Phase des Annehmens

Wetter / 08.11.2020 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Theresa Perauer versucht, dem Tod ihres Sohnes Sinn zu geben. VN/Hämmerle
Theresa Perauer versucht, dem Tod ihres Sohnes Sinn zu geben. VN/Hämmerle

Wie Theresia Perauer den Mord an ihrem Sohn Michael verarbeitet.

Bregenz Bald jährt es sich zum zweiten Mal, dass der damals 21-jährige Michael Perauer in Innsbruck von einem geisteskranken Afghanen brutal ermordet wurde. Ein Ereignis, das nicht nur Vorarlberg erschütterte, sondern viele Menschen darüber hinaus. Eltern, Schwester und andere Verwandte wollten Michaels Tod nicht einfach so hinnehmen. „Unser Michi soll nicht sinnlos gestorben sein“, betont Mutter Theresia immer wieder. „Wir möchten seine Botschaft der Versöhnung und des Miteinanders transportieren. Denn Michi war ein herzensguter Mensch, der nicht gewollt hätte, dass wir mit Hass in unseren Herzen weiterleben.“

Bewusster leben

Viel in diesem Sinne hat Theresia Perauer in diesem zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang, Tochter Lisa und Wolfgangs Schwester Sabine gemacht. Sie pflegt den Kontakt mit Michaels Freunden, sie findet Trost in ihrer Relgion, sie schreibt über das einschneidende Ereignis und hat gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden die Errichtung einer Gedenkstätte gegen Gewalt in Innsbruck initiert.

„Wir sind jetzt in einer Phase des Annehmens des Todes von Michi, und wir begreifen die Notwendigkeit, unser eigenes Leben selbstständig weiterzuführen“, sagt die Mutter des Ermordeten nach zwei Jahren Trauerbewältigung.. Trotzdem bleibt ihr Sohn eine Orientierung für das tägliche Leben. „Ich lebe bewusster, kaum mehr fern, lese und schreibe. Ich liebe die Ruhe und das tiefe Reflektieren, das ich mit meinem Glauben verbinde.“

Viel Schmerz

Das erste Buch über den Umgang mit dem schrecklichen Ereignis hat Theresia Perauer bereits fertiggeschrieben. Es soll Anfang kommenden Jahres erscheinen, aber nicht in den Verkauf gelangen. „Ich möchte dieses Buch bewusst nur jenen zur Verfügung stellen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie wir, sowie guten Freunden und Bekannten. Dieses Buch beinhaltet sehr viel Schmerz. Ein zweites Buch soll sich dann ausschließlich mit Michi beschäftigen. Das wäre dann für alle zu haben, die es wollen.“

Sammelaktion

Ein weiteres Projekt mit starker Botschaft ist zwischenzeitlich ebenfalls in Umsetzung. Es handelt sich um die Errichtung einer Gedenkstätte gegen Gewalt auf dem Areal der Dreiheiligenkirche in Innsbruck nahe des Tatorts. Der Lustenauer Künstler Udo Rabensteiner arbeitet an einer Skulptur, deren Entwurf bereits von Diözese und Stadt Innsbruck befürwortet wurde.

Die Perauers haben eine Sammelaktion zur Finanzierung des Projekts ins Leben gerufen und unter anderem auch Bischof Benno als Unterstützer gewinnen können.

Theresia Perauer erlebt die Entwicklung all ihrer Aktivitäten mit großer Freude. Sie geben ihr Kraft und Stärke. Diese Eigenschaften kamen ihr auch im letzten Sommer zugute, als sie ihre sterbenskranke Schwester bis zu deren Tod betreute. „Sie hatte große Angst vor dem Sterben. Ich konnte ihr Ruhe und Vertrauen vermitteln. Das war sehr schön.“

Der Schmerz über den Tod von Michi gelangt trotzdem gelegentlich an die Oberfläche. „Der Terrorakt von Wien hat die Erinnerungen an unser Schicksal wieder wach werden lassen. Du kannst mitfühlen, wie es jenen geht, die ihre Angehörigen verloren haben“, erzählt Theresia. Trost findet sie dann in Botschaften wie jener, welche die Schwester einer getöteten Frau veröffentlichte. Darin bittet diese, von Hass und Ausgrenzung Abstand zu nehmen. „Genau das versuchen wir auch.“ VN-HK

Zur Person

Theresia Perauer

Die Bregenzerin beginnt bald eine Ausbildung als Hospiz-Betreuerin.

Geboren 26. September 1968

Wohnhaft Bregenz

Beruf Hausfrau

Familie Verheiratet, zwei Kinder

Hobbys Lesen, Schreiben

Lieblingsspeise Currygeschnetzeltes

Spenden für die Gedenkstätte Michael Perauer unter IBAN: AT38 5800 0102 9585 9127

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