Auf unbekannten Pfaden

Wetter / 25.03.2013 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Fritsche ist gerüstet für seinen abenteuerlichen Ausflug. Foto: VN/hb
Stefan Fritsche ist gerüstet für seinen abenteuerlichen Ausflug. Foto: VN/hb

Stefan Fritsche begleitet als Kameramann eine Expedition ins Karakorum-Gebirge.

Nüziders. (VN-mm) Diese Verbindung bemüht automatisch gängige Klischees. Da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm oder wie der Vater, so der Sohn. Stefan Fritsche räumt gerne ein, dass die Leidenschaft seines Vaters Theo zu den Bergen auch ihm hin und wieder zum Vorteil gereichte. „Man bekommt mit, was alles möglich ist und profitiert von den Erfahrungen, gerade was Ausrüstung und Material angeht“, sagt er. Doch Achttausender zu sammeln wie Briefmarken, das hat der Junior nicht im Sinn. Seine Liebe gilt mehr der Filmerei. Dafür schleppt er die Ausrüstung weiß Gott wohin.

Fernab der Zivilisation

Heute startet Stefan Fritsche zu einer besonderen Expedition. Sie führt ihn nach Pakistan und von dort ins Karakorum-Gebirge, wo noch viele einsame Gipfel abseits der üblichen Trekkingrouten auf die Erstbesteigung warten. Mit im Team sind Tamara Lunger und ihr Vater Hansjörg, beide Weltmeister im Skibergsteigen, sowie der steirische Kameramann Matthias Aberer. Er war es, der Stefan Fritsche den Auftrag angeboten hat. „Und inzwischen ist ein Großteil des Gepäcks schon in Pakistan“, freut sich der Nüziger auf eine Reise, die wohl alles andere denn ein Spaziergang werden dürfte.

27 Tage und mehr als 150 Kilometer fernab jeglicher Zivilisation und keine Unterstützung durch Träger: So sieht das Programm aus. Was an Ausrüstung notwendig ist, ziehen die Expeditionsteilnehmer selbst in Schlitten hinter sich her. Bequemlichkeiten wie Toiletten, abwechslungsreiche Mahlzeiten oder Waschmöglichkeiten sind auf der abenteuerlichen Skitour durch die weit verzweigte Gletscherwelt des Karakorum reines Wunschdenken. Aber die Verlockung, sich an Bergen zu versuchen, die noch niemand vor ihnen betreten hat, wiegt die Erschwernisse auf. „Je herausfordernder, umso besser“, lautet die Devise.

Mit Kamera am Everest

Der HTL-Absolvent und Tischlermeister, der lange im Betrieb seines Vaters gearbeitet hat, war schon immer „viel und gerne im Ausland“ unterwegs. Den ersten Dokumentar- und Lehrfilm drehte Stefan Fritsche 2009 für eine Hilfsorganisation auf Papua-Neuguinea. „So entwickelte sich das langsam“, erzählt er. Zwei Jahre später stand er mit der Kamera am Mount Everest. Nicht am Gipfel, aber doch auf 8400 Metern. Und weil es ums Arbeiten ging scheute er sich auch nicht, Sauerstoff zu benützen. „Ich musste schließlich in extremem alpinem Gelände eine entsprechende Leistung bringen.“

Der Abstecher zum höchsten Berg der Welt beeindruckte den Vorarlberger zwar. Doch lieber ist er dort unterwegs, „wo noch niemand war“. Stefan Fritsche lechzt nicht nach den großen bergsteigerischen Erfolgen. Er macht derzeit eine Ausbildung zum Berg- und Skiführer und hofft, das Filmen und Führen im Gebirge irgendwann professionell in Einklang bringen zu können. Ein Anfang ist die Expedition.

Von Shimshal im Norden Pakistans bis zum Fuße des Braldu Gletschers werden sie von Trägern begleitet. Ab dort sind die vier dann auf sich allein gestellt. Über den Lupke La Pass (5570 m) geht es weiter zum Sim Gang Gletscher, der auf den Biafo Gletscher trifft, dem sie bis nach Askole am Talausgang folgen wollen. Dabei entsteht ein 45 bis 60 Minuten dauernder Dokumentarfilm, von dem Stefan Fritsche hofft, dass er ihm die Türen zu einem Leben mit „Kamera und Eispickel“ öffnet. An die Werkbank will der Bergfreak jedenfalls vorerst nicht mehr zurück.

Je herausfordernder, umso besser.

Stefan Fritsche

Zur Person

Ing. Stefan Fritsche

Geboren: 2. Juli 1981 in Bludenz

Wohnort: Nüziders

Familienstand: Freundin

Hobbys: Berge, Filmen