siedlungsbau (1361) sowie durch An-, Auf- oder Umbautätigkeiten (680).

Dazu beigetragen haben könnten laut Klien auch Änderungen bei der Wohnbauförderung. Eine angekündigte Kürzung bewegte viele Interessenten dazu, sich noch innerhalb einer Übergangsfrist darum zu bemühen. Die VN berichteten: Das Land muss die Förderungsmittel daher sogar aufstocken.
Im langjährigen Vergleich bemerkenswert stabil ist die Entwicklung bei den erwähnten An-, Auf- oder Umbautätigkeiten. Bei ihnen lag die Zahl der bewilligten Einheiten 2025 zwar ebenfalls unter dem Niveau des Spitzenjahres 2021, das aber nicht um 45, sondern „nur“ um zwölf Prozent. Klien wundert das nicht: Finanziell mache es für viele Leute Sinn, es sich in einem bestehenden Gebäude einzurichten, also etwa eine Wohnung zu vergrößern oder den Dachboden auszubauen. Das sei weniger teuer als ein Neubau.
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Wann die Bauwirtschaft wieder in Schwung kommen wird, ist dem Experten zufolge nicht absehbar. So hat er bei regelmäßigen Befragungen in der Branche, an denen er mitwirkt, festgestellt, dass sich die Stimmung seit Herbst nicht verbessert, sondern zum Teil sogar verschlechtert habe. Und dass aktuell die Sorge umgehe, dass es infolge des Irankrieges den zweiten Preisschock nach 2022 geben könnte, als Bauen plötzlich viel teurer geworden ist. Klien beruhigt jedoch: „Der Schock wird sicher nicht so stark wie damals.“ Jetzt gehe es um Öl, nicht so sehr um Gas: „Und Gas ist viel wichtiger für die Baustoffproduktion in Europa und in Österreich.“