Eine Frau, zwei Welten

09.11.2015 • 17:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Künstlerin Magdalena Themel aus Gargellen bemalt Schatullen mit den verschiedensten Motiven.   Foto: Bernd Hofmeister
Künstlerin Magdalena Themel aus Gargellen bemalt Schatullen mit den verschiedensten Motiven.   Foto: Bernd Hofmeister

Magdalena Themel ist seit 43 Jahren Skilehrerin. Doch nach der Skisaison wird sie zur Künstlerin.

Gargellen. (VN-kum) Magdalena Themel wuchs im Gebirge auf, auf 1600 Metern Seehöhe. Ihr Vater betrieb in Gargellen eine Skischule und ein Hotel. Der Vater brachte sie zum Skifahren, die Mutter zum Malen. „Ich war sieben Jahre alt. Da hat mir meine Mutter zu Weihnachten einen Malkasten geschenkt. Mit den Ölfarben habe ich Schränke und Bretter angemalt“, erinnert sich Magdalena. Auch die Nachbarin, eine Hobbymalerin, spornte das Kind zum Malen an. „Ich habe ihr oft über die Schulter geschaut.“ Als Volksschülerin zeichnete Magdalena mit Vorliebe Frauen in modischer Kleidung. Die Lehrer erkannten ihr Talent. „In Zeichnen hatte ich immer eine Eins.“ Mit 16 bewarb sich die junge Gargellnerin an der Kunstgewerbeschule in München. Ihre Arbeiten überzeugten. „Aus Österreich wurden drei Bewerber aufgenommen, ich war einer davon.“ Doch mit dem Schulbesuch wurde es nichts. „Mein Vater konnte es sich nicht leisten.“

Das Leben ließ sie nicht malen

Die Hotelierstochter ging ins Ausland, um Sprachen zu lernen. „In Paris habe ich auf der Straße gemalt, um mich durchzubringen.“ Nach einem mehrjährigen Sprachaufenthalt kehrte sie heim und wurde Skilehrerin. Mit 25 gründete sie eine Familie. Sohn Eric kam auf die Welt. Zu dieser Zeit stand die Kunst hintenan. „Das Leben ließ mich nicht malen. Ich war Mutter und musste arbeiten.“ Aber sie hätte nichts lieber getan. „Im Bett habe ich die Bilder fertig vor mir gesehen. Ich wäre am liebsten um drei Uhr aufgestanden und hätte gemalt. Aber dafür brauchst du Tageslicht.“ Als Skilehrerin zeichnete sie mit den Skischülern in der Mittagspause. „Den Kindern gefiel das so gut, dass sie am liebsten nur noch gezeichnet hätten“, erzählt sie schmunzelnd.

Aber irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem die Gargellnerin ihren künstlerischen Neigungen zumindest im Sommer richtig nachgehen konnte. In der Bauernmalerei fand sie eine Ausdrucksmöglichkeit für ihre Kreativität. „Ich bin mit dem Malkasten herumgefahren und habe Schränke und Truhen bemalt.“ Jahre später entdeckte sie die Aquarellmalerei für sich. „Aber ich musste viel üben, bis ich diese Technik beherrschte.“ Magdalena, die sich ihre Fertigkeiten immer in Eigenregie angeeignet hat, blieb als Künstlerin nicht stehen. Schritt für Schritt erweiterte sie die Bandbreite ihrer Kunst. So setzte sie zum Beispiel die Idee um, aus Zeitungspapier Bilder zu machen. „Die Serie mit den Kühen ist so entstanden.“ Auch Steine und altes Holz regten bei Waldspaziergängen ihre Kreativität an. Aus Ästen und Wurzeln entstanden unter ihren Händen Tiere, Engel und Krippen, aus Steinen Menschen und Gesichter. Auch mit der Collagetechnik schuf sie schon Kunstwerke. Gefragt sind zudem ihre Schatullen, die sie mit verschiedensten Motiven bemalt. Durch das internationale Publikum im Montafon sind ihre Arbeiten heute in ganz Europa zu finden.

Magdalena würde sich am liebsten das ganze Jahr über der Kunst widmen, weil sie aus ihr viel Freude zieht. „Aber das wäre nicht gut für mich. Denn dann würde ich zur Einzelgängerin werden.“ Im Winter, wenn sie Skiunterricht gibt, lernt sie, wie sie sagt, wieder in Gesellschaft zu leben. „Ich unterrichte immer noch gerne. Der Umgang mit Menschen gefällt mir.“ Nach der Skisaison aber zieht sie sich zurück. „Da muss ich zur Ruhe kommen.“ Erst gegen den Sommer hin erwacht ihre Kreativität wieder. Dann sitzt sie unzählige Stunden im Atelier und gibt sich ganz der Kunst hin.

Am liebsten würde ich mich ganzjährig der Kunst widmen.

Magdalena Themel

Zur Person

Magdalena Themel

lebt in zwei Welten. Im Winter ist sie Skilehrerin, im Sommer Künstlerin.

Geboren: 1. Juni 1951 in Schruns

Ausbildung: Landesskilehrerin, Gastronomiefachkraft

Familie: verheiratet, ein Sohn

Hobbys: Kunst, Skifahren, Wald