Ein dreister Coup

Welt / 27.01.2022 • 22:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mehr als zwei Jahre liegt der spektakuläre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe schon zurück. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. AFP
Mehr als zwei Jahre liegt der spektakuläre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe schon zurück. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. AFP

Prozessauftakt nach Diamanten-Diebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe.

Berlin, Dresden Der Großeinsatz der sächsischen Polizei in Berlin im November 2020 war streng geheim. 1600 Polizisten aus acht Bundesländern rückten tief in der Nacht in der Hauptstadt an, dazu kamen Spezialeinsatzkommandos. Um sechs Uhr morgens stürmte die Polizei Wohnungen und durchsuchte Cafés, Garagen und Autos. Das Ziel: Mitglieder der arabischstämmigen Großfamilie R. Drei junge Männer wurden verhaftet, weitere Verdächtige aus dem Clan später gefasst. Die insgesamt sechs Verdächtigen sind Brüder oder Cousins. Die Polizei geht davon aus, dass die polizeibekannten Männer einen der spektakulärsten Coups der letzten Jahre begingen: den Einbruch in das Dresdner Museum Grünes Gewölbe und den Diebstahl von Diamantschmuck im Millionenwert. Pikant: Zwei der Männer wurden bereits im Februar 2020 wegen des Diebstahls einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum verurteilt.

Zwei Einbrecher drangen am Morgen des 25. November 2019 in die Museumsräume im Residenzschloss ein. Zuvor hatten sie einen Stromverteilerkasten angezündet und dicke Gitter durchtrennt. Mit einer Axt zertrümmerten sie eine Vitrine und stahlen 21 Schmuckstücke mit mehr als 4300 Diamanten. Den ersten Fluchtwagen zündeten die Täter in einer Tiefgarage an. Mit einem zweiten Auto entkamen sie. Bis heute fehlt von der Beute jede Spur. Der Versicherungswert liegt bei 113 Millionen Euro.

Am heutigen Freitag beginnt der Prozess gegen die sechs Verdächtigen aus dem Berliner R.-Clan. Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl und besonders schwere Brandstiftung. Die Clan-Mitglieder haben 14 Verteidiger aus halb Deutschland aufgeboten. Zudem wird gegen 40 weitere Verdächtige wegen Beihilfe, Hehlerei und Strafvereitelung ermittelt. Dazu gehören Wachmänner aus dem Museum und mögliche Komplizen und Unterstützer. Bis Ende Oktober sind 64 Prozesstage terminiert.

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