„Ich bin angekommen“

Wetter / 23.11.2014 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vor acht Jahren hat Nadia Kabamba die Republik Kongo verlassen. Mittlerweile ist Vorarlberg zu ihrem zweiten Zuhause geworden.  Foto: sis  
Vor acht Jahren hat Nadia Kabamba die Republik Kongo verlassen. Mittlerweile ist Vorarlberg zu ihrem zweiten Zuhause geworden. Foto: sis  

Die gebürtige Afrikanerin Nadia Kabamba hat in Vorarlberg eine zweite Heimat gefunden.

rankweil. (VN-sis) An die erste Zeit in Vorarlberg kann sich Nadia Kabamba noch gut erinnern. Es war tiefster Winter, als sie vor acht Jahren aus der afrikanischen Republik Kongo nach Österreich kam. Schnee hatte sie vorher noch nie gesehen. Was damals jedoch einen besonders tiefen Eindruck hinterlassen hat, war die winterliche Kälte. „So etwas hatte ich noch nie erlebt. Ich dachte am Anfang, ich würde nie in der Lage sein, im Winter das Haus zu verlassen“, erzählt sie und lacht.

Eine neue Heimat

Der Krieg und die politischen Konflikte in der Republik Kongo zwangen Nadia Kabamba dazu, ihre Heimat zu verlassen. Allein und ohne jegliche Deutschkenntnisse kam sie schließlich nach Vorarlberg. „Es ist nicht einfach, in einem fremden Land zu leben, ohne Familie und Freunde. Ich hatte am Anfang sehr großes Heimweh“, erinnert sie sich.

Aufgeben kam für die lebenslustige Frau jedoch nicht in Frage. Mit dem festen Ziel vor Augen, den Hauptschulabschluss nachzuholen, absolvierte sie einen Deutschkurs. Der Schulabschluss gelang ihr vor ungefähr zwei Jahren. „Das war nicht einfach, aber ich habe es geschafft und darauf bin ich sehr stolz“, erklärt Kabamba mit einem Lächeln. Bald darauf begann sie eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau, die sie in wenigen Monaten beenden wird. Die Afrikanerin hat mittlerweile in Vorarlberg ihre zweite Heimat gefunden. „Ich bin angekommen. Ich habe zum Glück auch gute Freunde gefunden, die mir sehr geholfen haben“, sagt sie.

Musik und Schauspielerei

Wenn sich das Heimweh dennoch von Zeit zu Zeit meldet, findet Kabamba Trost in der Musik. In Afrika sang sie in einem Gospelchor. „Ich liebe Musik über alles, vor allem Gospel. Wenn ich traurig bin, höre ich Musik und singe, das hilft mir sehr“, erklärt sie. Große Freude bereitet ihr außerdem die Schauspielerei. Derzeit steht sie für das Musical „Trash me up before you go go“ auf der Bühne, das noch bis zum 29. November im Alten Hallenbad in Feldkirch zu sehen ist. Realisiert wurde das Projekt vom Walk-Tanztheater, das Laienschauspielern unterschiedlichster Herkunft die Möglichkeit bietet, sich aktiv an den Aufführungen zu beteiligen. Das aktuelle Stück ist bereits die vierte Produktion, in der Nadia Kabamba mitwirkt. „Mir gefällt einfach alles an der Schauspielerei. Ich singe und tanze gerne, und ich liebe es, vor Publikum auf der Bühne zu stehen. Außerdem haben wir eine tolle Gruppe“, erzählt die junge Frau.

„Nach vorne schauen“

Nicht nur an die Kälte hat sich Nadia Kabamba zwischenzeitlich gewöhnt. Auch an der regionalen Küche hat sie mittlerweile Gefallen gefunden. Neben traditionellen Gerichten aus ihrer Heimat bereitet sie heute auch Vorarlberger Käsknöpfle zu. „Als ich zum ersten Mal Käsknöpfle gegessen habe, haben sie mir ehrlich gesagt überhaupt nicht geschmeckt“, verrät sie und lacht. „Jetzt liebe ich sie.“ Auch mit dem Dialekt hat sie keinerlei Probleme und streut zwischendurch sogar selbst ein paar typische Ausdrücke ein.

Obwohl es für Kabamba, vor allem zu Beginn, in Vorarlberg nicht immer einfach war, hat sie ihre positive Sichtweise und insbesondere ihr ansteckendes Lachen nie verloren. „Ich habe mir immer gesagt, dass ich versuchen muss, das Beste aus der Situation zu machen“, erklärt sie. „Um eine Zukunft zu haben, muss man nach vorne schauen, die Vergangenheit muss man hingegen zu vergessen versuchen.“

Man muss versuchen, immer nach vorne zu schauen.

Nadia Kabamba

Zur Person

Nadia Kabamba

Geburtsland: Demokratische Republik Kongo

Wohnort: Rankweil

Ausbildung: Einzelhandelskauffrau

Sprachen: Französisch, Englisch, Deutsch, Lingala, Kikongo

Hobbys: Singen, Schauspielerei