Mit Humor durch die Krise

Wetter / 05.04.2021 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Viele Jugendliche brauchen Halt, Gerd Konklewski ist für sie da. sos-kinderdorf
Viele Jugendliche brauchen Halt, Gerd Konklewski ist für sie da. sos-kinderdorf

Als SOS-Kinderdorf-Leiter fährt Gerd Konklewski gut damit.

bregenz Sie nannten ihn „Kongo“, und manche tun es immer noch. Gerd Konklewski (48) ist seinen Spitznamen nie ganz losgeworden. Er erzählt von einem ehemaligen Jugendlichen, der ihm neulich eine E-Mail schickte und ihn darin mit „Lieber Kongo“ anredete. Konklewski schmunzelt beim Gedanken an diese Begebenheit. Dabei sind die jungen Leute, die er während seiner Zeit als Polizeiwachtmeister ehrenamtlich betreute, so wie er inzwischen gestandene Leute. Doch es freut den gebürtigen Deutschen immer noch, wenn er mit Ehemaligen in Kontakt kommt, denn das Wohl der Jugend ist ihm wichtig. Seit gut 30 Jahren arbeitet Gerd Konklewski inzwischen hauptberuflich im Sozialbereich. 2015 kam er der Arbeit wegen nach Vorarlberg. Seitdem leitet er hier das SOS-Kinderdorf. Was ihm vorher Freizeit war, ist ihm heute Broterwerb, und er freut sich, einen guten Draht zu jungen Menschen zu haben.

Zivildienst verlängert

Schon während des Zivildienstes, wo er mit Kindern mit Behinderung gearbeitet hat, drängte seine soziale Ader an die Oberfläche. „Es hat mir so gut gefallen, dass ich den Zivildienst verlängert habe“, schildert Gerd Konklewski. Irgendwann wurde aus dem Polizeiwachtmeister dann ein Sozialarbeiter. Er absolvierte eine Grundausbildung im Sozialbereich sowie eine Ausbildung zum Heil- und Sonderpädagogen. Seine erste Hausleiterstelle erhielt der Vater von zehnjährigen Zwillingen in Berchtesgaden. „Es wurden immer mehr Häuser“, flicht er ein. Nach elf Jahren wechselte Konklewski nach Salzburg zum Hilfswerk. Dort leitete er die Fachabteilung für Kinder, Jugend, Familie und Pädagogik. „Durch Zufall erfuhr ich von der Stellenausschreibung des SOS-Kinderdorfs in Vorarlberg“, berichtet der Hobbyschlagzeuger weiter. Er bewarb sich und bekam die Standortleitung. Dafür ließ Gerd Konklewski sogar seine Wohnung mit imposantem Blick auf den Watzmann zurück. Er hat es nicht bereut, wiewohl sich die Wohnungssuche in Vorarlberg als äußerst schwierig erwies. Mittlerweile hat er seine Zelte in der Nähe von Isny aufgeschlagen. Seine Familie lebt dort, und er pendelt.

In seinem Job setzt Gerd Konklewski auf seine Erfahrung, aber vor allem auf Humor. „Der kommt bei Kindern und Jugendlichen immer gut an“, weiß er und lacht. Seit sich die Coronakrise festgesetzt hat, braucht er ihn noch dringender. „Wir spüren, dass der Druck auf die Jugendlichen steigt, und die fehlende Aussicht auf eine baldige Rückkehr zu einem normalen Leben macht die Situation nicht einfacher“, sagt er. Statt einer unbeschwerten Zeit würden viele junge Menschen derzeit nur Perspektivlosigkeit, Ausgangsbeschränkungen und fehlende Freundschaften erleben. „Eine Jugendzeit ohne Jugend“, fasst Gerd Konklewski die Situation prägnant zusammen.

Wartelisten

Die Probleme werden zudem an vermehrten Anfragen für eine Aufnahme im SOS-Jugendwohnen deutlich. „Es gibt Wartelisten“, bestätigt der Leiter. Ansonsten sieht er das SOS-Kinderdorf gut durch die Krise gekommen und lobt das hohe Engagement der Mitarbeitenden, aber auch jenes der Jugendlichen. „Sie haben während der Lockdowns toll und vorbildlich zusammengehalten“, betont Gerd Konklewski. Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepte führt er ebenfalls als wichtigen Punkt an. Ebenso klar ist ihm jedoch, „dass wir bislang einfach auch großes Glück hatten“. Er selbst schöpft Kraft aus langen Spaziergängen mit dem Hund und aus der Musik. Konklewski spielt als Schlagzeuger in einer Rockband im Allgäu. Erzählt er davon, geht sein Herz ebenso über wie bei Gesprächen über junge Leute. VN-MM

Zur Person

Gerd Konklewski

fungiert seit sechs Jahren als Standortleiter des SOS-Kinderdorfs in Vorarlberg.

Alter 48

Ausbildung Polizeidienst, Sozialbereich

Wohnort Bregenz, Geratz/Isny

Familie verheiratet, Zwillinge

Hobbys Schlagzeug, Spaziergänge mit dem Hund