Ein leiser Helfer

Wetter / 19.11.2020 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Adrian Juriatti hat von Kindern gewünschte Spielsachen in Plastiktaschen gepackt. HRJ
Adrian Juriatti hat von Kindern gewünschte Spielsachen in Plastiktaschen gepackt. HRJ

Adrian Juriatti erfüllt Kindern Herzenswünsche.

BÜRS Adrian Juriatti mag es nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen. Er zieht es vor, leise, im Hintergrund tätig zu sein. Denn es geht nicht um ihn, sagt er, sondern um die Kinder, denen in seinem Spielwarengeschäft in Bürs Wünsche erfüllt werden. Zuweilen ein letzter Wunsch.

Am Nachmittag vor dem zweiten Lockdown tummeln sich noch Mädchen und Buben mit und ohne Erwachsene zwischen den Regalen. Adrian Juriatti (51) packt Spielwaren, die auf einer Liste stehen, in Plastiktaschen. Es ist die Liste der Herzenswünsche von schwerkranken, behinderten und sozial benachteiligten Kindern, die von „Stunde des Herzens“ betreut werden. Mit der in Bürserberg angesiedelten privaten Hilfsorganisation ist Adrian Juriatti „seit vielen Jahren intensiv verbunden“. Obmann Joe Fritsche sendet ihm die Wunschlisten, Juriatti stellt die Spielsachen zur Verfügung. Finanziert wird diese Hilfsaktion „von Kunden und Sponsoren, die Gutes tun möchten“, erklärt Adrian Juriatti, „und wir übernehmen den Rest“. Jeder kann also mittels einer Spende einen Herzenswunsch umsetzen lassen oder selber Geschenke kaufen – persönlich im Geschäft in Bürs sowie im Onlineshop (www.spielzeug-juriatti.at). Jede Woche werden drei bis fünf Familien beschenkt. Das macht im Jahr 400 bis 500 Geschenke aus.

Zu Weihnachten ist die Wunschliste am längsten. Bisher wurden die Wünsche ans Christkind immer Anfang Dezember im Rahmen einer Weihnachtsfeier im Haus Juriatti erfüllt. Dabei suchen sich die Kinder die Geschenke direkt im Laden aus, die ihnen dann von Prominenten, wie Schauspielerin Laura Bilgeri, Autorennfahrer Timo Scheider, Unterhaltungsschwergewicht Jumbo Schreiner oder Peterson da Cruz Hora (Leiter der Showakrobaten Zurcaroh), überreicht werden. „Das ist jedes Mal ein berührendes Erlebnis“, erinnert sich Adrian Juriatti. „Da sind schon Kinder zu uns gekommen, die noch nie zuvor in einem Spielwarengeschäft waren. Und jedes Jahr sind krebskranke Kinder dabei, die zum letzten Mal Weihnachten feiern. Das berührt sehr.“ Sehr berührend ist auch, wenn Kinder teilnehmen, die von ihrer Erkrankung genesen sind. Dieses Jahr fällt die Weihnachtsfeier coronabedingt aus. „Wir werden aber Kinder in kleinen Gruppen über mehrere Tage verteilt einladen, wenn der Lockdown vorbei ist“, lässt Juriatti wissen. Bei Bedarf werden die Geschenke nach Hause zugestellt.

Lockdownschock

Von den Coronamaßnahmen ist auch sein Betrieb betroffen. Adrian Juriatti – in Bludenz geboren, in Nüziders aufgewachsen, HAK-Absolvent mit Wirtschaftsausbildung, Lehrabschluss als Kaufmann, Kino-Verwalter – hat sich mit dem Geschäft Spiel+Freizeit Juriatti vor 20 Jahren selbstständig gemacht. Er führt es gemeinsam mit Ehefrau Margit. „Der erste Lockdown war ein Schock“, bekennt er. „Wir hatten aber schon im Vorfeld über soziale Kanäle mitgeteilt, dass wir während des Lockdowns landesweit zustellen.“ Das gilt auch für diesen.

Mittlerweile nimmt er die Situation mit Gelassenheit an: „Wenn es so ist, muss es so sein.“ So etwas wie Corona habe es eh dringend gebraucht, ist seine Ansicht. Mit immer mehr, immer höher, immer schneller sei die Gesellschaft am Limit angelangt. Er ist überzeugt davon, „dass die Pandemie unsere Gesellschaft nachhaltig prägen wird“. Ein positiver Aspekt der Corona-Krise sei, „dass jetzt verstärkt regional gekauft wird, statt alles über Onlinegiganten wie Amazon zu bestellen“.

Im Übrigen ist Adrian Juriatti nicht nur am Erfüllen von Herzenswünschen beteiligt. Er und seine Frau unterstützen auch Hilfsprojekte für Notleidende im Kosovo, in Rumänien und Brasilien. Aber darüber möchte er nicht reden. Es zu tun, genügt. HRJ

Zur Person

Adrian Juriatti

Geboren 1. Februar 1969

BerufUnternehmer
Wohnort Nüziders

Familie verheiratet mit Margit, drei erwachsene Töchter, zwei Enkel

Hobbys Fotografie, Reiten,
Wandern, Kino

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