SOS Walgau macht Rondo-Kraftwerk und das CO₂ vor UVP-Verhandlung zum Thema

Die öffentliche Verhandlung des UVP-Verfahrens zum Reststoffkraftwerk der Rondo Ganahl AG ist für Ende September angesetzt. Dabei spielt auch die Frage der CO₂-Emissionen eine Rolle.
Frastanz Am 22. September beginnt um 9 Uhr die öffentliche UVP-Verhandlung zum Kraftwerksprojekt des Papierunternehmens Rondo Ganahl AG im Ramschwagsaal in Nenzing. Geplant ist ein Reststoffkraftwerk, das sowohl Wärme als auch Elektrizität bereitstellen soll. Damit will Rondo Ganahl nicht nur seine Abhängigkeit von Erdgas reduzieren, sondern bietet auch die Bereitstellung von Fernwärme an.
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Demo vor dem UVP-Verfahren
Doch es gibt auch anhaltenden Widerstand. Die Bürgerinitiative S.O.S. Walgau ruft am Abend vor dem UVP-Verfahren zur Großdemonstration auf. Diese ist für den 21. September ab 18 Uhr angesetzt, ebenfalls beim Ramschwagsaal. Sie rechnet in der Einladung zur Demonstration vor, dass die Müllverbrennungsanlage bei Vollauslastung beinahe fünfmal mehr CO₂ pro Jahr erzeugen werde, als es die privaten Haushalte im Walgau täten.
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Situation in Österreich und Vorarlberg
Laut dem Klimaschutzbericht 2026 wurden 2024 in Österreich 66 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent Treibhausgase emittiert, zu über 80 Prozent war dies CO₂. Die CO₂-Emissionen der Privathaushalte haben sich seit 1990 faktisch halbiert, sie stießen 4,7 Mio. Tonnen aus. Energie und Industrie waren für 21 Mio. Tonnen verantwortlich, 21 Prozent weniger als noch 1990. 3,4 Mio. Tonnen waren dabei die öffentliche Strom- und Wärmeproduktion. Eine weitere Mio. Tonne CO₂-Äquivalent stammt aus der Abfallverbrennung – dreimal mehr als 1990, aber seit 2016 wieder rückläufig.
Derzeit gibt es in Österreich zwölf größere Müllverbrennungsanlagen für Siedlungsabfälle, allein Wien Energie unterhält drei solcher Kraftwerke. Hinzu kommen 49 überwiegend industrielle Verbrennungskraftwerke, die Müll als Regel- oder Zusatzbrennstoff verwenden. Diese kompensieren meist fossile Brennstoffe, so wie im Falle von Rondo Ganahl Erdgas: “Einer Zunahme der Emissionen im Abfallsektor stehen tendenziell Emissionsminderungen im Energiesektor gegenüber”, erklärt das Umweltbundesamt daher.

Jene Teile der sortierten Vorarlberger Siedlungsabfälle, die keiner anderen Verwertung zugeführt werden können, werden derzeit in der Kehrrichtverbrennungsanlage in Buchs verbrannt, etwa 10 km Luftlinie südwestlich von Feldkirch. 2023 waren dies etwa 72 kg pro Vorarlberger.
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Rondo Ganahl sieht CO₂-Ersparnis
Auch Rondo Ganahl will den Blick auf das Thema CO₂ weiter fassen. Derzeit wird die notwendige Prozesswärme zur Papieraufbereitung aus der Verbrennung von Erdgas gewonnen, dies macht sieben Prozent des gesamten Vorarlberger Gasverbrauchs aus. Da man durch das Reststoffkraftwerk 90 Prozent des Erdgases ersetzen würde, wären dies 25.000 Tonnen CO₂ an Ersparnis. Da die infrage kommenden Reststoffe, auch wenn es sich nicht um Siedlungsabfälle handelt, derzeit auch verbrannt werden, handle es sich um unvermeidbare Emissionen. Durch die Rauchgasfilterung würde die Luftqualität an sich sogar verbessert: Die Abgase seien vergleichbar mit etwa 100 Holzheizanlagen oder einem Biomassekraftwerk mit 7 Megawatt Leistung – bei einer Leistung von 140 Gigawattstunden Wärme und 60 Gigawattstunden Strom. Und durch das Fernwärmeangebot könnte das Kraftwerk auch Emissionen der Wohngebäude im Umfang von 20.000 Tonnen CO₂ kompensieren.

Mit einer Planausstellung zum geplanten Kraftwerksbau am 11. September suchte das Unternehmen den Kontakt zur Bevölkerung. Rund 150 Interessierte nutzten die Kontaktmöglichkeit zu den Projektverantwortlichen und Gutachtern. “Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung braucht es Raum für unterschiedliche Sichtweisen und einen offenen, sachlichen Austausch”, sagte Technikvorstand Udo Nachbaur.