Exot unter den Skilehrern

Wetter / 01.01.2014 • 19:43 Uhr
Roland Haas an seiner Wirkungsstätte – dem Golmiland in Vandans.  Foto: VN/Paulitsch
Roland Haas an seiner Wirkungsstätte – dem Golmiland in Vandans. Foto: VN/Paulitsch

Roland Haas ist Skilehrer, freischaffender Künstler – und seit Kurzem Gymnasiallehrer. 

Vandans. (VN-stm) Seit 39 Jahren wedelt Roland Haas als Skilehrer über Vorarlbergs Pisten. Wenn er nicht gerade mehr oder weniger talentierten Schülern die richtigen Schwünge beibringt, sitzt der Schrunser in seinem Atelier und malt. Von experimenteller Aquarell- und Acrylmalerei bis zu Landart reicht sein Spektrum. Skilehrer und Künstler – keine alltägliche Kombination, gibt Haas verschmitzt zu: „Ich war immer ein Exot auf beiden Seiten.“

Pragmatischer Beginn

Als Skilehrer begonnen hat Haas schon mit 16 Jahren. Seine Gründe sind durchaus pragmatisch. „Damals waren die Wartezeiten bei den Liften extrem lang“, erinnert er sich. „Nur die Skilehrer durften immer vorgehen.“ Außerdem sei das Skifahren in seiner Jugend sehr teuer gewesen. Was ihn irgendwann vor die Entscheidung stellte: Aufhören – oder die Leidenschaft zum Beruf machen.

Vier Jahre später geht Haas für sein Studium der Malerei an die Akademie der Bildenden Künste nach Wien.  Beruf und Studium ergänzen sich perfekt. Außerdem findet Haas in Edelbert Köb einen Mentor, der selbst als Skilehrer tätig ist. „Er hatte immer vollstes Verständnis dafür, wenn ich berufsbedingt meine Arbeit nicht fertigbekommen habe.“ Nach seinem Studium arbeitet Haas viele Jahre in der Erwachsenenbildung, gibt unter anderem Aquarellmalkurse. Seit Kurzem unterrichtet er am Gymnasium Gallus in Bregenz Bildnerische Erziehung und Werken. Der Grund sei, dass die Bezahlung als Skilehrer schlicht nicht mehr ausreiche, seit die Umstellung vom Selbstständigen zum einfachen Arbeitnehmer vollzogen sei.    

Seine sportliche und seine künstlerisch-kreative Seite waren für Haas nie ein Widerspruch. So schaffte er es beispielsweise, seine Ausbildung zum Heliskiing-Guide in Neuseeland vor einigen Jahren mit einer Studienreise zu verbinden. Außerdem lerne man beim Skifahren immer wieder interessante Leute kennen, die sich auch für Kunst interessieren, erzählt der 55-Jährige. Nicht wenige seiner ehemaligen Skischüler haben eines seiner Kunstwerke an der Wand hängen.

Veränderungen mitgemacht

Nach fast 40 Jahren als Skilehrer hat Haas auch einige Veränderungen mitgemacht. Die Herausforderung sei heutzutage viel größer als noch vor einigen Jahren. Das liege zum einen an den „Massen von Skifahrern“ auf der Piste. Zum anderen daran, dass die Pisten immer besser präpariert seien, was viele dazu verleite, über ihre Verhältnisse zu fahren. „Wenn man dann mit einer Gruppe von Schülern unterwegs ist, ist es schon manchmal unangenehm.“

Dennoch überwiegen für ihn die Vorteile: „Der Beruf passt einfach in mein Konzept der Selbstständigkeit.“ Und lustige Geschichten erlebe man auch einige. Einmal, erzählt Haas, habe er mit einem Schüler volle zwei Stunden für einen relativ kurzen Streckenabschnitt benötigt. Immer wieder sei der Mann vor dem Aufgeben gestanden. Um ihn aufzumuntern, habe er zu einer Methode gegriffen, die er normalerweise nur bei Kindern anwende. In jeder Pause habe er den Unglücklichen mit einer Portion Gummibärchen versorgt. Bis die Strecke schließlich bewältigt war.

Der Beruf passt einfach in mein Konzept der Selbstständigkeit.

Roland Haas

Zur Person

Roland Haas

Skilehrer, Gymnasiallehrer und freischaffender Künstler

Geboren: 23. April 1958  

Ausbildung: Akademie der Bildenden Künste Wien, Staatliche Skilehrer- und Skiführerausbildung

Familie: 3 Töchter