Vertrauen als Grundhaltung

Wetter / 17.10.2019 • 19:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Judith Sauerwein ist eine wertschätzende Kommunikation essenziell. BI
Für Judith Sauerwein ist eine wertschätzende Kommunikation essenziell. BI

Schulqualitätsmanagerin für die Region Bludenz.

Dalaas Ihr Berufswunsch stand für Judith Sauerwein bereits mit sechs Jahren fest: Sie wollte Lehrerin und Bäuerin werden. „Ich habe noch einen handgeschriebenen Zettel aus der ersten Klasse, auf dem ich diese Berufsziele notiert habe“, erzählt sie. Beide Berufswünsche wurden von der engagierten jungen Frau nie in Frage gestellt und konsequent umgesetzt.

Nachdem sie zwölf Jahre in der Volksschule in Wald am Arlberg unterrichtet hatte, wechselte sie als Schulleiterin an die Volkschule Obdorf in Bludenz. Dort initiierte sie als Novum in Vorarlberg die erste ganztägig verschränkte Klasse: „Diese Neu-Einführung hat sicher als Sprungbrett in das Berufsfeld als Bezirksschulinspektorin gedient. Ich habe immer sehr gern unterrichtet, wollte jedoch etwas Neues machen.“ Über acht Jahre war sie in der neuen Funktion ausschließlich für Pflichtschulen des Bezirks Bludenz zuständig. In diesen Jahren hat der Amtstitel drei Mal gewechselt, so wurde sie Pflichtschul­inspektorin und mit dem heurigen Schuljahr schließlich Schulqualitätsmanagerin.

Dieser Schritt bedeutet, dass ihr nunmehr die Fachaufsicht auch über mittlere und höhere Schulen für die Region Bludenz, Montafon und Brandnertal obliegt. „Früher war es so, dass die Schulinspektoren auch in den Unterricht kamen. Das hat sich geändert. Die Führungsverantwortung über die Lehrpersonen liegt ausschließlich bei den Schulleitern. Bei Beschwerden hat die zuständige Lehrperson bzw. der Schulleiter die erste Verantwortung. Erst wenn eine Situation zu eskalieren droht, kommt das Schulqualitätsmanagement ins Spiel. Es ist mir jedoch wichtig, dass durch eine gute Kommunikation gemeinsame Lösungen oder auch Kompromisse gefunden werden“, erläutert sie ihre Herangehensweise bei Konfliktsituationen, wobei hierbei vor allem das Element der positiven Psychologie zum Tragen komme. „Das Wohlbefinden ist sehr wichtig. Wenn man sich nicht wohl fühlt, kann man nicht lernen und nicht arbeiten – das gilt sowohl für Lehrer als auch für Schüler“, ist sie überzeugt.

Werte wie gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung und Transparenz sind für Sauerwein absolut zentral: „Mein Ziel ist es, dass Eltern ihre Kinder mit dem Grundvertrauen in die Schule schicken, dass jede Lehrperson ihr Bestmögliches leistet. Es soll mit Stärken, aber auch an Schwächen gearbeitet werden. Vertrauen hat viel mit Transparenz zu tun. Für mich gilt der Grundsatz: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Eine Grundlage hierfür ist eine wertschätzende Kommunikation.“

Das neue Aufgabengebiet der pädagogischen Managerin ist sehr komplex. Neben Steuerungsarbeit steht Vernetzungsarbeit mit schulinternen und schulexternen Netzwerkpartnern im Vordergrund. „Meine Vision ist es, dass Kinder vom Kindergarten bis zur Lehre oder Matura schulübergreifend begleitet werden. Übergänge sollten möglichst angstfrei gelingen – auch hierfür ist eine gute Kommunikation unabdingbar.“ BI

Zur Person

Judith Sauerwein

Geboren 27. Februar 1972

Wohnort Dalaas

Familie verheiratet, 2 Kinder

Beruflicher Werdegang 12 Jahre VS Wald a.A., 2 ½ Jahre VS Bludenz Obdorf, seit 9 Jahren Schulinspektorin, seit September 2019 Schulqualitätsmanagerin

Hobbys Bewegung in der Natur, Gymnastik, Lesen