Luschnou und Bill Clinton

Wetter / 08.01.2017 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rudi König mit zwei seiner Werke: dem Buch über die Lustenauer Originale und dem Alt-Lustenau-Kalender. Foto: VN/Paulitsch
Rudi König mit zwei seiner Werke: dem Buch über die Lustenauer Originale und dem Alt-Lustenau-Kalender. Foto: VN/Paulitsch

Rudi König sammelt Lokales und Globales. Seine Biografie hat Aufregendes zu bieten.

Lustenau. (VN-hk) Bei Rudi König in der Lustenauer Hofsteigstraße muss man schauen, dass man nicht die Orientierung verliert. In seinem Hobbyzimmer wimmelt es von Fotos, Plakaten, Ordnern, Abzeichen, Mützen. An einer Wand sind Regale voll mit Aktenordnern. Von denen zupft er bei jedem Stichwort sofort einen heraus. „Ja, ja, ich bin ein Sammler“, lächelt er dann, um sich im nächsten Moment wieder in eine seiner zahlreichen Anekdoten zu verlieren.

Sieben Jahre USA

Was hat der bald 80-Jährige in seinem Leben nicht schon alles erlebt: Er war Profi-Musiker, verdingte sich damit auf Schiffen, in Groß- und Kleinstädten und in Tunesien. Er lebte mehrere Jahre in den USA, wo er sich intensiv für alles interessierte, was mit der Polizei zu tun hat. Sogar Hilfssheriff in Clearwater, Florida, wo er mit seiner Frau ein Haus baute, durfte er werden. Kein Problem, dass Rudi König gar kein Amerikaner war und im Pass auch nie einer wurde. „Wir lebten sieben Jahre in Amerika. Dann aber, als das erste Enkelkind kam, wollte meine Frau unbedingt zurück. Ich wäre geblieben.“

Rudi König hinterließ seine Spuren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Als Polizei-Freak begann er, alles zu sammeln, was mit der Polizei zu tun hat. Er bereiste 49 der 50 Bundesstaaten („außer Hawaii“). Überall besuchte er Polizeistationen, sammelte Mützen, Plaketten, Abzeichen, Uniformen. Den berühmtesten „Cop“ traf er in Tupelo, Mississippi: Harold Presley, Onkel des Kings, Elvis Presley. „Ein sehr netter Mensch. Leider wurde er später bei einem Einsatz erschossen.“

Handshake mit US-Präsidenten

Die bedeutendste aller seiner Bekanntschaften machte Rudi König in Washington DC. Dort kam er am „Police Memorial Day“, an dem der im Dienst getöteten Polizisten gedacht wird, mit dem damals berühmtesten und bedeutendsten Amerikaner zusammen: mit Bill Clinton. Stolz zeigt König das Foto, auf dem ihm der US-Präsident die Hand schüttelt. Der Lustenauer ist auf dem Foto in einer österreichischen Polizeiuniform zu sehen. „Ich habe vorher gefragt, ob ich sie an diesem Tag anziehen dürfe. In Österreich sagte man mir: ‚Du darfst, wenn es dem Ansehen des Landes gut tut.‘“ Was König an Amerika so sehr fasziniert, kann er gar nicht genau sagen. „Vielleicht hat es mit meinen Erfahrungen als Musiker zu tun, die ich in amerikanischen Clubs in Deutschland machte.“

Ein reicher Schatz

Zurück in Lustenau, verschrieb sich der umtriebige Weltenbummler ganz der Heimatkunde. Er eröffnete ein Polizeimuseum und begann damit, alte Häuser zu fotografieren, die Namen aller im Zweiten Weltkrieg gefallenen Lustenauer zu sammeln sowie eine Liste aller in seiner Heimatgemeinde tätigen Geistlichen seit 1355 zu erstellen. Reißenden Absatz fand auch ein Buch mit Fotos und Geschichten von Lustenauer Originalen, das Rudi König herausbrachte.

2003 fing er mit den Alt-Lustenau-Kalendern an. Mit Fotos aus dem Lustenau von früher, die Straßen, Häuser und Menschen zeigen. Die erste Auflage der Kalender für das laufende Jahr ist bereits vergriffen.

„Unlängst“, freut sich König, „kam jemand von der Feuerwehr vorbei und fragte nach historischen Fotos. Mir war zu jenem Zeitpunkt gar nicht bewusst, wie viele Brände ich in Lustenau fotografiert hatte.“ So voll wie sein Archiv, so prall ist auch Königs Anekdotensammlung – ein reicher Schatz.

Ich wäre in den USA geblieben. Meine Frau aber wollte heim.

Rudolf König

Zur Person

Rudolf König

Geboren: 1. Dezember 1937

Wohnort: Lustenau

Beruf: Pensionist

Familie: verheiratet, zwei Töchter, drei Enkel

Hobbys: Sammeln, Geschichte

Lieblingsspeise: Käshörnli