Ein Kult-Wirt bangt um sein Lebenswerk

Vorarlberg / 24.08.2026 • 15:51 Uhr
Der erste Versuch, einen Nachfolger als Wirt in der Taube zu finden, ging schon nach einem halben Jahr krachend schief. Jetzt sucht Lothar Eiler u. a. mit diesem unkonventionellen Plakat einen
Der erste Versuch, einen Nachfolger als Wirt in der Taube zu finden, ging schon nach einem halben Jahr krachend schief. Jetzt sucht Lothar Eiler u. a. mit diesem unkonventionellen Plakat einen “Gastgeber”. PETER STRAUSS

Lothar Eiler ist wieder auf der Suche nach einem neuen Pächter der Alberschwender Taube.

Alberschwende Berichte über Insolvenzen in der Ländle-Gastronomie sind medialer Alltag, das grassierende Gasthaussterben macht auch vor Traditionshäusern nicht halt. Aus Dorfgasthöfen werden Pizzerien, andere werden überhaupt aufgelassen, immer mehr kleine Gemeinden sind schon ohne Dorfwirtschaft.

Unabhängig von der Zukunft der Taube führt Lothar Eilers Partnerin Helene Zoller Lebolds Weinbar mittelfristig weiter.
Unabhängig von der Zukunft der Taube führt Lothar Eilers Partnerin Helene Zoller Lebolds Weinbar mittelfristig weiter.

Impulsgeber für Gastronomie

Einer, der diese Entwicklung seit vielen Jahren mit Sorge verfolgt, ist Alberschwendes Tubowirt Lothar Eiler – umtriebiger Gastronom mit Leib und Seele, der sich nicht nur für “seine” Taube engagiert, sondern auch darüber hinaus im Dorfgeschehen und in der Gastronomie Akzente setzt – etwa als “Gründungsmitglied” der Bregenzerwälder KäseStraße. In Alberschwende war er “Erfinder” der Sommerserie Käsklatsch, die in den vergangenen Jahren bei mehr als 200 Veranstaltungen oft mehr als Tausend Gäste begeisterte. Auch die KulturMeile oder der reaktivierte Alptag gehen maßgeblich auf seine Initiative zurück. Olgas Festsaal in der Taube wurde nicht nur für Familien- oder Firmenfeiern eine beliebte Location, sondern auch Bühne für Kleinkunst – “zweites Wohnzimmer” etwa für die Bahnteifl oder Hanskaspas Enkel. Zwei Stockwerke tiefer lädt seit 1995 “Lebold’s Pub” die Nachtschwärmer ein.

Wirtshaus zur Taube in Alberschwende - ob mehr als 500 Jahre Tradition fortgesetzt werden, ist derzeit offen.
Wirtshaus zur Taube in Alberschwende – ob mehr als 500 Jahre Tradition fortgesetzt werden, ist derzeit offen.

Zukunft in den Sternen

Alles paletti um die traditionelle Taube, deren Geschichte ins 15. Jahrhundert zurückreicht? Mitnichten – die Zukunft des Traditionshauses steht in den Sternen. Vor mehr als 500 Jahren wurde die Taverne als Pfarrgut des Klosters Mehrerau erstmals erwähnt. Ab 1860 war die Taube Poststation, an der die Pferde gewechselt wurden. Bis 1974 war hier das Postamt.

Gemeinsam mit Erich Schwarzmann war Lothar Eiler auch treibende Kraft bei der KulturMeile Alberschwende.
Gemeinsam mit Erich Schwarzmann war Lothar Eiler auch treibende Kraft bei der KulturMeile Alberschwende.

In den 1960er-Jahren übernahmen Lothar Eilers Eltern Katarina und Josef das Haus und bauten es aus. “Durch Zufall” kam Lothar in die Taube, denn ursprünglich sah er seine berufliche Zukunft in der Forstwirtschaft. “Ich hatte die Landwirtschaftsschule in Hohenems absolviert und mich für die Forstschule in Rotholz angemeldet – leider gab es nicht genug Anmeldungen, also fiel der Jahrgang aus, und ich bin in der Taube gelandet.”

Auch die Initiative
Auch die Initiative “Vorarlberg isst” zeichnete die Taube – Lothar Eiler im Bild mit Chefkoch Thomas Helbock – als ausgezeichnetes Wirtshaus aus.

Wollte es anders machen

In “seiner” Taube, in der er sich plötzlich den bekannten Problemen gegenübersieht: Wie soll es weitergehen? Mit seiner langjährigen Partnerin Helene übernahm er 2003 das Haus und entwickelte es zum Kult-Wirtshaus. “Wirtshaus” soll die Taube auch unter dem neuen Wirt bleiben, also nahm er sich mehr als ein Jahr Zeit, einen Nachfolger zu finden. Vor knapp einem Jahr schien alles in trockenen Tüchern, im Oktober 2025 übernahm ein Pächter, Lothar ging per 1. Jänner 2026 in Pension, Helene führt noch das Pub weiter.

     Lothar Eiler war nicht nur mit Leib und Seele Wirt, der die Tradition der Taube hochhielt, er engagierte sich auch mehr als 35 Jahre als Fähnrich der Alberschwender Musik.
Lothar Eiler war nicht nur mit Leib und Seele Wirt, der die Tradition der Taube hochhielt, er engagierte sich auch mehr als 35 Jahre als Fähnrich der Alberschwender Musik.privat

“Ich wollte es anders machen, die Taube sollte Wirtshaus bleiben – ob in Pacht oder in anderer Form …” Doch all die schönen Pläne waren bald Makulatur, unter dem neuen Wirt “lief” die Taube einfach nicht, und nach Ostern – nach nur einem halben Jahr – gingen die Lichter wieder aus.

