Wie man Abschied nimmt

Wetter / 30.10.2013 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Daniela Schwarzmann-Spalt in der Kapelle des Diözesanhauses: Abschied nehmen braucht Rituale. Foto: VN/Matt
Daniela Schwarzmann-Spalt in der Kapelle des Diözesanhauses: Abschied nehmen braucht Rituale. Foto: VN/Matt

Eine vierfache Mutter leitet das Team der Diözese, das trauernde Jugendliche begleitet.

Feldkirch. (VN-tm) Sie sind zu viert: Jugendseelsorger Dominik Toplek, Silke Sommer, Ute Thierer, und Daniela Schwarzmann-Spalt leitet das Team. Eine Art schnelle Eingreiftruppe hat die junge Kirche der Diözese Feldkirch da auf die Beine gestellt. Meist fordern Religionslehrer sie an, wenn sich in ihrer Klasse ein Todesfall ereignet hat.

„Ohne Anlassfall beschäftigen sich Jugendliche nicht mit dem Tod“, weiß Daniela Schwarzmann-Spalt aus Erfahrung. Das wäre auch sonderbar. Aber dann steht die Welt von einem Augenblick auf den anderen Kopf. So wie am BORG Egg vor Wochen, nachdem eine Schülerin sich das Leben genommen hatte. Daniela Schwarzmann-Spalt und ihr Team boten den Jugendlichen ein Abschiedsritual an. 40 Mädchen und Buben machten gern davon Gebrauch.

Einfühlsam begleitet

„Wir haben uns im Pfarrsaal getroffen.“ Auf dem Boden hatten Daniela und die anderen ein großes Labyrinth ausgelegt. In dessen Mitte legten sie ein Foto des Mädchens. „Wir haben kurz erzählt, was eigentlich passiert ist.“ Wichtig ist Schwarzmann-Spalt dabei, „dass nichts schöngeredet wird“. Dann wurde das Foto mit einem schwarzen Stern verdeckt. Die Jugendlichen aber machten sich mit brennenden Kerzen in den Händen auf den Weg durchs Labyrinth. Musik hüllte sie ein. „So konnten sie die Wege, die jeder einzelne mit dem Mädchen gegangen war, noch einmal nachfühlen.“ Sie stellten ihre Kerzen beim Foto ab. Und verließen das Labyrinth. „Am Ende erwartete sie eine Trauerwand.“ Dort konnten die Jugendlichen alles, was sie ihrer Mitschülerin noch sagen wollten, aufschreiben. „Wir haben veranlasst, dass die Texte gesammelt in den Sarg gelegt wurden.“ Am Ende eines solchen Rituals wird das Labyrinth geschlossen. Nun gibt es keinen Eingang und keinen Ausgang mehr. „Auch das ist ein Augenblick, der ­allen unter die Haut geht.“ Die Schüler aber erhielten zum Abschied eine Tonschale mit Erde drin. „Gemeinsam drückten sie Blumensamen für Vergissmeinnicht in die Blumenerde.“ Eine zweifache Symbolik steht dahinter: Einmal fürs Erinnern, „dann aber auch dafür, dass wir weiterleben, wachsen und blühen dürfen.“

Nicht von ungefähr hat sich Daniela Schwarzmann-Spalt dieser Betreuung von Jugendlichen verschrieben. „Ich hab selber in meinem Leben schon Abschied nehmen müssen von ursprünglichen Lebensplänen.“ Ihre erste Ehe zerbrach, „aber wir haben eine gute Trennung vollzogen“. Ihre älteste Tochter erkrankte vor sechs Jahren schwer. „So schwer, dass wir uns darauf vorbereitet haben, Abschied zu nehmen.“ Immer wieder erfuhr sie hautnah, „dass man alleine da völlig überfordert ist“.

Denkt sie mitunter an ihren eigenen Tod? „Ja“, sagt die vierfache Mutter. Wichtig ist ihr dabei „zu spüren, dass der Tod dazugehört, und wie wichtig jeder einzelne Tag ist“. Daniela Schwarzmann-Spalt hat keine Angst vor dem Tod, wohl aber davor, dass ihr jemand eines Tages sagen könnte, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben hat.

Was täte sie dann? „Eigentlich“, sagt sie nach kurzem Bedenken, „würde ich nichts anders machen.“ Sie lebt ihr Leben „in ganz großer Dankbarkeit für das, was ich habe“. Und wenn sie versucht, über den eigenen Tod hinaus zu denken, dann „freu ich mich darauf, vereint zu sein mit allen Seelen, die mir nahe sind“.

Ich lebe mein Leben in großer Dankbarkeit für das, was ich habe.

Daniela Schwarzmann-Spalt

Zur Person

Daniela Schwarzmann-Spalt

leitet das Projekt „Vergiss mein nicht“ der Katholischen Kirche Vorarlberg. Es hilft jungen Menschen, mit Tod und Abschied umzugehen.

Geboren: 24. 9. 1070 in Graz

Ausbildung: Lehre als Bürokauffrau, Spielpädagogik an der Sozialakademie, systemische Naturtherapie, Berufsreifeprüfung

Laufbahn: 13 Jahre als Mama daheim, dann Kinderbetreuung in Hotels am Arlberg, seit 2004 bei der Jungen Kirche

Familie: verheiratet, vier Kinder

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