Vom Diener zum Regisseur

05.11.2015 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dietmar Schlatter hat das Schrunser „treff.theater“ vor zehn Jahren mitgegründet. Foto: VN
Dietmar Schlatter hat das Schrunser „treff.theater“ vor zehn Jahren mitgegründet. Foto: VN

Schrunser „treff.theater“ spielt zum zehnten Jubiläum den „Besuch der alten Dame“.

Schruns. (VN-sas) Seine Leidenschaft fürs Theater hat er während seiner Pädak-Zeit entdeckt, erzählt Dietmar Schlatter: „Ein Kollege hat mich rein zufällig gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in einem Stück in Liechtenstein als Kammerdiener mitzuwirken.“ Hatte er; der bis dorthin vollkommen unerfahrene Neo-Schauspieler sagte sofort zu und leckte Blut. „Mir hat alles auf Anhieb gefallen, auch das ganze Drumherum mit Licht, Inszenierung und Musik hat mich sofort fasziniert“, fasst er seine Leidenschaft in Worte.

Liebe zum Drumherum

Seine Liebe zum Theater, insbesondere zum erwähnten Drumherum, hat ihn bis heute nicht losgelassen. Ein Leben ohne Theater scheint für den 52-Jährigen mittlerweile unvorstellbar: Sowohl privater als auch beruflicher Natur hat ihn das Regisseur-Fieber gepackt.

Vor zehn Jahren hat der Oberländer gemeinsam mit Isolde Pfefferkorn das Schrunser „treff.theater“ gegründet. Am heutigen Freitag geht die Premiere des Jubliäumsstücks über die Bühne. Auserkoren hat der Pädagoge dafür Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. Neben seiner Faszination für das Stück hatte die Auswahl aber auch rein logistische Gründe: „Es musste ein Stück sein, bei dem 30 Schauspieler mitwirken können“, fügt er hinzu.

„Schräges Stück“

Eine gelungene Aufführung sei von zwei wichtigen Dingen abhängig: „Das sind die Schauspieler und ein gutes Stück“, steht für ihn fest. Dass es auch diesmal an keiner der eben genannten Komponenten mangelt, steht für den Montafoner außer Frage. Seinen „treff.theater“-Kollegen kann er nämlich nur Rosen streuen: „Wir sind eine offene und einheitliche Gruppe, die irrsinnig zusammenarbeitet. Viele Ideen, die wir umsetzen, kommen von unseren Mitgliedern“, findet er für die Zusammenarbeit nur gute Worte. Und das Stück? „,Der Besuch der alten Dame‘ ist ein schräges, absurdes Stück mit sehr viel Humor, den man jedoch sehr oft übersieht“, findet Schlatter.

„Ich war der Meinung, dass da mehr Platz für Humor ist, ohne aber eine Clownerie daraus zu machen“, betont er. Wichtig ist für den 52-Jährigen, „den Autor zu verstehen, sich aber auch von ihm lösen zu können. Man sollte den Mut haben, Dinge so darzustellen, wie wir es für richtig halten, und so das Stück zu unserem zu machen.“

800 Besucher werden an den sechs Vorstellungsabenden insgesamt erwartet. Anschließend wird sich Schlatter eine kurze Verschnaufpause vom „treff.theater“ gönnen. „Die Suche nach dem nächsten Stück startet dann wieder um die Weihnachtszeit“, erklärt er.

Eine theaterfreie Zeit wird er trotzdem nicht haben, zumal der Mittelschullehrer auch die Theatergruppe der MS Bludenz leitet. Zwei Stücke werden dort pro Schuljahr aufgeführt. Für das Freifach, das aktuell von elf Schülern besucht wird, sieht er viele Vorteile: „Die Schüler können nicht nur ihre kreative Ader ausleben, sondern müssen auch Texte und Disziplin lernen. Sie entwickeln ein Gefühl für Rhythmus und lernen, laut und deutlich zu sprechen.“ Theater fördere ganz ungemein. „Nicht zuletzt haben wir auch wahnsinnigen Spaß“, betont der Pädagoge.

Eben dieser, der Spaß, soll auch heute Abend bei der Premiere nicht zu kurz kommen. Der Regisseur und sein Team fiebern der Veranstaltung jedenfalls entgegen.

Ich war der Meinung, dass da mehr Platz für Humor ist.

Dietmar Schlatter

Zur Person

Dietmar Schlatter

ist Regisseur des „treff.theaters“ in Schruns.

Geboren: 24. Juli 1963

Beruf: Mittelschullehrer an der MS Bludenz (Deutsch und Zeichnen)

Wohnort: St. Anton im Montafon

Interessen: Theater, Skifahren, Zeichnen, Lesen

Die Premiere geht heute,
Freitag, ab 20 Uhr in der
Kulturbühne Schruns über die Bühne.
Infos: www.treffpunkt-theater.at;
Karten: Sparkasse oder Abendkasse