Brasilien auf der Alpe

Wetter / 05.10.2015 • 19:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Werner Dobler (l.) und Hermann Wachter nahmen die Urkunden für Elizane Wohlfahrt entgegen. Foto: Zver
Werner Dobler (l.) und Hermann Wachter nahmen die Urkunden für Elizane Wohlfahrt entgegen. Foto: Zver

Alpmeister Werner Dobler dirigiert auf der Alpe Tilisuna ein Team aus Brasilien.

Schruns. (VN-kum) Am vergangenen Wochenende fand der Markt- und Buratag in Schruns statt. Bei diesem traditionellen Markt bieten zahlreiche Alpen ihre Produkte zum Verkauf an. Zusammen mit der Viehausstellung und Sura-Kees-Prämierung ist er ein Highlight für die Region. Die Gewinner der Sura-Kees-Prämierung wurden auf dem Kirchplatz bekannt gegeben. In der Bewertung wurde an diesem Tag bei der traditionellen Produktion die Alpe Garnera mit dem Sennerpaar Christian und Veronika Kartnig als Sieger gekürt, während bei der neuen Produktion die Alpe Tilisuna mit Elizane Wohlfahrt-Bentz den Titel „Senner des Jahres“ mit nach Hause nehmen durfte.

Die Alpe Tilisuna in Tschagguns ist seit acht Jahren in südamerikanischer Hand. Alpmeister Werner Dobler aus Bartholomäberg dirigiert das fünfköpfige Team aus Südamerika. Die siegreiche Sennerin Elizane kommt aus Paraguay, ihr Mann Jauri, der auf der Alpe der Chef ist, aus Brasilien. Fernando, der Sohn des Ehepaares, arbeitet ebenfalls auf der Alpe. Unterstützt wird die Familie von zwei Gehilfen aus Brasilien.

Alpe mit mehr als 80 Kühen

Jauri Wohlfahrt kam erstmals vor 15 Jahren nach Vorarlberg. Er absolvierte mehrere Sennkurse und arbeitete dann als Senn auf verschiedenen Alpen im Großen Walsertal. 2006 wurde Alpmeister Dobler auf ihn aufmerksam. „Ich habe einen Senn gesucht, weil unserer gestorben war.“ Ab 2007 verarbeitete der Brasilianer auf der Alpe Tilisuna die Milch zu Butter und Käse. Er brachte seiner Frau das Handwerk so gut bei, dass sie jetzt in Schruns zur Sennerin des Jahres gekürt wurde. Dobler und der Obmann der Alpe Tilisuna, Hermann Wachter, nahmen die Urkunde für sie entgegen. Denn Elizane und ihre Familie sind bereits im September nach Paraguay abgereist. 

Laut Dobler wurden über den Sommer auf „seiner“ Alpe – mit mehr als 80 Kühen – 90.000 Liter Milch gemolken. „Daraus hat unser Team 4200 Stück Sura Kees, 800 Kilo Schnittkäse und 3000 Kilo Butter hergestellt.“ Aber auch Doblers Part ist nicht unwichtig. „Ich muss schauen, dass das Produkt in Ordnung ist und es an den Mann bringen.“ Das sei nicht schwer, wenn die Qualität passe. Deshalb freut es ihn, dass gerade sein Sura Kees als der beste ausgezeichnet wurde. Das Naturprodukt erfreut sich bei den Konsumenten zunehmender Beliebtheit. „Die steigende Nachfrage im Land ermöglicht es uns, die Alpe wirtschaftlich zu betreiben“, ist der Alpmeister froh über den Aufschwung, den Sura Kees seit einigen Jahren erlebt.

Dobler ist seit 1987 Alpmeister auf der Alpe Tilisuna. Seither hat sich viel zum Positiven verändert. „Die Hygiene vor Ort verbesserte sich. Wir haben heute bessere Stallungen und saubere Milchräume. Dadurch wurde auch die Qualität der Produkte besser.“ Der Alpmeister schaut viermal in der Woche nach dem Rechten. Er ist ja auch dafür verantwortlich, dass der Alpbetrieb funktioniert. Diesen Aufgaben kommt er nun schon seit fast 30 Jahren nach. Ihn treibt, so sagt er, die Liebe zur Alpe an. Sie wurde in seiner Kindheit geweckt. Sein Ehni, ein Hirte, erzählte ihm Geschichten von der Alpe. Das faszinierte Dobler so sehr, dass er später Alpmeister wurde. 

Die Hygiene vor Ort hat sich mit den Jahren verbessert.

Werner Dobler

Zur Person

Werner Dobler

ist seit 1987 Alpmeister der Alpe Tilisuna. Er führt ein fünfköpfiges Team aus Südamerika. 

Geboren: 7. März 1954 in Schruns

Wohnort: Bartholomäberg

Familie: verheiratet, drei Kinder

Hobbys: Politik, Landwirtschaft