Kein Ende der Waljagd?

Wissen / 04.04.2014 • 15:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein harpunierter Wal wird an Bord eines japanischen Walfangschiffes gezogen, das im Atlantischen Ozean kreuzt.   FOTO: Greenpeace/dpa
Ein harpunierter Wal wird an Bord eines japanischen Walfangschiffes gezogen, das im Atlantischen Ozean kreuzt.  FOTO: Greenpeace/dpa

Japan akzeptiert das Fangverbot im Südpolarmeer durch UN-Gericht nur für 2014.

Tokio, schwarzach. (VN-hrj) Ein Märztag im Südpolarmeer. Zwei graublaue Schiffe mit japanischer Flagge sind unterwegs auf der Jagd nach Großwalen. An deren Bug ragen Harpunen heraus. Eine hat sich soeben in den Bauch eines Tieres gebohrt. In seinem massigen Körper explodiert Sprengstoff. Nun wird der Kadaver über eine niedrige Rampe in ein Boot gezogen. Blut färbt das Wasser und die Decks rot. Solche grausigen Szenarien kann jeder mitverfolgen, der sich auf Youtube die Filme der Umweltschützer anschaut.

Auf den Schiffen der japanischen Walfang-Flotte steht mit großen weißen Buchstaben „Research“ – Forschung. Damit soll weisgemacht werden, dass das Abschlachten der Meeressäuger der Wissenschaft dient.

Deckmantel Wissenschaft

Das Gemetzel im Südpolarmeer soll nun beendet sein. Anfang der Woche verkündeten in Den Haag die 16 höchsten Richter der Vereinten Nationen ihr Urteil: Die Jagd auf die geschützten Meeressäuger im Rahmen dieses japanischen „Forschungsprogramms“ ist illegal, weil es keinen wissenschaftlichen Kriterien entspricht, und somit verboten.

Die kommerzielle Jagd auf Großwale wurde bereits 1986 verboten. Wenn auch unter starkem internationalen Druck, hat auch Japan den Vertrag damals unterzeichnet. Doch da gibt es den Artikel 8 der Konvention, der das Töten von Walen zu Forschungszwecken erlaubt. Ein willkommenes Schlupfloch für die Japaner. So wurden seitdem unter dem Deckmantel der Wissenschaft von japanischen Walfängern mehr als 10.000 Großwale getötet. Das Fleisch wurde auf einem Fabrik-Schiff auf hoher See verarbeitet und landete in Supermärkten und Restaurants.

Geklagt wurden die Japaner vom Staat Australien und verschiedenen Tierschutzorganisationen. Für sie ist das Urteil ein bedeutender Sieg. Der WWF spricht von einer „Sternstunde für den weltweiten Walschutz“. Greenpeace erklärte: „Jeder weitere Versuch der japanischen Regierung, das Walfangmoratorium zu umgehen, wäre unethisch, unzeitgemäß und unwirtschaftlich.“ Der VGT (Verein gegen Tierfabriken) organisiert seit Jahren immer wieder Demonstrationen vor der japanischen Botschaft in Wien, um gegen das Töten von Walen zu protestieren. „Für uns ist das Urteil ein Riesenerfolg“, sagt Tobias Giesinger vom VGT Vorarlberg. „Ernüchternd ist, dass es so lange gedauert hat, obwohl die Jagd schon seit Jahren verboten ist.“ Zu bedenken gibt Giesinger auch, „dass nicht jegliche Waljagd untersagt ist“. In Norwegen und Island ist sie noch erlaubt. Wenigstens kommt dort kein Sprengstoff zum Einsatz. „Aber motiviert durch den aktuellen Erfolg wird das Tierschutz-Engagement verstärkt“, so Giesinger. Und eines Tages werde der Walfang auch in diesen Ländern Geschichte sein.

Enttäuschte Japaner

In Japan ist man über das Den Haager Urteil zutiefst enttäuscht. Warum? Es geht ums Walfleisch, das in diesem Land der Kern der lokalen traditionellen Esskultur sei. Das behaupten zumindest Restaurantbesitzer in den Küstenregionen. Tatsächlich ist die Nachfrage nach dem dunklen Fleisch gering und weiterhin rückläufig. Die meisten Japaner mögen es gar nicht. Zudem bringt die Jagd auf die Meeressäuger dem Staat keinen wirtschaftlichen Nutzen, sondern muss sogar subventioniert werden.

Jun Morikawa von der Rakuno Gakuen Universität äußert Verständnis für das Urteil: „Kann man eine Fischerei im fernen Südpolarmeer ‚traditionelle Kultur‘ nennen?“, fragt er. Und als „wissenschaftlichen Walfang“ könne man das auch nicht bezeichnen.

Doch andere vertreten eine nationalistische Haltung. Unter ihnen der Fischereiminister Yoshimasa Hayashi. Einen Tag nach dem Urteil des Internationalen Gerichtshofs deutete er in lokalen Medien an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Dieses Jahr werde zwar kein Walfang mehr betrieben, aber man werde Wege finden, ihn fortsetzen zu können.