“Wollen nicht nur Platzhalter sein”

Vorarlberg / 12.06.2026 • 13:30 Uhr
"Wollen nicht nur Platzhalter sein"
Helfende Hände werden in der Pflege immer nötig sein. Die nächste Pensionierungswelle steht in drei bis vier Jahren an. VN, Dragosits, FHV

Stellensuche für Pflegekräfte. Gespräche dazu sind mit der Krankenhausbetriebsgesellschaft angelaufen.

Dornbirn Die Suche nach Anstellungsmöglichkeiten für Absolventinnen und Absolventen der Pflegeschulen geht weiter. Wie berichtet, gibt es aktuell einen Überhang von rund 140 Fachkräften, weil im Akutbereich, in den viele wollen, keine Stellen mehr verfügbar sind. Von einem Aufnahmestopp will Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher auf VN-Nachfrage aber nicht reden. Deutlicher äußert sich Zentralbetriebsratsobmann Thomas Steurer. Er berichtet, dass Einstellungen aufgrund der Sparmaßnahmen drei bis vier Monate verzögert erfolgen würden. Um die Abgänger trotzdem im System zu halten, wird unter anderem geprüft, ob Anstellungen bei einer Krankenanstalt erfolgen könnten und die Fachkräfte von dort aus zeitweise in Einrichtungen der mobilen Pflege oder stationären Langzeitpflege eingesetzt werden, in denen Personalbedarf besteht. Erste Gespräche mit der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) haben begonnen.

Rahmenbedingungen

Die Idee kommt grundsätzlich an, sie erfordere jedoch klare Rahmenbedingungen. “Wir wollen nicht nur Platzhalter sein”, bekräftigt Deborah Blümel vom Landesverband der Heim- und Pflegeleitungen. So brauche es etwa eine Mindestdauer, in der die Fachkräfte zur Verfügung stünden, um Planbarkeit zu gewährleisten. Die Einarbeitung sei ein zeitaufwendiger Prozess. Johanna Rebling-Neumayr vom Landesverband der Hauskrankenpflege spricht von einer “super Idee, die Absolventen so zu lenken, dass sie bleiben”, aber: “Wir müssen das genau anschauen und eine rechtlich gute Kooperationsvereinbarung finden.” Thomas Steurer merkt an: “Eine solche Übergangslösung ist besser, als Fachkräfte zu verlieren, wobei: Ich sehe das gelassen, wir werden auch künftig nicht in Pflegepersonal schwimmen.”

"Wollen nicht nur Platzhalter sein"
Deborah Blümel steht als Geschäftsführerin dem LV der Heim- und Pflegeleitungen vor.

Positive Erfahrungen

Im April waren beim AMS im Bereich der Langzeitpflege 104 offene Stellen gelistet. Im Jänner lag die Zahl noch bei 138. Allerdings wird nicht jede freie Stelle gemeldet. “Wir als Landesverband bemühen uns seit mehreren Jahren darum, dass alle Einrichtungen der stationären Langzeitpflege ihre offenen Stellen beim AMS angeben, um eine valide Datenbasis zu haben”, erklärt Deborah Blümel. Bei den verfügbaren Zahlen handelt es sich sowohl um Vollzeit- als auch Teilzeitstellen. Verzerrungen können zudem entstehen, wenn Einrichtungen für eine offene Stelle mehrere Professionen ausschreiben. “Insgesamt ist jedoch eine Entspannung spürbar”, ergänzt Blümel. Sie würde einen Schulterschluss mit der KHBG sehr begrüßen. Man habe während der Pandemie schon positive Erfahrungen mit einem solchen Modell gemacht. Blümel hofft deshalb auf ein gutes Ergebnis der Arbeitsgespräche. Aus ihrer Sicht wichtig ist eine unbürokratische Handhabung.

"Wollen nicht nur Platzhalter sein"
Johanna Rebling-Neumayr, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Hauskrankenpflege.

Doppelte Absolventenjahrgänge

Die FH Vorarlberg reagiert mit einer Jobmesse am 23. Juni (13 bis 16 Uhr). Sie richtet sich gezielt an die diesjährigen Absolventen des gehobenen Dienstes der Gesundheits- und Krankenpflege der Pflegeschule und der FH. Im Rahmen dieser Veranstaltung können sich Pflegeheime sowie Einrichtungen der Hauskrankenpflege als potenzielle Arbeitgeber vorstellen. “In diesem Jahr ergibt sich die besondere Situation, dass doppelte Absolventenjahrgänge aus der Pflegeschule sowie der Fachhochschule in den Arbeitsmarkt eintreten. Viele orientieren sich primär an Stellen in der Akutversorgung”, weiß Fachbereichsleiterin Diana Brodda. Gleichzeitig würden in Vorarlberg derzeit nur begrenzt Stellenangebote in den Spitälern zur Verfügung stehen. “Mit der Jobmesse möchte die FH dazu beitragen, den Absolventen die Vielfalt und Attraktivität der Tätigkeitsfelder außerhalb der Akutversorgung näherzubringen und einen direkten Austausch mit interessierten Einrichtungen ermöglichen”, ergänzt Brodda.

"Wollen nicht nur Platzhalter sein"
Diana Brodda ist Fachbereichsleiterin für Gesundheit an der FH Vorarlberg.