Ein Urgestein der Pflege

16.08.2016 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit 27 Jahren war Erich Gantner der jüngste Pflegedirektor. Den Schritt dorthin hat er trotz vorheriger Bedenken nie bereut.  Foto: KHBG
Mit 27 Jahren war Erich Gantner der jüngste Pflegedirektor. Den Schritt dorthin hat er trotz vorheriger Bedenken nie bereut. Foto: KHBG

Erich Gantner ist seit 30 Jahren Pflegedirektor im Landeskrankenhaus Bludenz.

bludenz. (VN-mm) Die Bewerbung fiel eher halbherzig aus. Erst am letzten Tag der Einreichfrist gab er sie ab. Der Kontakt zu den Patienten, so fürchtete Erich Gantner weiland, würde ihm fehlen. Doch es kam anders. Der Dalaaser, bis dahin leitender Anästhesiepfleger im damaligen Stadtkrankenhaus Bludenz, wuchs mit den Herausforderungen, die ihm der Job als Pflegedirektor bescherte. Mittlerweile sind 30 Jahre ins Land gezogen, und Gantner ist noch immer auf seinem Posten. Das ist nicht nur für Vorarlberg, sondern bundesweit eine Besonderheit. In den 25 Jahren, die er auch der Vereinigung österreichischer Pflegedirektoren angehört, sah Erich Gantner viele Kollegen kommen und gehen. Nur ihn gibt es bis heute in diesem Verband. Und bis heute empfindet der Berufsjubilar jeden Arbeitstag im Landeskrankenhaus Bludenz als extrem spannend.

Schneller Aufstieg

Eigentlich wollte der naturverbundene Klostertaler Rettungssanitäter werden. „Aber irgendwie ist der Berufsberater nicht darauf eingegangen“, erzählt Erich Gantner. Stattdessen tätigte er einen Anruf in der Krankenpflegeschule. Für die war Gantner jedoch noch zu jung. Deshalb machte er die Handelsschule fertig und ließ sich anschließend in Innsbruck zum Krankenpfleger ausbilden. Nach einem beruflichen Aufenthalt in Reutte in Tirol zog es ihn 1983 zurück in die Heimat, wo im städtischen Krankenhaus gerade eine Pflegestelle in der Anästhesie frei geworden war. Drei Jahre und zahlreiche Weiterbildungen später stand der Posten des Pflegedirektors zur Neubesetzung an. „Die Kreuzschwestern, die das Spital damals leiteten, wurden ins Mutterhaus abgezogen“, berichtet Gantner. Zwar lagen neun Bewerbungen vor, doch die Mutter Oberin wollte einfach jemanden aus dem Haus. Wen sie sich denn da vorstelle, fragte der damals 27-Jährige. „Sie“, fiel die Antwort kurz und bündig aus. Schließlich segnete auch der Stadtrat seine Bewerbung ab. Obwohl ein solcher Job bis dahin kein Thema für Erich Gantner war, hat er es keinen Tag bereut, ihn angenommen zu haben.

Keine Personalsorgen

Als er anfing, blieb zum Nachdenken ohnehin kaum Zeit, musste doch die Abteilung nach dem Auszug der geistlichen Schwestern neu aufgebaut und strukturiert werden. „Ich konnte aber immer auf Unterstützung zählen“, freut sich Gantner über die insgesamt gute Entwicklung, die das Krankenhaus im Oberland genommen hat. Er fühlt sich tief verbunden mit dem Haus und mit seinen rund 200 Mitarbeitern. Der Großvater, der mit hörbarem Stolz seine drei Enkel erwähnt, kennt auch keine Personalsorgen. Im Gegenteil. Erstmals konnten nicht alle Bewerber aufgenommen werden. „Die zusätzlichen Ausbildungskapazitäten greifen“, ist Erich Gantner für die fünf bis sieben Jahre, die er noch vor sich hat, daher ebenfalls nicht bange.

Die Mutter Oberin wollte einfach jemanden aus dem Haus.

Erich Gantner

Zur Person

Erich Gantner

Geboren: 2. April 1959 in Dalaas

Wohnort: Bludenz

Familie: verheiratet, 2 Kinder, 3 Enkel

Beruf: Pflegedirektor im Landeskrankenhaus Bludenz

Hobbys: Mountainbiken, Bergsteigen, die Natur