Vor UVP-Verhandlung: Hunderte protestieren gegen Rondo-Kraftwerk

VN / 21.09.2026 • 22:20 Uhr
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Hunderte Bürger und Bürgerinnen aus dem Walgau demonstrierten gegen das geplante Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl. Bilder: VN/JUN

Einige Hundert Menschen demonstrierten in Nenzing gegen das geplante Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl. Dabei geht es nicht nur um den CO₂-Ausstoß – auch die Herkunft des Mülls sorgt für Kritik.

Nenzing Am Abend vor der UVP-Verhandlung zum geplanten Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl riefen die Bürgerinitiativen „Besorgte BürgerInnen“ und „S.O.S. Walgau“ in Nenzing zur Demonstration auf. Einige Hundert Bürger folgten dem Aufruf zur Demonstration gegen die von den Initiativen als Müllverbrennungsanlage bezeichnete Anlage. Wie berichtet, will Rondo Ganahl mit dem Reststoffkraftwerk Prozesswärme für die Papier- und Wellpappeproduktion erzeugen, die bisher fast vollständig aus Erdgas stammt.

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Manuela Zech ist stellvertretende Obfrau des neu gegründeten Vereins “Besorgte BürgerInnen”.

Manuela Zech, stellvertretende Obfrau des neu gegründeten Vereins „Besorgte BürgerInnen“, nimmt als Privatperson an der UVP-Verhandlung teil. Zech interessiert vor allem, woher der Müll stammt, der in Frastanz verbrannt werden soll. Nach ihren Angaben soll dieser nicht ausschließlich aus Vorarlberg, sondern auch aus Süddeutschland kommen. Sie befürwortet nachhaltigere Alternativen wie Photovoltaik oder Wärmepumpen. „Die Arbeitsprozesse soll man so verbessern, dass man weniger Energie braucht. Ich würde mich an ihrer Stelle schämen, der größte Energieverbraucher im Land zu sein“, sagt Zech.

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Heike Tapken kritisiert vor allem, dass in zwölf Kilometer Entfernung bereits eine Müllverbrennungsanlage steht.

„Die Müllverbrennungsanlage würde fast fünfmal so viel direktes CO₂ ausstoßen, wie alle privaten Haushalte im Walgau derzeit für Heizung und Warmwasser zusammen verursachen“, sagen Theresa Grabher und David Kessler von „S.O.S. Walgau“. Zech fasst ihre Kritik so zusammen: „So wird Rondo vom größten Gasverbraucher zur größten CO₂-Schleuder.“

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Werner Geiger aus Frastanz ist Imker und daher um die Wälder und Wiesen besorgt.

Müll sollte in öffentlicher Hand sein

Die Ärztin Heike Tapken lebt seit einem Jahr in Göfis. Sie versteht nicht, warum in einer Entfernung von zwölf Kilometern Luftlinie eine zweite Müllverbrennungsanlage gebaut werden soll. Die Lage in Frastanz sei wegen der Inversionswetterlagen nicht ideal. „Der Rauch bleibt im Tal hängen. Die Verbrennungsanlage in Buchs ist freier und technisch um einiges besser“, sagt Tapken. Müll soll ihrer Ansicht nach in öffentlicher Hand sein und nicht der Gewinnmaximierung dienen. Den Import von Müll, um ihn in Frastanz zu verbrennen, hält Tapken „nicht für sinnvoll“. Sie sagt: „Die Gewinne bleiben im Unternehmen, aber die Folgen hat die Bevölkerung zu tragen.“

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Harald Bonner denkt nicht, dass das Demonstrieren hilft, aber er macht es trotzdem.

Werner Geiger aus Frastanz ist Imker. „Die ganzen Wälder und Wiesen werden belastet“, befürchtet er. Feinstaub könne sich auf den Pflanzen ablagern. Außerdem würden zum Verbrennen der Abfälle nach seiner Einschätzung zehn Prozent Erdgas benötigt. Damit wäre der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen nicht vollständig. Harald Bonner, ebenfalls aus Frastanz und direkter Anrainer, hält die Proteste für zwecklos: „Es können hier 20.000 Leute stehen und es wird trotzdem noch gebaut.“

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Der Dorfplatz füllte sich am Abend.
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Fachgutachter beauftragt

Mehr als 3100 Menschen haben die Petition unterschrieben; Rondo habe die Übergabe der Unterschriften abgelehnt. Kessler kritisiert den fehlenden Dialog mit Rondo: „Es gab kein einziges Gespräch.“ Der Verein „S.O.S. Walgau“ hat bei der UVP-Verhandlung Parteistellung. „Es ist ein hochkomplexes Genehmigungsverfahren“, sagt Grabher. Der Verein habe daher externe Fachgutachter damit beauftragt, die Ergebnisse des UVP-Verfahrens zu überprüfen.

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Erich und Doris Zucalli vom Alpenschutzverein sprechen sich ebenfalls gegen das geplante Reststoffkraftwerk aus.

Der Walgau werde zum„Dreckhotspot“

Auch der Alpenschutzverein hat eine negative Stellungnahme abgegeben. Erich Zucalli hält eine zweite Müllverbrennungsanlage für unnötig, da Vorarlberger Abfall bereits in Buchs verbrannt werde. Er kritisiert, dass ein Unternehmen „nicht auf Kosten der Bevölkerung Geld verdienen“ dürfe. Zudem beanstandet er die im Vergleich zu Buchs niedrigere Verbrennungstemperatur. Je höher die Temperaturen, desto mehr sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) würden zerstört. Wegen der Inversionswetterlage würden sich die Giftstoffe im Nebel sammeln und könnten nicht entweichen. „Gerade die Göfner hängen oft im Nebel drin und atmen die Giftstoffe ein“, sagt Zucalli. Der Walgau werde dadurch zum „Dreckhotspot“.

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Theresa Grabher vom Verein “S.O.S. Walgau” hat sogar externe Fachgutachter beauftragt, die sich die UVP-Ergebnisse noch einmal angesehen haben.
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Tobias Bechtold aus Göfis macht Landeshauptmann Markus Wallner für das Projekt verantwortlich: „Meine Kinder sollen wissen, wem sie die Anlage zu verdanken haben. Wallner übergeht den Willen der Gemeinden, die dagegen sind.“

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Markus Brandtner ist Obmann des Vereins “Besorgte BürgerInnen”.

Das sagt die UVP-Behörde

Im Vorfeld der UVP-Verhandlung wandte sich die Bürgerinitiative „S.O.S. Walgau“ mit fünf Fragen an die zuständige UVP-Behörde. Diese bestätigte die UVP-Pflicht für das Vorhaben. Außerdem sei keine verbindliche Beschränkung vorgesehen, wonach ausschließlich in Vorarlberg angefallene Abfälle eingesetzt werden dürfen. Eine Herkunft der Abfälle aus dem Ausland sei „durch den beantragten Genehmigungsgegenstand nicht generell ausgeschlossen“. Für „feste Siedlungsabfälle einschließlich ähnlicher Gewerbeabfälle“ seien maximal 82.000 Tonnen pro Jahr beantragt, heißt es in der Antwort der Behörde. Weiters sei „ein genereller Ausschluss sämtlicher Abfälle, die PFAS enthalten können, in den beantragten Abfallarten nicht vorgesehen“.

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Tobias Bechtold nennt das geplante Vorhaben “Wallner-Müllverbrennungs-Anlage”.
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Der Erlös vom Verkauf von Honig und Brezeln geht an die Fachgutachter.