Weggesperrt in die eigenen vier Wände

Vorarlberg / 14.07.2026 • 08:00 Uhr
Peter Ainödhofer will selbstbestimmt zu Hause leben. Doch das Geld dafür wird knapp, das Altersheim ist für ihne keine Option.
Peter Ainödhofer will selbstbestimmt zu Hause leben. Doch das Geld dafür wird knapp, das Altersheim ist für ihne keine Option. Bernadette von Sontagh

Peter Ainödhofer (68) kämpft für ein selbstbestimmtes Leben, das mit 65 Jahren endet.

Götzis „Ich komme nur ganz selten aus der Wohnung. Spaziergänge und Ausflüge sind nicht mehr drin, dafür fehlt einfach das Geld“, berichtet Peter Ainödhofer (68) aus Götzis. Seit einem Motorradunfall ist der alleinstehende Mann von der Halswirbelsäule abwärts schwer beeinträchtigt und auf persönliche Assistenz angewiesen.

Ainödhofer nahm am einem Pilotprojekt teil, das durch Bundesmittel mitfinanziert war. Dieses erlaubte bis zu 3600 Assistenzstunden im Jahr. Die Förderkriterien des Bundes sehen jedoch eine Altersgrenze beim 65. Lebensjahr vor. Zwar gibt es noch ein Assistenzprogramm unter dem Titel PASST, dieses bietet jedoch maximal 1080 Stunden im Jahr.

Daher lebt der Götzner er von seinen Ersparnissen, um ein wenig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Zahlreiche Anträge und Schreiben an die zuständigen Behörden blieben erfolglos. Nun nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand: Er startet ein Fundraising, um weiterhin selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können. Der Weg ins Altersheim wäre für ihn die letzte Option. „Das wäre für mich der Untergang“, sagt er.

Tägliche Versorgung auf ein Minimum reduziert

Trotz seiner Einschränkungen versucht Peter das Beste aus seiner Situation zu machen. „Ich bin noch ziemlich agil und hole einfach das Bestmögliche heraus. Es nützt ja nichts“, sagt er. Dennoch ist die aktuelle Situation für ihn belastend. Um mit dem verfügbaren Geld auszukommen, muss er bei der Grundversorgung sparen. „Derzeit kann ich mir eine Assistenz lediglich für sechs bis sieben Stunden pro Tag leisten. Das ist das absolute Minimum. Optimal wären zehn Stunden“, erklärt er. Aktuell muss er monatlich rund 4000 Euro dafür aufbringen. Nur ein Drittel dieser Kosten sind durch das Pflegegeld gedeckt. Für Freizeitaktivitäten wie Spaziergänge, einen Besuch am See oder im Theater bleibt deshalb nichts mehr übrig.

Peter Ainödhofer kämpft für sein selbstbestimmtes Leben, die Unterstützung der persönlichen Assistenz gibt es nur bis 65 Jahre.
Peter Ainödhofer kämpft für sein selbstbestimmtes Leben, die Unterstützung der persönlichen Assistenz gibt es nur bis 65 Jahre.

Mit seinem Schicksal allein gelassen

Die Perspektiven für die Zukunft stimmen Ainödhofer wenig optimistisch. „Es interessiert keinen, wie es mit mir weitergeht.“ Niemand fühle sich zuständig. Der Bund hat die Unterstützung ab dem 65. Lebensjahr gestrichen, das Land verweist auf die Vorgaben des Bundes. „Ich habe zahlreiche Mails geschrieben und Gespräche mit dem Landesvolksanwalt, der Bundesvolksanwaltschaft sowie der Bundesbehindertenanwältin geführt. Doch außer anerkennenden Worten hat sich nichts geändert“, berichtet er enttäuscht.

„Peter kann schon lange nicht mehr zu unseren Treffen kommen, dafür bräuchte er eine Assistenz – und die kostet“, erklärt Reinhard Zischg (60) vom Verein „Selbstbestimmt Leben“ . Viele Menschen in ähnlicher Lage hätten große Existenzängste und keine Perspektive. „Entweder werden sie vor Kummer krank und sterben, oder sie gehen ins Heim“, sagt Zischg. Die persönliche Assistenz im Alltag sei die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Dass diese Unterstützung ab dem 65. Lebensjahr entfällt, hält er für skandalös. „So etwas darf es in einem Land wie Österreich nicht geben“, mahnt er. Auch er blickt mit Sorge auf seinen eigenen 65. Geburtstag.

Peter Ainödhofer hofft nun auf die Unterstützung der Bevölkerung. Ohne diese bleibt er isoliert und seinem Schicksal überlassen. Wer Peter unterstützen möchte, kann dies machen unter: gofundme.com/f/projekt-selbstandig-leben BVS

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