Vom Kindermuffel zur Powermama

Angelika Leitner (44) hat fünf Kinder. Drei davon haben eine Beeinträchtigung.
Koblach Mit Puppen spielte die kleine Angelika nie. “Das interessierte mich nicht.” Lieber kletterte sie auf Bäume und baute Baumhütten. Viele Mädchen träumen davon, Mutter zu werden. Nicht so Angelika Leitner (heute 44). “Ich wollte keine Kinder und sah mich auch nie als Mama.” Angelika konnte mit Kindern einfach nichts anfangen. “Ich dachte immer: Die sind laut und machen Lärm.” Wenn sie als Jugendliche bereits gewusst hätte, was noch auf sie zukommt, hätte sie vermutlich ungläubig den Kopf geschüttelt.
Anfang zwanzig lernte sie ihren jetzigen Mann Claus in einer Bar in Frastanz kennen. Mit zweiundzwanzig heiratete sie ihn. “Claus wollte Kinder. Deshalb freundete auch ich mich mit dem Gedanken an, Mama zu werden.” Im Jahr 2006 wurde die Einzelhandelskauffrau zum ersten Mal Mutter. Ihr Sohn Bastian kam mit einer Beeinträchtigung zur Welt. “Er hat autistische Züge.” Obwohl das Kind sie stark forderte und viele Therapien angesagt waren, ging sie im Muttersein auf. “Es war überraschend schön, wenn man bedenkt, dass ich früher kein Kind wollte.”

Angelika wuchs mit ihren Aufgaben. Bald schon liebäugelte sie mit dem Gedanken an ein zweites Kind. “Mein Mann und ich wollten einen Gefährten bzw. ein Geschwisterchen für Bastian.” 2009 erblickte Anja das Licht der Welt. “Sie war ein ausgesprochen unkompliziertes Kind.” Obwohl sie jetzt zwei Kinder hatten, hatte das Ehepaar das Gefühl, dass etwas fehlt. Im Jahr 2012 kam Vanessa in das Leben der Leitners. “Sie war ein Traumbaby, ruhig, kuschelig und selbstbewusst.” Die Umstellung auf drei Kinder sei groß gewesen, sagt Angelika. Denn: “Ich hatte permanent eine Hand zu wenig.”
Trotzdem entschieden sich die Leitners drei Jahre später noch für ein viertes Kind. Auch Fabian wurde mit Autismus geboren. “Die Diagnose hat uns nicht den Boden unter den Füßen weggerissen. Mein Mann und ich haben es überraschend entspannt aufgenommen. Für uns war es keine Katastrophe. Schlimmer wäre es, wenn unser Sohn im Rollstuhl säße.” Laut Angelika macht Fabian keine Therapie mit. “Er kann auch nicht sprechen. Manchmal gibt er den ganzen Tag Laute von sich. Das ist anstrengend.” Der Elfjährige besucht ein sonderpädagogisches Zentrum. “Mit seiner Oma fährt er gerne Bus und Bahn. Das liebt er.”

Mona (heute sechs), das fünfte Kind der Leitners, war nicht geplant. Dieses Kind wurde ebenfalls mit einer Autismus-Spektrum-Störung geboren. “Mona war eine ungeplante Hausgeburt. Ein Sanitäter brachte sie zur Welt.” Mona sei speziell: “Wenn sie spricht, spricht sie Englisch. Das hat sie sich durch YouTube-Videos angeeignet. “
Seit 2021 betreibt die fünffache Mutter einen Secondhandladen für Kinder. Derzeit zieht sie mit dem “Würmle” von Hard nach Lustenau (Zellgasse 3) um. Mitte Mai soll Eröffnung sein. Die Arbeit verlangt viel von ihr ab. “Manchmal bin ich bis zu zwölf Stunden am Tag im Geschäft.” Wenn sie frei hat, an den Wochenenden, ist sie ganz für ihre Kinder da. “Dann unternehmen wir viel miteinander.” Zur Arbeit geht sie montags mit gutem Gewissen. “Denn mein Mann ist zu Hause und kümmert sich um unsere Kinder. Ich weiß, dass er das gut macht.”
Anbei ein Link für all jene, die Angelika Leitner beim Neustart finanziell unter die Arme greifen möchten: https://gofund.me/01eea051e