Annelies Mautner Huber macht aus Sticken ausdrucksvolle Kunst

Vorarlberg / 14.09.2026 • 11:30 Uhr
1)	Für Annelies Mautner Huber ist Sticken ein meditativer Prozess, der sehr viel Konzentration erfordert. 2)Annelies Mautner Huber entwickelt das experimentelle Sticken immer weiter.
Für Annelies Mautner Huber ist Sticken ein meditativer Prozess, der sehr viel Konzentration erfordert.

Künstlerin Annelies Mautner Huber begeistert sich für experimentelles Sticken.

Nenzing “Sticken hat bei uns eher den Touch von etwas Altmodischem, dabei kann Sticken so vielseitig und sehr ausdrucksvoll sein”, ist Annelies Mautner Huber überzeugt. Sie widmet sich schon lange dieser traditionellen Handwerkstechnik: “Ich habe mich schon immer für das Sticken interessiert. Eigentlich war zuerst der Kreuzstich mein bevorzugtes Thema, aber das wurde mir dann langsam zu eng.”

Daraufhin besuchte sie vor über zwanzig Jahren einen Kurs bei Eveline Bischof, Professorin an der Wiener Akademie der Bildenden Künste in Wien, der ein Schlüsselerlebnis in ihrem Kunstschaffen darstellte, denn dadurch entdeckte sie das experimentelle Sticken: “Früher waren die Vorgaben exakt, ich habe mich stets in einem vorgegebenen Rahmen bewegt. Durch die aus diesem Kurs entstandene Gruppe, die auch heute noch existiert, haben sich für mich Welten aufgetan”, erklärt die 67-Jährige. Die Bandbreite ihrer Kunstwerke erweiterte sich sodann von in reduziert-grafischer Bildsprache gehaltenen Objekten und Personen bis hin zu erzählerischen Figuren.

Annelies Mautner Huber entwickelt das experimentelle Sticken immer weiter. Sie ist eine der wenigen, die diese Kunstform in Vorarlberg ausübt.
Annelies Mautner Huber entwickelt das experimentelle Sticken immer weiter. Sie ist eine der wenigen, die diese Kunstform in Vorarlberg ausübt. privat

Die Kunst der Reduktion

Diese spezielle Kunstform des Stickens existiert in England und in den USA schon lange, in Vorarlberg ist die Nenzingerin eine der wenigen, die sie ausübt. Doch ihre Kunstwerke fallen auf. Im Jahr 2007 erfolgte ihre erste Ausstellung im Jägerhaus in Bürs, weitere folgten unter anderem in Feldkirch, Innsbruck und Stuttgart. Inzwischen bereitet sie ihre 16. Ausstellung vor. Diese findet in der gallery STEINER in Wien statt, die Vernissage findet bereits am kommenden Donnerstag statt.

Die Nenzingerin ist ein angenehm zurückhaltender Mensch, es liegt ihr fern, sich in den Mittelpunkt zu drängen. Vernissagen stellen eine Herausforderung für sie dar, die sie inzwischen immer besser zu bewältigen weiß. Die Motive für ihre Bilder findet sie im Alltag, thematisch kreisen sie häufig um das Thema Frau in unterschiedlichsten Facetten. Außerdem hat sie mit “Rabenrot und Rabenschwarz” zwei immer wiederkehrende Figuren entwickelt, die viele Dinge des Lebens poetisch, zum Teil aber auch ironisch kommentieren. Die zweifache Mutter erklärt: “Meine Kunst besteht darin, mit stark reduzierten Figuren und Farben ganze Geschichten im Kopf des Betrachters entstehen zu lassen.”

3)	Die Literatur spielt eine weitere, wichtige Rolle in ihrem Leben.
Die Literatur spielt eine weitere wichtige Rolle in ihrem Leben. privat

Meditative Tätigkeit

Ihre Bilder entstehen in Gedanken: “Und dann sticke ich los. Manchmal verändert sich aber die ursprünglich gedachte Form während des Prozesses. Bei mir geht alles über das Gefühl. Durch das Sticken habe ich eine für mich ideale Ausdrucksform gefunden.” Offenheit und Experimentierfreude sind weitere Charakterzüge der Künstlerin. Neben ihrer früheren Unterrichtstätigkeit absolvierte sie eine Ausbildung zur multimedialen Kunsttherapeutin. Und auch beim Sticken verwendet sie ständig neue Untergründe, wobei die Palette von hundert Jahre altem Leinen über verschiedene Papierarten bis hin zu Holz und Metall reicht. “Stoff kann ich auftrennen. Bei bearbeitetem Papier geht das nicht”, erläutert sie. Sticken erfordert viel Konzentration. Für Annelies Mautner Huber ist es eine meditative Tätigkeit: “Während ich sonst alles möglichst schnell erledige, brauche ich beim Sticken Geduld. Aber das ist gut, ich lasse mich komplett darauf ein. Sticken ist ein langsames Medium – und das Stich für Stich. Das kann ich sehr genießen.” BI

5)	Sohn Christoph mit Gattin Fiona, Sohn Lukas sowie Robert und Annelies Mautner Huber in Hongkong
Sohn Christoph mit Gattin Fiona, Sohn Lukas sowie Robert und Annelies Mautner Huber in Hongkong privat
4)	Mit ihrem Mann Robert teilt sie ein weiteres meditatives Hobby: das gemeinsame Kochen.
Mit ihrem Mann Robert teilt sie ein weiteres meditatives Hobby: das gemeinsame Kochen. privat

“Während ich sonst alles möglichst schnell erledige, brauche ich beim Sticken Geduld. Aber das ist gut, ich lasse mich komplett darauf ein.”

Annelies Mautner Huber, Künstlerin

Zur Person

 
Annelies Mautner Huber

Geboren: 1958
Familie: Verheiratet mit Robert, zwei Söhne: Lukas (36) und Christoph (33)
Wohnort: Nenzing
Hobbys: Kochen, Literatur, Sticken, Reisen
 

Stellt ab 17. September in der gallery STEINER ihre Stickkunstwerke unter dem Titel „Blickwinkel“ aus, die Ausstellung ist bis 10. Oktober zu sehen.