3,3 Millionen sterben jährlich durch Alkohol

Wissen / 11.12.2015 • 16:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für viele chronische und tödliche Erkrankungen.  Foto: AP
Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für viele chronische und tödliche Erkrankungen. Foto: AP

Einer Studie zufolge gibt es in Europa mehr alkoholbedingte Todesfälle bei sozial Schwachen.

Rotterdam. In vielen europäischen Ländern sterben ärmere und weniger gebildete Menschen häufiger an Alkohol als wohlhabende und besser gebildete Personen. Diesen Zusammenhang fanden Wissenschafter in allen der 17 untersuchten europäischen Länder. In vielen Staaten seien alkoholbedingte Todesfälle in erheblichem Maße für die sozialen Unterschiede in der Sterblichkeit der Bevölkerung mitverantwortlich, schreiben sie im Fachblatt „PLOS Medicine“.

Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für viele chronische und tödlichen Erkrankungen. Er kann unter anderem Leberschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs verursachen, zu akuten Vergiftungen führen oder tödliche Unfälle mitverursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Alkohol jährlich für 3,3 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich – ein Anteil von 5,9 Prozent an allen Todesfällen.

Alkohol wird in allen sozialen Schichten getrunken – aber nicht in allen gleich. In vielen Ländern trinken sozial bessergestellte Menschen häufiger – und manchmal auch mehr – als Menschen mit geringerem Bildungsgrad, schreiben die Forscher um Johan Mackenbach vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam. In unteren sozialen Gruppen sei problematisches Trinkverhalten – etwa das Komasaufen – allerdings verbreiteter, infolgedessen seien alkoholbedingte Gesundheits- und soziale Probleme häufiger.

Die Forscher werteten Daten aus Sterberegistern seit etwa 1980 aus, um den Zusammenhang zwischen alkoholbedingten Todesfällen und sozioökonomischen Faktoren zu untersuchen. Österreich war in der Auswertung dabei, jedoch stammten die letzten Daten aus den frühen 2000er-Jahren. Basierend auf dem Ausbildungsgrad und dem Beruf teilten sie die Verstorbenen in unterschiedliche soziale Gruppen ein.

Ungarn führt die Liste an

In Ungarn starben im Ländervergleich am meisten Männer und Frauen an Alkohol. In allen Ländern waren alkoholbedingte Todesfälle in den unteren sozialen Gruppen häufiger. Die stärksten Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen fanden die Forscher in den Ländern Osteuropas sowie in Finnland und Dänemark. In Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz waren die Unterschiede weniger stark ausgeprägt, ebenso in Österreich. Die meisten Österreicher starben laut Auswertung aufgrund von Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit, gefolgt von einer alkoholbedingten Leberzirrhose. Im Gegensatz zu Litauen, Polen oder Finnland starben in Österreich kaum Menschen an einer Alkoholvergiftung.

In Finnland, Slowenien, Ungarn und Dänemark – hier nur bei den Männern – waren alkoholbedingte Todesfälle mit einem Anteil von zehn Prozent oder mehr maßgeblich für die messbaren Unterschiede der Gesamtsterblichkeit in den verschiedenen sozialen Gruppen verantwortlich, berichten die Forscher weiter. In vielen Ländern habe es in den vergangenen Jahrzehnten bei den Männern in den unteren sozialen Schichten eine deutliche Zunahme der alkoholbedingten Todesfälle gegeben, während deren Zahl in den höheren sozialen Schichten gleich geblieben sei. Dies habe die Ungleichheit zwischen den sozialen Gruppen verstärkt. Dieser Trend sei aber nicht einheitlich. So sei die Rate alkoholbedingter Todesfälle in den unteren sozialen Schichten in den Ländern Südeuropas gleich geblieben oder sogar zurückgegangen.

Laxere Gesetze, ein leichterer Zugang zu Alkohol oder steigende Einkommen seien mögliche Erklärungen für den beobachteten Anstieg und für die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Genauere Untersuchungen dazu, warum die Zahl der Alkoholtoten in den unteren sozialen Schichten einiger Länder nicht zugenommen habe, könnten dazu beitragen, Bekämpfungsstrategien für die anderen Länder zu entwickeln, schreiben die Forscher.