Führerscheinaffäre wuchs viele Jahre

Seit mindestens 2014 konnte die Durchfallquote in Vorarlberg auf bis zu 50 Prozent steigen.
SCHWARZACH. Tausende junge Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind Opfer des Führerscheinnetzwerkes geworden. Beziehungsweise von Prüfern, die mutmaßlich ein Geschäft aus ihrer Tätigkeit gemacht haben, wie die VN im August 2025 aufdeckten: Sie ließen demnach Kandidatinnen und Kandidaten durchfallen, um an Wiederholungsprüfungen extra zu verdienen.
Die Affäre konnte jahrelang wachsen, interne Kontrollmechanismen haben versagt. Darauf lassen Zahlen schließen, die das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur den VN übermittelt hat; und zwar infolge einer Anfrage im Sinne der Informationsfreiheit. Pikant dabei: Für die Jahre 2010 bis 2012 liegen dort, wo die Hauptzuständigkeit liegt, keine Auswertungen vor. Ebensolche gibt es erst für die Jahre seit 2013.
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Damals belief sich die Durchfallquote in Vorarlberg auf 29,1 Prozent. In weiterer Folge wurde sie von Jahr zu Jahr höher und kletterte vor allem ab 2016 zunehmend stark über das bundesweite Niveau. 2022 betrug sie schließlich 49,8 Prozent. Bundesweit lag sie da bei gerade einmal 33,6 Prozent und in der Steiermark überhaupt nur bei 19,2 Prozent. Hierzulande blieb sie bis einschließlich 2024 bei kaum weniger als 50 Prozent.
Wie viele Tausend in Vorarlberg Opfer der Affäre wurden, lässt sich nur erahnen. Ausgewiesen wird ausschließlich die Zahl der Prüfungen. Insgesamt handelte es sich um rund 5700 bis 7900 jährlich. „Durchgefallen!“, hieß es hinterher bei 1821 (2013) bis 3802 am Höhepunkt der Affäre, also bei fast 2000 mehr.

Barbara Germann-Frener, Sprecherin der Fahrschulen in der Wirtschaftskammer, ist nicht überrascht über diese Entwicklung: „Wir haben diesen langen, stetigen Anstieg auch beobachtet. Es sind immer mehr Schülerinnen und Schüler durchgefallen.“ Man habe als erstes die zuständige Fachabteilung des Landes darauf hingewiesen: „Man will ja niemanden überspringen.“ Nachdem es nichts gefruchtet habe, habe man sich Ende 2022 an die Politik gewandt.
Warum hat man dort nicht früher reagiert? Öffentlich bekannt wurden Aktivitäten, wie die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, erst nach vielen Jahren, nämlich 2024. In einer allgemeinen Stellungnahme des Landes heißt es: Es habe bereits davor „Besprechungen zwischen Fahrschulen, Behörden und Politik in unterschiedlichen Konstellationen“ gegeben. „Nachdem die Durchfallquote trotzdem nicht wesentlich zurückgegangen ist, wurde schließlich die Arbeitsgruppe eingerichtet und das Maßnahmenpaket der Landesregierung definiert und umgesetzt.“
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Erst nachdem die VN im August 2025 die Affäre aufdeckten, ging es Schlag auf Schlag. Die Landesregierung stellte fest, dass Vorarlbergerinnen und Vorarlberger „ein Recht auf faire Fahrprüfungen“ hätten und präsentierte einen Maßnahmenkatalog. So werden für die regelmäßigen Überprüfungen der Fahrprüfer nur noch Auditoren aus anderen Bundesländern eingesetzt, die maximale Zahl der Prüfungen pro Prüfer wurde begrenzt. Polzisten wurde die Prüftätigkeit untersagt, Staatsanwälte ließen sie „auf eigene Initiative“ sein. Ihr Capo, ein Mitarbeiter der Verkehrsabteilung des Landes, beendete sein Dienstverhältnis mit diesem. Rechtliche Konsequenzen hat die Causa bis dato für niemanden.
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Die Durchfallquote brach ein: Im gesamten Jahr 2025 betrug sie nicht mehr an die 50, sondern 37,4 Prozent. Im September allein belief sie sich laut Germann-Frener nur noch auf 24 Prozent und bewegt sich auch heute noch unter 30 Prozent.
Lange habe es als Begründung für die hohe Durchfallquote geheißen, „unsere Schüler sind zu blöd“, berichtet die Fahrschulsprecherin. Nach dieser Logik wären sie das plötzlich nicht mehr gewesen. Das zeige, wie unsinnig die Behauptung gewesen sei: „Es ist ausschließlich so, dass wieder mit Augenmaß geprüft wird, wie es einem jungen Menschen zusteht.“ Wobei man dranbleiben müsse, damit es so bleibt.