Die Trockenheit zerstört Straßen und Wäldchen

Seit Monaten fehlt es an Regen in Vorarlberg. Dies spürt man vor allem am Rande des Rheintaler Rieds.
Von Matthias Rauch und Bernadette von Sontagh
Dornbirn, Lustenau Das Ried im Rheintaler Unterland ist ein Schollenboden. Der torfhaltige Boden ist gut darin, Wasser zu speichern. Wird er aber zu trocken, verliert er diese Fähigkeit. Stattdessen wird er hart wie Beton, sackt ab und bricht auf – wie sich im Land zeigt.

Durch die anhaltende Trockenheit sinkt das Grundwasser. Hinzu kommen die Bäume, die ihren Durst stillen. Jeder Baum verdunstet am Tag mehrere hundert Liter Wasser. Und dann kommen die Kanäle und Entwässerungsgräben hinzu: Sind diese leer, ziehen sie zusätzlich Wasser aus den Böden.

In Dornbirn ist vor allem das Rohrbach betroffen. Das noch relativ junge Viertel am Westrand der Messestadt spürt die Trockenheit besonders: Beim Friedhof wirft die Straße Wellen, die gesamte Straße “Rohrbach” soll 2028 saniert werden. Und auch im Forach habe die Straße solche Wellen geworfen, dass Autos aufsaßen. Die Stadt habe aber schnell reagiert, weiß der hier ansässige Unternehmer Guntram Paterno: “Das habe ich noch nie erlebt, dass eine Behörde innerhalb von drei Tagen für Abhilfe sorgt.”

Die Situation ist ihm aber nicht grundsätzlich fremd. Der Müllerbach versorgte einst Kleinkraftwerke und Sägen mit Wasserkraft. Inzwischen hat er diese Funktion jedoch verloren, entsprechend ließ man das Wasser lieber in der Dornbirner Ach. Was den dortigen Fischen zugutekam, schadete jedoch dem Torfboden im sumpfigen Rohrbach.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Darunter litt vor allem auch das dortige Forachwäldchen, sind sich Anrainer sicher. Seien es Gehwege, Fundamente, Licht- oder alte Telefonmasten – alles neigt sich in Richtung des Müllerbachs und des Karlgrabens, die im Forachwäldchen aufeinandertreffen.

Für sie Beleg genug, dass die Bäche dem Boden zu viel Wasser entziehen und damit Haus und Baum Stabilität und Halt nehmen. Dies erkläre auch, warum sich im Juni ein im Sturm entwurzelter Baum auf den Foracher Kindergarten stürzte. Tatsächlich musste die Stadt das Wäldchen in den vergangenen Jahren stark ausholzen, neue Setzlinge sollen die nächste Baumgeneration sichern. “Ich bin guter Dinge, dass man künftig stärker auf den Wasserstand schaut”, verweist Paterno auf die schnelle Reaktion vor dem Haus. Er kennt das Problem, auch seine Wände zeigen Spuren der Bodensenkungen.

Straßenschäden in Lustenau
Auch in Lustenau zeigt sich ein ähnliches Bild: Im Ried klaffen an manchen Stellen große Risse im Boden. “Wenn der Grundwasserspiegel stark zurückgeht, zieht sich auch der Boden im Untergrund – ähnlich wie ein Schwamm – zusammen. Auch wenn es danach wieder regnet, wird dieser Boden nicht mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren”, erklärt Tiefbauamtsleiter Nicholas Hofer von der Gemeinde Lustenau.

Besonders Abschnitte im unteren Rheintal mit torfhaltigen Böden sind in diesem Sommer verstärkt von den Setzungen betroffen. Die entstandenen Risse werden nun wieder ausgebessert. “Wir vergießen die Risse im Asphalt und schütten bei den Kiesstraßen Kies auf”, sagt Hofer. Beim entstehenden Betriebsgebiet Heitere haben die Verantwortlichen bereits auf die zunehmenden Trockenperioden reagiert. Dort wurde eine Vorlastschüttung vorgenommen, um möglichen Setzungen entgegenzuwirken.