Hürdenlauf im Parlament

Wetter / 29.09.2015 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gamon war 2011 und 2013 Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen bei der ÖH-Wahl. Bald wird sie als Nationalratsabgeordnete angelobt.  Neos
Gamon war 2011 und 2013 Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen bei der ÖH-Wahl. Bald wird sie als Nationalratsabgeordnete angelobt.  Neos

Gamon wird in zwei Wochen Nationalrätin: Als 26-Jährige muss sie sich erst beweisen.

Wien. (VN-ebi) Claudia Gamon möchte im Nationalrat etwas bewegen, Ideen einbringen und Verbesserungen für Land und Leute erzielen. Das sei das Reizvolle an der Politik, wie auch „der Adrenalinschub in den Wahlkämpfen“.

In zwei Wochen wird die Nenzingerin als neue Neos-Mandatarin im Nationalrat angelobt. Sie übernimmt den Platz der Wiener Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger (37). Dass sie mit ihren 26 Jahren als neuer Sebastian Kurz (29, ÖVP) oder Julian Schmid (26, Grüne) der Neos gehandelt wird, widerstrebt ihr: „Ich will mir durch meine eigene Person einen Namen machen.“

Stimmen für Studiengebühren

Direkt nach der Matura am Gymnasium in Bludenz zog es die Vorarlbergerin nach Wien. Dort studierte sie ab 2007 Internationale Betriebswirtschaftslehre. Ab 2009 arbeitete sie in der Gründungsphase der „Jungen Liberalen“ (JuLis) mit. Bei den Wahlen 2011 und 2013 schafften es die JuLis mit der Nenzingerin als Spitzenkandidaten wieder in die Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerschaft. Der Grund: „Wir machen vernunftbasierte Politik“, ist sie überzeugt. Dass dieser Weg Erfolge bringen könne, habe ihre vermeintlich unpopuläre Forderung nach Studiengebühren bewiesen. Die Wähler entscheiden sich nicht immer für die Politik, „die ihnen selbst nur kurzfristig etwas bringt“, erklärt Gamon. Man müsse sich nur die Mühe machen, langfristig notwendige Gesamtentwicklungen gut zu erklären.

Seit sechs Jahren ist Gamon nun in der Politik aktiv, hat ihren Master an der Wirtschaftsuniversität Wien zu Internationalem Management abgeschlossen und neben mehreren Praktika auch kurzzeitig beim ÖAMTC gearbeitet. Jetzt möchte sie sich wieder voll und ganz auf ihr politisches Engagement konzentrieren. Schließlich sei es für junge Berufseinsteiger schwierig, eine Teilzeitstelle zu finden, die zudem noch so flexibel ist, dass man der Politik genügend Aufmerksamkeit widmen könnte, sagt die Nenzingerin.

Im Nationalrat müsse sie sich mit ihren 26 Jahren erst etablieren: „Man muss sich mehr durchsetzen und auch beweisen, wenn man jung ist. Auf diesen Hürdenlauf lasse ich mich gerne ein.“ Schließlich sei es wichtig, dass die repräsentative Demokratie repräsentativer werde und sich mehr junge Menschen im Nationalrat, Landtag oder in der Gemeindevertretung für junge Themen einsetzen. „Da geht es um den Schuldenabbau, um die Pensionsreform oder um die fehlende Prioritätensetzung in der Bildungspolitik. Das ist wahrlich Bohren in harten Brettern“, sagt Gamon.

Auch weiblicher müsse die Politik werden. Derzeit gebe es nur wenige Vorbilder, an die sich junge politikinteressierte Mädchen halten könnten. „Wenn wir uns engagieren, wird es besser werden“, glaubt die Vorarlbergerin.

Mir gefällt der Adrenalinschub in den Wahlkämpfen.

Claudia Gamon

Zur Person

Claudia Gamon

wird in zwei Wochen als Neos-Mandatarin im Nationalrat angelobt.

Geboren: 23. 12. 1988, Feldkirch

Ausbildung: Matura am Gymnasium Bludenz, Studium an der WU Wien

Politische Laufbahn: seit 2011 Mandatarin in der ÖH-Bundesvertretung