Größte Niederlage für Becker

Welt / 29.04.2022 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kamerateams und Fotografen drängten sich vor dem Gericht.
Kamerateams und Fotografen drängten sich vor dem Gericht.

Die deutsche Tennisikone wurde in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

London Es ist ein schlimmer Schlag für einen der beliebtesten deutschen Sportler: Boris Becker muss ins Gefängnis. Ein Gericht in London verurteilte den 54-Jährigen am Freitag wegen mehrerer Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft. Davon muss Becker die Hälfte absitzen, bevor er den Rest auf Bewährung in Freiheit verbringen darf, wie Richterin Deborah Taylor am Southwark Crown Court entschied. Der dreifache Wimbledon-Sieger wurde umgehend in Gewahrsam genommen. Er hat nun 28 Tage Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Becker war 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden und musste daraufhin sein Vermögen offenlegen. Dennoch verschwieg er mehrere Besitztümer. Eine Jury sprach den Deutschen deshalb vor drei Wochen in 4 von 24 Anklagepunkten schuldig. Die Laienrichter gelangten zu der Ansicht, dass Becker den Besitz einer Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleierte, unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwies und Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz verschwieg.

„Keine Reue gezeigt“

Richterin Taylor kritisierte, Becker habe keine Reue gezeigt und versucht, sich von Beratern, die er für seine Probleme verantwortlich machte, zu distanzieren. Er habe seine Pflichten wegen der Insolvenz gekannt. Eine große Summe Geld sei für immer verloren und könne nicht Beckers Gläubigern zugutekommen. Zugleich erkannte Taylor an, dass Beckers Karriere und Image endgültig zerstört seien.

Taylor verurteilte Becker wegen der unerlaubten und vorsätzlichen Überweisung von mehreren Hunderttausend Euro zu zweieinhalb Jahren Haft. Wegen der anderen drei Schuldsprüche ordnete sie jeweils 18 Monate Haft an. Da die Strafen formal parallel verbüßt werden, ergab sich die Gesamtdauer von 30 Monaten Haft.

Staatsanwältin Rebecca Chalkley hatte Becker zuvor einen schweren Vertrauensbruch vorgeworfen. Sie verwies zudem darauf, dass er in Deutschland wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war, dies erwähnte auch Richterin Taylor anschließend als strafverschärfend. Chalkley nannte keine Strafmaßforderung, machte aber deutlich, dass sie eine Bewährungsstrafe nicht für ausreichend hält. Dass er am Tag nach der gerichtlich angeordneten Insolvenz noch hohe Summen überwiesen hatte, ähnele Geldwäsche.

Karriere und Ruf zerstört

Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw hingegen bat in seinem Schlusswort um Milde und sprach sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren aus. Bei den Überweisungen habe es sich um Zahlungen an seine Ex-Frau Barbara sowie seine Gattin Lilly und seine Kinder gehandelt, die von ihm abhängig gewesen seien. Laidlaw räumte ein, dass Becker damit das Gesetz gebrochen hatte, es sei aber kein schwerwiegender Fall. Der 54-Jährige habe sich in einer verzweifelten finanziellen Lage befunden. Seine Karriere und sein Ruf seien zerstört. „Er hat praktisch alles verloren“, sagte Laidlaw.

Am Gerichtshof Southwark Crown Court herrschte zur Entscheidung großer Andrang. Becker kam wie an jedem Prozesstag in Begleitung seiner Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro, das Paar hielt Händchen, als es an den Fotografen und Kameraleuten vorbei ins Gericht ging. Beckers ältester Sohn Noah trug eine gepackte Reisetasche, die zu Becker in den Glaskasten gestellt wurde, in dem sich der Angeklagte aufhalten muss.

Wie an jedem Prozesstag wurde Boris Becker auch am Freitag von seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro in Gericht begleitet. AFP
Wie an jedem Prozesstag wurde Boris Becker auch am Freitag von seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro in Gericht begleitet. AFP
Boris Becker wurde umgehend in Gewahrsam genommen. AFP
Boris Becker wurde umgehend in Gewahrsam genommen. AFP