Ein junger Wälder mischt in Brüssel mit

Vorarlberg / 29.06.2026 • 15:15 Uhr
Der zwölfte Stock mit Aussicht über Brüssel ist Simon Finks liebster Ort im EU-Parlament.
Der zwölfte Stock mit Aussicht über Brüssel ist Simon Finks liebster Ort im EU-Parlament.Fink

Als einziger Vorarlberger zieht Simon Fink im EU-Parlament für eine Abgeordnete die Fäden.

Riefensberg, Brüssel Selbstbewusst bewegt sich Simon Fink durch die sterilen Gänge des EU-Parlaments. Dass der 24-Jährige erst vor etwas mehr als einem Jahr sein berufliches Zuhause in Brüssel gefunden hat, merkt man ihm nicht an. Als Referent arbeitet er für die oberösterreichische EU-Abgeordnete Angelika Winzig (ÖVP) zu Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Damit ist Fink der einzige Vorarlberger im Umfeld der 20 österreichischen EU-Abgeordneten. Auch unter den 720 Parlamentarierinnen und Parlamentariern finden sich seit der Europawahl 2024 keine Vorarlberger mehr. Dass sich ausgerechnet der junge Wälder einmal in der EU-Hauptstadt niederlassen wird, war nicht vorherzusehen: “Das waren viele Zufälle bei mir.”

Von seinem Arbeitsplatz aus schaut der 24-Jährige auf den „Place du Luxembourg
Von seinem Arbeitsplatz aus schaut der 24-Jährige auf den „Place du Luxembourg”, wo man ihn gelegentlich beim Netzwerken antrifft.Fink

Abwechslungsreicher Alltag

Nach dem Motto “Hauptsache weg” bewarb sich Fink nach seinem Jus- und Publizistikstudium an der Universität Wien für ein Praktikum im EU-Parlament. Anschluss fand er schnell: “Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele junge Leute mit so großem Know-how hier arbeiten. Man ist in Brüssel nie die schlaueste Person im Raum.” Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen politischen Lagern erlebte er von Anfang an als sehr kooperativ.

Mittlerweile unterstützt er seine Chefin beim Aushandeln von Gesetzestexten, begleitet sie zu Terminen und Abstimmungen ins französische Straßburg, dem Hauptsitz des EU-Parlaments. “Dass es keinen klassischen Arbeitsalltag gibt”, schätzt Fink an seinem abwechslungsreichen Job besonders. Derzeit beschäftigt ihn vor allem der “digitale Euro”. Bis die Eurozone ihr eigenes digitales Zahlungssystem bekommt, um sich von US-amerikanischen Zahlungsanbietern wie Visa oder Mastercard loszusagen, dauert es aber noch mindestens bis 2029.

Im Brüsseler Plenarsaal finden oft hitzige Debatten über neue Gesetze statt.
Im Brüsseler Plenarsaal finden oft hitzige Debatten über neue Gesetze statt.Fink

Zwischen Geduld und Geopolitik

Könnte der Jurist eine Sache an der EU ändern, würde er den Apparat dynamischer und schneller machen. Bis die Gesetzesvorschläge der EU-Kommission von EU-Parlament und den 27 Mitgliedstaaten im Rat verhandelt, beschlossen und umgesetzt werden, dauert es in der Regel Jahre. Das bereitet Fink angesichts der rasanten globalen Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung Sorge.

Aber auch die Vorzüge der EU sind ihm durchaus bewusst: “Man neigt dazu, erst zu wissen, was man hat, wenn man es nicht mehr hat.” Nachsatz: “Fragen wir die Briten.” Er selbst profitiert etwa von Personen- oder Warenfreizügigkeit. Der Riefensberger wird den Sommer für einen längeren Besuch in der Heimat nützen. Dort zieht es ihn meistens zuerst zu seinen Freunden auf den Fußballplatz.

Positiv und interessiert habe sein Umfeld auf seine Berufswahl reagiert. Mit Fink hat Brüssel im Vorderwald ein Gesicht bekommen: “Seit ich im EU-Parlament arbeite, wollen die Leute mit mir öfter über Politik diskutieren. Der Austausch hilft dabei, Politik alltagstauglicher zu gestalten.” Mit neuen Ideen und würzigem Bergkäse im Gepäck wird es für Fink Ende August wieder zurück nach Brüssel gehen – zumindest bis zum Superwahljahr 2029, wenn die Karten auf EU-, Bundes- und Landesebene wieder neu gemischt werden. LS

Zur Person

Simon Fink
Wohnort Brüssel
Alter 24
Ausbildung BORG Egg, Studium der Rechtswissenschaften, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Wien
Hobbys Fußball, American Football, Reisen, Mitglied beim „Verein der Vorarlberger:innen in Brüssel“

Simon Fink führt gerne Besuchergruppen durch das EU-Parlament.
Simon Fink führt gerne Besuchergruppen durch das EU-Parlament.Fink