Ein hartes Bauernleben

Wetter / 29.03.2017 • 21:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria Burger wuchs auf einem Bauernhof auf und heiratete später einen Bauern. Sie ist mit Leib und Seele Bäuerin.  Foto: VN/Bernd Hofmeister
Maria Burger wuchs auf einem Bauernhof auf und heiratete später einen Bauern. Sie ist mit Leib und Seele Bäuerin.  Foto: VN/Bernd Hofmeister

Hinter der Bäuerin liegt ein arbeitsreiches Leben. Erst jetzt im Alter hat sie Zeit für sich.   

St. Gallenkirch. (VN-kum) „Tack, tack, tack!“ Das Geräusch hört sich an, als ob jemand Holz hackt. „Dagobert ist fast den ganzen Tag im Keller und macht kistenweise Späne“, bestätigt Maria Burger (80). Die alte Bäuerin ist froh, dass ihr an Demenz leidender Ehemann eine Beschäftigung hat und nicht Reißaus nimmt. „Vor zwei Jahren hat es angefangen. Er wurde furchtbar vergesslich“, erinnert sie sich. Sie ist sich nicht sicher, ob er sie noch kennt. „Die Namen von mir und unseren zwei Söhnen weiß er nicht mehr.“ Maria leidet darunter, „dass ich für ihn denken muss und man nicht mehr mit ihm reden kann“. In ihren Augen ist die Demenz eine ganz schreckliche Krankheit. „Ich bete jeden Tag darum, dass ich gesund bleibe und diese Krankheit nicht bekomme.“

Schon als Kind gearbeitet

Die Landwirtin greift zu ihren Gummistiefeln. Sie muss das Vieh füttern gehen. Sobald sie im Stall ist, vergisst sie ihren kranken Mann. Dann ist ihre Aufmerksamkeit ganz bei den Tieren. Im Vorjahr gaben die Burgers ihre kleine Landwirtschaft auf. „Wir hatten nur noch eine Kuh. Eine zweite wollte ich mit 80 nicht mehr kaufen.“ Sie gestattete aber einem Bekannten, seine zwei Rinder im Stall unterzustellen. Maria kümmert sich gerne um diese zwei Tiere. „Sie sind dankbar“, sagt sie und füttert sie mit Heu.

Maria hat ihr ganzes Leben „burnat“. Sie wuchs auf einem Bauernhof auf und musste schon als Kind anpacken. „Wenn ich aus der Schule kam, drückte man mir die Sense in die Hand.“ Sie hätte gerne den Beruf der Näherin oder Köchin gelernt. „Aber es hieß, ich müsse der Mutter helfen und meinen alten Onkel versorgen.“

Maria blieb am mütterlichen Hof. „Ich fand mich damit ab.“ Als sie dann auch noch einen Bauern heiratete, war ihr Leben vorgezeichnet. „1967 übernahmen Dagobert und ich die Landwirtschaft seiner Eltern.“ Nachsatz: „Da hat’s mich hineingefressen.“ Denn ihr Mann erfüllte sich seinen Traum und ließ sich zum Jagdaufseher ausbilden. „Das war für mich kein Nutzen, denn ein Jäger ist am Morgen und am Abend weg. Die Arbeit blieb mir.“ Ihre Tage begannen um fünf Uhr. Sie ging in den Stall, mistete ihn aus und fütterte das Vieh. „Wir hatten drei Kühe, einen Ochsen, ein Rind, ein Schwein und mehrere Schafe und Hennen.“

Jahrelang molk sie die Kühe von Hand. Erst als ihr Arm zu schmerzen begann und der Arzt meinte, dass das vom Melken komme, kauften sich die Burgers 1985 eine Melkmaschine. Maria stellte selbst Butter und Käse her und backte fast täglich Brot. „Das habe ich alles von der Mutter gelernt.“ Auch zwei große Gemüsegärten bewirtschaftete die Landwirtin. Im Sommer hieß es aber auch heuen, und das oft in steilem Gelände. Dass sie heute ein künstliches Knie hat, führt die 80-Jährige auf diese Arbeit zurück. Um sich ein Zubrot zu verdienen, beherbergte sie Gäste. Nebenher zog sie zwei Kinder groß. „Wenn man jung ist, schafft man das leicht“, meint sie im Rückblick.

So etwas wie Freizeit kannte Maria über viele Jahre nicht. „Es gab nichts anderes als schaffen. Ich war nichts anderes gewohnt. Nur am Sonntag hatte ich ein bisschen frei. Da sind wir am Nachmittag spazieren gegangen.“ Erst jetzt im Alter hat sie Zeit für sich. „Wenn schönes Wetter ist, setze ich mich vors Haus und genieße die Sonne“, sagt sie und verwöhnt jetzt jedes ihrer „Meiggana“ mit einem Stück altem Brot. Bevor die Bäuerin wieder ins Haus zu ihrem kranken Mann geht, meint sie noch: „Ich würde wieder einen Bauern heiraten, aber nur einen, der auch mitarbeitet in der Landwirtschaft.“

Ich bete jeden Tag, dass ich diese Krankheit nicht bekomme.

Maria Burger

Zur Person

Maria Burger

arbeitete hart als Bäuerin. Außerdem beherbergte sie Gäste und zog zwei Kinder groß.   

Geboren: 19. März 1937

Ausbildung: Hauswirtschaftsschule

Familie: verheiratet, zwei Söhne

Hobbys: Nähen, Stricken