Wo Sprache mehr als ein Wort ist

Vorarlberg / 07.10.2026 • 13:08 Uhr
Sozialpaten
Brigitte Newland engagiert sich mit Begeisterung für Frauen und Sprache. Newland

Als Sozialpatin schafft Brigitte Newland Raum für neue Beziehungen und Kontakte.

Bludenz Der “Yellow September” ist ein österreichweiter Aktionsmonat für psychosoziale Gesundheit und Suizidprävention. Er dauert vom 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, bis zum 10. Oktober, dem Welttag der psychischen Gesundheit. Ziel von Organisationen und Initiativen ist es, ein Zeichen für Fürsorge, Entstigmatisierung und gegen soziale Isolation sowie Tabus rund um psychische Belastungen zu setzen. Die Caritas tut dies mit freiwilligen Sozialpatinnen und -paten. Rund 300 unterstützen derzeit etwa 450 Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder begleiten geflüchtete Menschen mit Bleiberecht in Vorarlberg bei Fragen der Integration. Brigitte Newland (71) engagiert sich seit 10 Jahren als Sozialpatin im Frauen-Sprachtreff und Frauencafé in Bludenz. “Das hält jung”, sagt sie lachend, “und es ist eine Freude, mitzuerleben, wie sehr Frauen dieses Angebot guttut.”

Flüchtlingsbetreuung

Das Sozialpaten-Projekt der PfarrCaritas bringt Menschen zusammen und schafft Raum für neue Beziehungen. Brigitte Newland kann das nur unterstreichen. “Unlängst haben wir mit den Frauen einen Ausflug auf den Muttersberg gemacht. Es war ein wunderbares Erlebnis, das uns beflügelte”, schwärmt die ehemalige Deutschlehrerin. Begonnen hat die zweifache Mutter ihre Freiwilligenarbeit während der ersten großen Flüchtlingswelle. “Ich stand kurz vor der Pensionierung und überlegte, was ich mir für die Zeit nach dem Beruf aufbauen könnte”, erzählt Brigitte Newland. Die erste Station führte sie ins Schulbrüderheim nach Feldkirch, wo sie unbegleitete junge Flüchtlinge betreute. Das Lehren war auch für sie eine Umstellung. “Schüler mit Deutsch als Muttersprache hinterfragen nicht, warum es sich mit der Grammatik so oder so verhält. Jemand, der Deutsch von Grund auf lernen muss, sehr wohl”, spricht sie heute von einer interessanten Erfahrung. Inzwischen ist das kein Thema mehr. Gemeinsam mit drei Kolleginnen weiht Newland jeden Mittwochvormittag im Sprachtreff, den die Stadt und der Sozialsprengel mittragen, vorwiegend junge Frauen in die Geheimnisse der deutschen Sprache ein.

Sozialpaten
Mit Bienen kennt sich Brigitte Newland ebenfalls aus. Sie nennt zehn Völker ihr Eigen.

Bedarf an Geselligkeit

Die Gruppen sind, je nachdem, ob gerade ein Sprachkurs stattfindet oder nicht, unterschiedlich groß. “Sechs bis zehn Frauen kommen aber meistens”, ergänzt die begeisterte Imkerin. Die Frauen schätzen den sicheren Rahmen, den ihnen der Sprachtreff bietet. Da geht es dann längst nicht mehr nur um Deutschvokabeln. Auch Alltagsprobleme werden angesprochen. Brigitte Newland nötigt der Mut, mit dem die Frauen in einem fremden Land neu anfangen, Bewunderung ab. Deshalb freut sie sich ganz besonders über Rückmeldungen von positiv abgelegten Sprachprüfungen oder einer erfolgreichen Jobsuche. Sie würde sich jedoch wünschen, dass Menschen nicht nur auf das Absolvieren von Sprachkursen reduziert werden, denn: “Sie brauchen auch Zuwendung und Kontakt.” Wie sehr, zeigt sich im einmal monatlich stattfindenden Frauencafé. “Dorthin kommen Frauen, die nicht mehr am Sprachtreff teilnehmen, die reden und es fein haben möchten”, verdeutlicht Brigitte Newland den Bedarf an Austausch und Geselligkeit.

Sozialpaten
Brigitte Newland mit ihrem Mann Herbert, mit dem sie gerne Reisen unternimmt.

Zum Abschluss des “Yellow September” findet am Samstag, 10. Oktober, von 9:30 bis 17:30 Uhr im Kulturhaus in Dornbirn die “anima”, organisiert vom Landesverband für Psychotherapie, statt. Die Caritas ist Mitveranstalter. Freier Eintritt und keine Anmeldung.