Erschaffen einer Sprache

Wetter / 25.07.2016 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Höchster Literaturwissenschaftler Bernhard Fetz ist Leiter des Esperanto-Museums in Wien.  Foto: Fetz
Der Höchster Literaturwissenschaftler Bernhard Fetz ist Leiter des Esperanto-Museums in Wien. Foto: Fetz

Literaturwissenschaftler Bernhard Fetz leitet das Esperanto-Museum der österreichischen Nationalbibliothek.

Wien. (VN-tam) Um Germanistik, Publizistik und Spanisch zu studieren ist der gebürtige Höchster seinerzeit nach Wien gezogen. Heute lebt er noch immer dort und leitet neben dem Literaturarchiv und Literaturmuseum auch das Esperanto-Museum und in der österreichischen Nationalbibliothek die weltweit größte Sammlung für Plansprachen. „Die Idee, universelles Denken durch eine universelle Sprache zu vermitteln, fand ich schon immer spannend“, erzählt der 53-Jährige.

Esperanto ist eine von vielen Plansprachen. Sie wurde im 19. Jahrhundert von einem polnischen Augenarzt, Ludwig Zamenhof, mit dem Ziel entwickelt, eine neutrale Weltsprache zu erschaffen. Bis heute entwickelt sie sich ständig weiter und hat weltweit ihre Sprecher. „Faszinierend ist auch der kulturhistorische Aspekt. Die Vorstellung war damals die, dass es keinen Krieg mehr geben würde, wenn sich die Menschen untereinander nur verstehen würden.“

Die ersten Plansprachen sind bereits im 17. Jahrhundert entstanden. Seit dieser Zeit sind immer mehr dazugekommen. „Manche mit einem ganz speziellen Zweck. Da gibt es zum Beispiel ,Romanal‘. Diese wurde während des Ersten Weltkriegs unter den Verbündeten entwickelt, damit sich die Offiziere verständigen konnten. Andere Sprachen wie ,Stark Deutsch‘, eine Mischung aus Witz und Lyrik, sollen einfach nur zeigen, was man aus Sprache alles machen kann.“

Esperanto-Sprecher heute

Die Zahl der Sprecher von Esperanto nehme seit ein paar Jahren wieder leicht zu, erzählt Bernhard Fetz weiter. Einen Grund dafür sieht er ganz klar in der Verbreitung via Internet. Auf diversen Plattformen kann Esperanto nämlich im Selbststudium erlernt werden. Auch auf der Internet-Seite Wikipedia sind mehr als 100.000 Artikel auf Esperanto zu finden.

Bernhard Fetz selbst spricht neben Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch selbst die Plansprache Esperanto. Allerdings nicht fließend, wie er zugibt. Darum nehme er gerne an Crash-Kursen teil, die Teil des Veranstaltungsangebots des Museums sind. Aber auch Klingonisch, aus der Fernsehserie Star Trek findet er hochinteressant. „Es gibt einen Unterschied zwischen Plansprachen, die auf bereits existierenden Sprachen basieren, und solchen, die frei konstruiert werden. Eine von diesen ist eben Llingonisch.“

Diese Woche findet in Nitra, in der Slowakei, der 101. Esperanto-Weltkongress statt. Auch das Wiener Esperanto-Museum ist dort vertreten. Allerdings kann er nicht selbst vor Ort sein, aber ein fließend Esperanto sprechender Mitarbeiter wird ihn vertreten, erzählt Bernhard Fetz. Jährlich treffen sich dort Tausende von Esperanto-Sprechern aus aller Welt, um sich auszutauschen. Eine Sprachbarriere gibt es schließlich nicht.

Die Idee hinter einer Plansprache ist faszinierend.

Bernhard Fetz

Zur Person

Bernhard Fetz

Literaturwissenschaftler, Dozent an der Universität Wien und Leiter mehrerer Abteilungen der österreichischen Nationalbibliothek

Geboren: 7. Juni 1963 in Höchst

Familie: in einer Beziehung, drei Kinder