„Jagd ist ein Kulturgut“

Wetter / 21.06.2015 • 18:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Reinhard Metzler: „Die Jagd ist für mich keine dem Trophäenkult dienende Nutztierhaltung.“  Foto: MediaStudio
Reinhard Metzler: „Die Jagd ist für mich keine dem Trophäenkult dienende Nutztierhaltung.“ Foto: MediaStudio

Frischer Wind für Wald und Wild: Neuer Landesjägermeister will für die Natur kämpfen.

Rankweil. (VN-mec) Reviergrenzen in den Köpfen abbauen, dafür Brücken bauen durch Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit mit Handschlagqualität: Das sind nur einige Ziele von Reinhard Metzler, der am Wochenende zum neuen Landesjägermeister gewählt wurde.

Er übernimmt kein leichtes Amt: Diskussionen um hohe Abschusszahlen aufgrund TBC und nicht zuletzt die Vorfälle in Sibratsgfäll, wo trächtige Rehgeißen in der Schonzeit erlegt wurden, brachten die Jägerschaft in Aufruhr und ihr Image in eine Schieflage. Dabei wünscht sich Reinhard Metzler ein selbstbewussteres Auftreten der Jägerschaft, denn: „Wir tun mit Leidenschaft und unserer Zeit wertvolle Dinge, die dem Land Millionen ersparen.“

Lebensraum erhalten

Der bisherige Bezirksjägermeister von Feldkirch setzt sich mit ganzer Leidenschaft für den Erhalt eines natürlichen Lebensraums ein. Im Umfeld einer Landwirtschaft aufgewachsen, beobachtete er von Klein auf Pflanzen und Tiere mit größtem Interesse. Die Natur hat ihn nie losgelassen. Zuerst entdeckte er das Fischen für sich, dann, als 28-Jähriger, die Jagd. Erst 1991 konnte er sich ein eigenes Revier leisten: „90.000 Schilling hat es damals im Jahr gekostet.“

Viel Praxis habe er erworben und erfahren, „dass man in der Jagd nie auslernt“, Heute, nach 23 Jahren Jagderfahrung, liegt ihm die Pflege und Erhaltung von Wildlebensräumen mehr denn je am Herzen, denn „Jagd hat nicht nur mit Töten zu tun, sondern auch mit Naturschutz“. Im Spannungsfeld zwischen Forst, Politik und Behörde will er auf Augenhöhe verhandeln, ohne sich als willfährigen Erfüllungsgehilfen einspannen zu lassen. Und: „Wildtiere sind keine Nutztiere, die durch übermäßige Fütterungen vor die Gewehre zeitlich gestresster Gelegenheitsjäger gelockt werden dürfen. Das Wild als Schädling zu sehen, ist eine Katastrophe.“

Das ganze Jahr Tag und Nacht mit Kameras und Schusszeitverlängerungen den Druck auf das Wild ins Unermessliche zu steigern, sei der falsche Weg. „Diese ,Regulierungen‘ haben schon fast den Tatbestand der Massenabschlachtens erfüllt“, kritisiert er. „Wenn es einen Schädling gibt, dann den Menschen.“

Die Jäger seien aufgrund von Anforderungen der Politik, Behörde, Forstwirtschaft, Wildbach- und Lawinenverbauung und Grundbesitzer an ihrer Schmerzgrenze angelangt.

Fehlentwicklungen korrigieren

Trotzdem will der neue Landesjägermeister nicht verallgemeinern, sieht auch hausgemachte Fehlentwicklungen in der Vergangenheit, die es zu korrigieren gilt. Von seinen 2200 Mitgliedern wünscht Reinhard Metzler sich starke Einigkeit, in der engstirniges Revierdenken keinen Platz hat. Für Jäger und „Naturnutzer“ möchte er Ansprechpartner sein und bittet: „Sagen Sie mir, was ich falsch mache. Ich halte das aus.“

Wenn es einen Schädling gibt, dann den Menschen.

Reinhard Metzler

Zur Person

Reinhard Metzler

Beruf: Unternehmer, Metzler Gmbh & Co KG

Jahrgang: 1960

Hobbys: Jagd, Obmann der Funkenzunft Brederis, Initiator „Lebensraum Vorarlberg“

Infos: www.vjagd.at, www.lebensraum-vorarlberg.at