Sein Revier ist die Straße

Wetter / 31.01.2017 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Patrick Bickel mit der neuen grünen Vignette, die ab heute, Mittwoch, Pflicht ist.  Foto: VN/Paulitsch
Patrick Bickel mit der neuen grünen Vignette, die ab heute, Mittwoch, Pflicht ist. Foto: VN/Paulitsch

Patrick Bickel arbeitet seit eineinhalb Jahren bei der Asfinag. Dort ist er auch für die Mautkontrolle zuständig.

Hörbranz. (VN-jun) „Das Navi ist schuld, ich sitze im falschen Auto, ich bin doch noch gar nicht in Österreich“ – Ausreden von Vignettensündern, die Patrick Bickel bei den Mautkontrollen der Asfinag häufig zu hören bekommt. „Es gibt keine Ausrede, die es nicht gibt. Anfangs konnte ich mir das gar nicht vorstellen“, erzählt Bickel. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er bei der Asfinag in Vorarlberg. Erlebt hat er schon einiges. „Es gibt Leute, die auf der Autobahn anhalten, um ihr Auto abzuschneien. Ist das nicht verrückt?“, sagt der 26-Jährige. Auch Geisterfahrer kommen ihm bei der Arbeit hin und wieder entgegen.

Job mit Überraschungen

„Jeder Tag ist anders“, berichtet Bickel. Und genau das ist es, was ihm an seiner Arbeit gefällt. „Man weiß vorher nie was passiert. Es kann sein, dass ich jemandem bei einer Panne helfen muss oder in Zusammenarbeit mit der Polizei Sondertransporter wiege“, erzählt er. „Die Arbeit ist nicht Schema F.“ Deshalb muss sich Bickel aber auch jeden Tag auf unvorhersehbare Situationen und mögliche Gefahren einstellen. Denn er weiß nie, wer sein Gegenüber ist. Vor allem bei Vignettenkontrollen könne es kritisch werden. „Es gibt solche und solche Menschen. Jemand der anfangs noch freundlich war, kann auch mal schnell die Fassung verlieren. Das weiß ich vorher nicht“, berichtet Bickel, der zur Sicherheit immer Pfefferspray dabei hat. „Den sollten wir aber, wenn möglich, nicht einsetzen.“

192.000 Vignettensünder gab es im vergangenen Jahr in ganz Österreich. Dass Bickel für sie auch mal der Sündenbock ist, stört ihn nicht. „Ich finde es gerecht, dass Autofahrer, die ohne gültige Vignette erwischt werden, eine Ersatzmaut in Höhe von 120 Euro zahlen müssen“, sagt der Asfinag-Mitarbeiter, der selbst auch die Plakette braucht. „Wie jeder andere muss ich mir privat eine Vignette kaufen. Rabatt gibt es keinen.“ Ab heute, Mittwoch, ist die neue grüne Plakette auf Österreichs Autobahnen Pflicht.

Wie bringe ich die Vignette eigentlich richtig am Fahrzeug an? „Mein Lieblingsplatz ist hinter dem Rückspiegel. Da klebt sie nicht im Sichtfeld des Fahrers und ist von außen gut zu erkennen“, sagt Bickel, der bei den Mautkontrollen schon die wildesten Varianten gesehen hat. „Urlauber kleben die Vignette oftmals auf ein Seitenfenster. Motorradfahrer bringen sie auch hin und wieder auf dem Helm an.“ In naher Zukunft ist das aber Geschichte. Denn Ende 2017 kommt die digitale Vignette.

Sesshaft geworden

Da Bickels Job viel zu bieten hat, lässt er es in der Freizeit ruhiger angehen. „Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie“, erzählt er. „Zudem baue ich mit meiner Freundin ein Haus in Bludesch.“ Sie war einer der Gründe, warum Bickel seinen früheren Job in der Eventbranche aufgegeben hat. Nach Schule und Zivildienst arbeitete er fünf Jahre als Produktionsleiter einer Licht- und Tontechnikfirma in Kitzbühel. „Dort habe ich das Hahnenkammrennen und den Skiweltcup in Sölden betreut“, erzählt Bickel. „Das war cool, aber das Privatleben blieb auf der Strecke. Nachdem ich meine Freundin kennengelernt habe, war mir das Familienleben wichtiger.“

Urlauber kleben die Vignette oft auf ein Seitenfenster.

Patrick Bickel

Zur Person

Patrick Bickel

Geboren: 20. Juni 1990 in Bludenz

Wohnort: Bludesch

Laufbahn: Eventbranche in Kitzbühel, Mitarbeiter Asfinag

Familie: Freundin

Hobbys: Mountainbike, Schwimmen, Berge