Trauernden Trost spenden

01.11.2015 • 17:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Um Trost zu spenden, stattet Stefanie Waibel trauernden Menschen in der Pfarre Schoren einen Besuch ab. Foto: VN/Hofmeister
Um Trost zu spenden, stattet Stefanie Waibel trauernden Menschen in der Pfarre Schoren einen Besuch ab. Foto: VN/Hofmeister

Stefanie Waibel hilft Menschen, mit dem Verlust eines Angehörigen fertigzuwerden. 

Dornbirn. (VN-kum) Seit 15 Jahren gehört Stefanie Waibel der neunköpfigen Gruppe „Trost und Trauer“ an. Die Gemeinschaft wurde von ihrem Mann Reinhard ins Leben gerufen. Er war Diakon in der Pfarre Schoren in Dornbirn. „Mein Mann hatte nicht die Zeit, um den Angehörigen der Verstorbenen nach dem Begräbnis einen Besuch abzustatten. Er fand aber, dass das notwendig wäre. Also sah er sich nach Menschen um, die gewillt waren, solche Trauerbesuche zu machen“, berichtet Stefanie von den Anfängen.

Die Dornbirnerin hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine Kranken- und Sterbebegleitung-Ausbildung absolviert, weil ihre Schwiegereltern immer mehr Pflege benötigten. Mit dieser Ausbildung fühlte sie sich auch gewappnet, um Menschen Trost zu spenden, die einen Verlust erlitten haben. Stefanie wurde Trauerbegleiterin aus Nächstenliebe. „Ich bin nicht der Engel für alle. Aber mich treibt die Sorge um andere Menschen an.“

Schöne Gespräche

Pro Monat macht die 68-Jährige ein bis zwei Besuche. Sie bringt eine Kerze und eine Karte mit einem Trauerspruch mit. „Aber es ist nicht immer so, dass ich aufgenommen werde. Manche wollen das nicht.“ Der Großteil jedoch bittet sie herein, um die 70 Prozent. „Dann kommt es oft zu sehr schönen und vertraulichen Gesprächen, in denen meistens der Verstorbene im Mittelpunkt steht.“ Wichtig seien aktives Zuhören und Einfühlungsvermögen. „Mehr braucht es von unserer Seite gar nicht. Denn vielen hilft es schon, wenn sie erzählen können. Dass sie gehört werden, das ist der Trost.“ Ein Treffen ist ihr noch in besonderer Erinnerung, weil es sie noch lange danach beschäftigt hat. „Eine 80-jährige Frau schüttete mir ihr Herz aus. Sie klagte, dass sie so allein wäre. Alle Freunde seien bereits gestorben und jetzt sei auch noch ihr Mann gegangen.“ Das gab Stefanie zu denken. „Mir wurde bewusst, wie schwer es ist, wenn man im Alter ganz allein dasteht.“

Besuche haben einen Sinn

Aber der Umgang mit trauernden Menschen belastet die Dornbirnerin nicht, im Gegenteil. „Es ist eine schöne Arbeit, denn es kommt viel zurück. Wenn man mir nach dem Gespräch dankt und sagt, wie gut es getan hat, dann weiß ich: Meine Besuche haben einen Sinn.“ Diese bezwecken laut Stefanie nur eines: Trost zu spenden. „Wir kommen nicht, um zu missionieren oder zu bekehren“, stellt die ausgebildete Trauerbegleiterin klar, „wir kommen nur, um die Trauer der Hinterbliebenen zu lindern.“ Stefanie hat festgestellt, dass die meisten Trauernden irgendeine Art von Glauben haben. „Ich höre nie: Jetzt ist mit dem Verstorbenen alles aus. Die meisten denken, dass es ihm nun besser geht.“ Sie selbst ist gläubige Katholikin. „Ich habe den Glauben quasi mit der Muttermilch aufgesogen“, erzählt sie, „meine Eltern waren  tiefgläubige Christen.“

Lebensbedrohlich erkrankt

Der Glaube und Leitsätze wie „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“ trugen die gebürtige Steirerin durch schwere Zeiten und nahmen ihr die Angst. Sie halfen ihr in einer beruflichen Krise und in der Zeit, als sie schwer krank war. „Ich bin zwei Mal lebensbedrohlich erkrankt. Mir ging es so schlecht, dass ich mich mit dem Tod schon abgefunden hatte.“ Dem Tod steht die ehrenamtliche Pfarreimitarbeiterin positiv gegenüber. „Ich habe keine Angst vor ihm. Zumal ich glaube, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.“

Oft kommt es zu sehr schönen und vertraulichen Gesprächen.

Stefanie Waibel

Zur Person

Stefanie Waibel

engagiert sich seit 15 Jahren für trauernde Menschen in der Pfarre Schoren.  

Geboren: 24. Dezember 1946 in Zerlach (Steiermark)

Ausbildung: kaufmännische Lehre

Familie: verheiratet, drei Kinder

Hobbys: Handarbeiten