Lothar Eiler ist wieder auf der Suche – mit unkonventionellen Mitteln, denn er weiß, dass die Zeit gegen ihn arbeitet: “Je länger das Haus geschlossen ist, umso schwieriger wird der Neustart.” STP 

Nach mehr als 20 Jahren Käsklatsch-Organisation wurden die beiden
Nach mehr als 20 Jahren Käsklatsch-Organisation wurden die beiden “Erfinder” Lothar und Gustl Eiler mit einem “käsigen” Abschiedsgeschenk in den Ruhestand verabschiedet.
Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich zeichnete 2010 den Alberschwender „Taube-Wirt“ Lothar Eiler als Genuss-Wirt des Jahres aus.   
Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich zeichnete 2010 den Alberschwender “Taube-Wirt” Lothar Eiler als Genuss-Wirt des Jahres aus.
Beim Bezirksmusikfest 2016 in Egg wurde Lothar Eiler Sieger im Fähnrich-Wettbewerb.
Beim Bezirksmusikfest 2016 in Egg wurde Lothar Eiler Sieger im Fähnrich-Wettbewerb.
Der Käsklatsch, der mehr als 20 Jahre auf dem Dorfplatz vor der Haustüre der Taube stattfand, ehe er auf den Schulhof wechselte, war ganz maßgeblich eine
Der Käsklatsch, der mehr als 20 Jahre auf dem Dorfplatz vor der Haustüre der Taube stattfand, ehe er auf den Schulhof wechselte, war ganz maßgeblich eine “Erfindung” des Tubo-Wirts Lothar.
100 Jahre Obst- und Gartenbauverein Alberschwende - der kleine Gastgarten vor der Taube wurde von Lothar Eiler als Werbebühne für das Jubiläum gestaltet.   
100 Jahre Obst- und Gartenbauverein Alberschwende – der kleine Gastgarten vor der Taube wurde von Lothar Eiler als Werbebühne für das Jubiläum gestaltet.
Viele Jahre war Alberschwendes Alptag am oder um den Heiligkreuztag ein Highlight der Wälder Alpabtriebe. Ob es heuer angesichts der Dürreprobleme auf den Alpen dazu kommt, ist fraglich.
Viele Jahre war Alberschwendes Alptag am oder um den Heiligkreuztag ein Highlight der Wälder Alpabtriebe. Ob es heuer angesichts der Dürreprobleme auf den Alpen dazu kommt, ist fraglich.privat
Die Reaktivierung des Alberschwender Alptags trug maßgeblich Lothar Eilers Handschrift. Im Vorjahr verabschiedete er sich von den langjährigen Hirtschaften Maria und Fridolin Moosbrugger sowie Marianne Metzler (r.).
Die Reaktivierung des Alberschwender Alptags trug maßgeblich Lothar Eilers Handschrift. Im Vorjahr verabschiedete er sich von den langjährigen Hirtschaften Maria und Fridolin Moosbrugger sowie Marianne Metzler (r.).
Tubo-Wirts Lothar war auch ein Pionier der Partnerschaft mit dem Retzerland und dem
Tubo-Wirt Lothar war auch ein Pionier der Partnerschaft mit dem Retzerland und dem “Austausch” Wälder Wein und Weinviertler Kas.
Eine treibende Kraft war Lothar Eiler auch bei der Entwicklung der Herbst-Genuss-Zeit.
Eine treibende Kraft war Lothar Eiler auch bei der Entwicklung der Herbst-Genuss-Zeit.
Nach dem Ende der
Nach dem Ende der “Mätsch-Serie” wurde die Taube “Wohnzimmer” von Hanskaspas Enkeln – im Bild beim Einspielen im Herrgottswinkel von Olgas Festsaal mit der Südtiroler Mundartlegende Sepp Messner alias Windschnur.
Vor fast 20 Jahren begrüßte Lothar Eiler die Kleaborar Bahnteifl zu ihrem ersten öffentlichen Auftritt, den sie gemeinsam mit Otto Hofer bestritten.   
Vor fast 20 Jahren begrüßte Lothar Eiler die Kleaborar Bahnteifl zu ihrem ersten öffentlichen Auftritt, den sie gemeinsam mit Otto Hofer bestritten.
Bei Lothar in der Taube war immer etwas los . . .
Bei Lothar in der Taube war immer etwas los.
Für seine Gäste hielt Lothar Eiler nicht nur Speisen und Getränke, sondern auch tiefsinnige Lebensweisheiten bereit.
Für seine Gäste hielt Lothar Eiler nicht nur Speisen und Getränke, sondern auch tiefsinnige Lebensweisheiten bereit.
Mit mehreren baulichen Maßnahmen machte Lothar Eiler die Taube zukunftsfit. Im Zuge einer umfassenden Außensanierung wurde das
Mit mehreren baulichen Maßnahmen machte Lothar Eiler die Taube zukunftsfit. Im Zuge einer umfassenden Außensanierung wurde das “Gasthaus Taube” 2010 in “Wirtshaus zur Taube” umbenannt – auf “Wirtshaus” legte Lothar Eiler großen Wert.
Mit innovativen Ideen wurde auch die Corona-Zeit bewältigt.
Mit innovativen Ideen wurde auch die Corona-Zeit bewältigt.
Auf dem geschmiedeten Wirtshausschild ist die Jahrzahl 1797 vermerkt, erstmals urkundlich belegt wurde die
Auf dem geschmiedeten Wirtshausschild ist die Jahreszahl 1797 vermerkt, erstmals urkundlich belegt wurde die “Taverne” am Eingang zum Bregenzerwald aber schon mehr als 300 Jahre früher.