Vom Zivildienst inspiriert

Einsatz im größten Flüchtlingscamp der Welt.
hörbranz Christopher Friedrich wird Weihnachten bei seiner Familie in Hörbranz verbringen. „Silvester auch. Das ist Tradition bei uns“, ergänzt der Student. Er freut sich auf eine ruhigere Zeit, denn erst gestern, Dienstag, kam Friedrich von einem anstrengenden Einsatz aus Bangladesch zurück. Vier Wochen lang hat er im Auftrag des Roten Kreuzes im größten Flüchtlingscamp der Welt dafür gesorgt, dass den Menschen dort wenigstens frisches Wasser zur Verfügung steht. „Es waren intensive Arbeitstage, sowohl emotional wie körperlich“, erzählt Christopher Friedrich. Er sieht in dieser Tätigkeit auch mehr als nur den Tropfen auf dem heißen Stein. „Was in diesem Camp geleistet wird, nützt allen“, sagt er. Ebenso ist ihm klar, dass es noch viel zu tun gibt.
Aktiver Beitrag
Seit August sind mehr als 625.000 Menschen vor Gewalt in Myanmar über die Grenze nach Bangladesch geflohen, und zwar nach Cox Bazar im Südosten des Landes, wo sich bereits über 210.000 Flüchtlinge aufhielten. Mittlerweile ist es bereits rund eine Million Menschen, die Unterstützung benötigt. Das Österreichische Rote Kreuz hat Experten zur Trinkwasseraufbereitung in das Lager entsandt, um die Gefahr eines Ausbruchs von Krankheiten durch verseuchtes Wasser zu verhindern. Auch die Verbesserung der Hygiene sowie der sanitären Situation zählt zu ihren Aufgaben. Tätigkeiten, die Christopher Friedrich gelegen kommen, studiert er doch an der Universität für Bodenkultur in Wien Umwelt- und Bioressourcenmanagement. Im Lager in Bangladesch war der Hörbranzer für die Analyse von Wasserquellen zuständig und damit viel im Gelände unterwegs. Besonders zugesetzt hat ihm die Hitze. Aber: „Ich bin dankbar für diese Erfahrung und die Möglichkeit, aktiv etwas zur Verbesserung der Situation dieser Menschen beitragen zu können.“
Der Zivildienst als Sanitäter beim Roten Kreuz in Bregenz war es, der Christopher Friedrich zu seinem freiwilligen Engagement bewegte. Seit 2009 ist er im Bereich Wasser und Sanitär für das Rote Kreuz unterwegs. „Wasser interessiert mich“, hatte er festgestellt. So war er mit seiner Fachkenntnis vor Ort, als 2014 zahlreiche Orte in Bosnien in schweren Überschwemmungen untergingen. Im August verbrachte er drei Wochen in Malawi, wo er ein neues Labor testete, in dem Fäkalschlamm aus Latrinen untersucht werden kann. Weil es in diesen Ländern an Abwasserbeseitigungsanlagen fehlt, muss der anfallende Fäkalschlamm desinfiziert werden, damit eine unbedenkliche Entsorgung erfolgen kann. Das Labor bestand seine Feuertaufe und wurde deshalb mit nach Bangladesch genommen.
Wenn Bedarf besteht, wird Christopher Friedrich wieder für einen Einsatz bereit sein. Obwohl das menschliche Leid, das ihm dabei oft entgegenschlägt, sehr bedrückend ist, sieht er doch auch den Wert, der hinter der Arbeit steckt. Damit allein will sich der strebsame Student aber nicht zufriedengeben. So möchte er in seiner Doktorarbeit die Sanitärsituation in Flüchtlingslagern thematisieren, und die Masterarbeit, die er in Schweden schreibt, handelt von der Umweltwissenschaft. So sieht zumindest sein Langzeitplan aus. Jetzt darf sich Christopher Friedrich aber erst einmal ein paar Wochen Ruhe gönnen. VN-MM
„Ich bin dankbar für die Erfahrung und die Möglichkeit, aktiv etwas beitragen zu können.“
Zur Person
Christopher Friedrich
engagiert sich bei Auslandseinsätzen des Roten Kreuzes.
Geboren 17. Juli 1989 in Bregenz
Ausbildung studiert Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU Wien
Familie ledig
Spenden Myanmar: Menschen auf der Flucht. IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 rotes Kreuz