Wohnbau im Keller

Vorarlberg / 08.11.2026 • 14:43 Uhr
Wohnbau im Keller
Blick auf Bregenz: Auch für heuer und das kommende Jahr sind landesweit sehr wenige Wohnungsfertigstellungen zu erwarten.vmh

Im vergangenen Jahr wurden hierzulande um ein Drittel weniger Wohnungen fertiggestellt.

SCHWARZACH „Der Einbruch ist brutal“, sagt Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: Statistik Austria hat Angaben zu fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr veröffentlicht. Hierzulande ist die Gesamtzahl demnach um ein Drittel auf 2511 eingebrochen. Damit sei das eingetreten, was aufgrund des Rückgangs der Baubewilligungen seit 2022 zur befürchten war, erklärt Klien. Das schlage mit mehrjähriger Verzögerung durch.

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Besonders stark ist der Einbruch im Mehrgeschoss-Neubau: Nach 2415 im Jahr 2024 sind hier nur noch 1351 Einheiten errichtet worden. Gob gesprochen waren das sogar um fast die Hälfte weniger. Angaben dazu, wie viele davon Eigentums- oder Mietwohnungen bzw. private oder gemeinnützige Wohnungen waren, liegen nicht vor. Ausgewiesen wird lediglich eine Gesamtzahl. Bei neuen Gebäuden mit einer oder zwei Wohnungen ist es zu einem Rückgang von einem Fünftel auf 489 Einheiten gekommen.

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Billiger werde Eigentumserwerb jedenfalls nicht, wenn das Angebot eingeschränkt wird, warnt Amann: „Das ist vor allem für Junge ein Problem.“Wolfgang Amann, IIBW

Auf der anderen Seite sind so viele Wohnungen durch An-, Auf- oder Umbautätigkeiten geschaffen worden wie noch nie. Mit 625 entfiel ziemlich genau ein Viertel aller Fertigstellungen allein auf ebensolche. Vor allem junge Leute würden sich durch Sanierungen oder Umbauten in bestehenden Gebäuden behelfen, bestätigt Thomas Fink von Raiffeisen-Immobilien. Das ist günstiger. Wobei es sich offensichtlich um eine Antwort auf das größte Problem handelt, das laut Fink für viele besteht: die Finanzierung. Gewisse Auflagen einer Kreditvergaberegelung („KIM-Verordnung“), würden trotz ihres Auslaufens im vergangenen Sommer weiterhin als Richtlinie gelten.

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Die Finanzierung macht umgekehrt auch privaten Wohnbauträgern zu schaffen, wie Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen, erklärt. Ihnen mache ein Systemrisikopuffer zu schaffen, der gerade weiter verschärft worden sei und die Finanzierung verteuere: „Das ist nicht einzusehen“, so Amann: „Auch jene, die solid wirtschaften, werden hier belastet.“ 

Amann ist über die Entwicklung der Fertigstellungen nicht überrascht. Sie entspreche den Prognosen seines Instituts. Erholung ist demnach nicht in Sicht. Für heuer seien mit 2200 noch weniger zu erwarten. Und die Entwicklung der Baubewilligungen lasse befürchten, dass es im kommenden Jahr allenfalls eine Stagnation auf niedrigem Niveau geben werde.

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Am privaten Mietmarkt sind die Folgen laut Klien schon jetzt spürbar. Im Eigentumssegment sei hingegen noch keine Knappheit vorhanden. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, könnte sich das jedoch ändern. Billiger werde Eigentumserwerb jedenfalls nicht, wenn das Angebot eingeschränkt wird, warnt Amann: „Das ist vor allem für Junge ein Problem.“

Auch Ferdinand Koller, Geschäftsführer von „dowas“, einem Verein, der Wohnungssuchende unterstützt, sieht Handlungsbedarf: Es sei ohnehin schon schwer für viele Haushalte, in Miete unterzukommen. „Das spüren wir in unserer Beratung und das droht sich zu verschärfen, wenn jetzt über einen längeren Zeitraum hinweg weniger gebaut wird.“ Gefordert sei daher „auf jeden Fall mehr gemeinnütziger Wohnbau“.

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Auch Ferdinand Koller, Geschäftsführer von „dowas“, einem Verein, der Wohnungssuchende unterstützt, sieht Handlungsbedarf.Alexandra Serra

Die Nachfrage danach ist enorm: In Feldkirch hatten mit Ende Oktober 685 Haushalte einen Bedarf für eine gemeinnützige Wohnung angemeldet. Vorarlbergweit lagen nach Auskunft des Landes zuletzt insgesamt 5714 offene Anträge vor.